"WerraGrenzPark" Herleshausen: Spatenstich für Erinnerungsort an einstiger Grenze

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Das hessische Herleshausen ist nicht groß, aber ziemlich bekannt. Das liegt an seiner historischen Bedeutung: Der Grenzübergang in die DDR war einst einer der größten, viel Güterverkehr passierte hier zwischen West- und Osteuropa. Ein Verein bemüht sich seit mehreren Jahren, in Herleshausen einen Erinnerungsort zu schaffen. Er soll jüngeren Generationen auch zeigen: Demokratie und Freiheit sind nicht selbstverständlich. Jetzt kann mit dem Bau begonnen werden.

Drei Männer sprechen miteinander. Sie halten Pläne in den Händen, auf die sie schauen.
Gero von Randow, Klaus Gogler und Bernd Rahmer diskutieren, wie die Pläne auf der Wiese umgesetzt werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Mit der Grenze haben sie in Herleshausen lange gelebt. Sie hat uns geprägt, sagt Anette Wetterau. "Wir haben die immer hingenommen, nicht hinterfragt, da war eben Schluss!" Nur westwärts ging es raus aus dem Ort. Die Grenze habe man als Herleshäuser gar nicht mehr registriert, meint auch Klaus Gogler. Er habe nie gedacht, dass sich mal etwas ändern könnte. Nun suchen sie im Verein händeringend nach Fotos von der Grenze. "Es gibt keine, weil sie so eine Selbstverständlichkeit war."

Weltgeschichte

Dabei ist den Vereinsmitgliedern die besondere Bedeutung des Grenzübergangs Herleshausen-Wartha zwischen Bundesrepublik und DDR sehr bewusst. Der wichtigste beim Güterverkehr, beim Personenverkehr die Nummer zwei nach Helmstedt-Marienborn. Und: alle politischen Häftlinge der DDR, die die Bundesrepublik freikaufte, gelangten dort in den Westen.

Hier hat Weltgeschichte stattgefunden, sagt Anette Wetterau. Deshalb hat sie sich gemeinsam mit einer Hand voll Gleichgesinnter auf den Weg gemacht, einen dauerhaften Ort zu schaffen, um an diese Geschichte zu erinnern. "Aber nicht rückwärtsgewandt, sondern immer mit dem Blick nach vorn", sagt sie.

Zwei Frauen stehen nebeneinander Auf einer Wiese und schauen in die Kamera.
Heidrun Henning und Anette Wetterau haben den Verein mitgegründet, weil sie in Herleshausen einen Erinnerungsort für die einstige innerdeutsche Grenze schaffen wollen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Finanzielle Hürden genommen

Mittlerweile hat der Verein alle Hürden überwunden, auch die finanziellen. Knapp 320.000 Euro stehen für den "WerraGrenzPark" zur Verfügung, fast zwei Drittel durch Leader-Fördermittel, der Rest von der Bundesbeauftragten für Kultur, der Bundesstiftung Aufarbeitung und von zwei Sparkassen-Stiftungen.

Die Gemeinde hat ein Grundstück zur Verfügung gestellt: eine Wiese direkt am Werratalradweg und am Autobahnzubringer, nicht weit vom einstigen Grenzübergang entfernt.

Ein Mann zeigt mit seinem Finger auf ein Hinweisschild und schaut in die Kamera.
Klaus Gogler ist vor zehn Jahren die ehemalige Grenze entlang geradelt und stellte fest: fast überall gibt es Gedenkorte, aber nicht in Herleshausen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Stelen, Modelle, Zeitzeugen-Videos

Dort soll eine Art Freiluftausstellung mit mehreren thematischen Stationen entstehen: hohe Stelen mit großformatigen Bildern, Vitrinen, Modelle der Grenzübergangsstellen von Herleshausen und dem thüringischen Gegenstück in Wartha. Der Grenzverlauf in der Region wird auf dem Boden abgebildet.

Auf Monitoren können die Besucher die Berichte von Zeitzeugen abrufen, die über ihre Erlebnisse mit der Grenze berichten: ob als Zoll- oder Grenzbeamte oder als Bewohner des Grenzgebiets. Dabei geht es um deutsch-deutsche Familiengeschichten genauso wie um die Gefühle beim Grenzübertritt, die Aufnahme von Ausgereisten oder um freigekaufte Häftlinge.

Ein Projektentwurf für einen Erinnerungsort.
Pläne für den "WerraGrenzPark" - eine Art Freiluftausstellung, öffentlich zugänglich, mit Stelen, großformatigen Fotos, Modellen und Medienstationen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Mahnen und Lernen

Diese Geschichten, Erlebnisse und Erinnerungen sollen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Es sei ganz wichtig, so einen Erinnerungsort zu haben, sagt Heidrun Henning. Einen Ort, wo die Gäste ins Nachdenken kommen über die deutsche Geschichte.

Ein Hauptanliegen sei es aber auch, sagt der Vereinsvorsitzende Gero von Randow, die Unterschiede aufzuzeigen von Demokratie und Diktatur. Dazu sollen beide Systeme gegenübergestellt werden. Heute vergäßen viele, "wie gut es uns geht in der Demokratie". Deshalb soll der "WerraGrenzPark" auch ein Ort der Mahnung und ein Lernort werden.

Eine Gruppe Menschen auf einer Wiese.
Die Vereinsmitglieder am künftigen Erinnerungsort, eine Salzwiese am Rand von Herleshausen, direkt am Werra-Radweg gelegen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. August 2021 | 19:00 Uhr

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