Schnellere Hilfe Mehr öffentlich zugängliche Defibrillatoren in Thüringen

Beginnt das Herz zu rasen und unrythmisch zu schlagen, ist schnelle Hilfe gefragt. Nur ein Stromstoß kann das gefährliche Kammerflimmern stoppen. Und die ersten drei Minuten sind dabei entscheidend. Um die Erreichbarkeit der Herznotgeräte zu erhöhen, baut auch Thüringen sein Netz an Defibrillatoren aus. Viele Kommunen investieren selbst in öffentlich zugängliche Herznotgeräte - aber es gibt noch Nachholbedarf.

Ein Schild zeigt die Richtung an, in der ein Defibrillator hängt.
Defibrillatoren können auch von Laien bedient werden. Oft ist aber die Hemmschwelle noch zu hoch, im Notfall auch wirklich zu helfen. Bildrechte: dpa

In Thüringen gibt es immer mehr öffentlich zugängliche Defibrillatoren. Wie aus den Daten des bundesweit agierenden Vereins "Definetz" hervorgeht, hat sich die Zahl seit 2019 von etwa 230 auf mehr als 400 erhöht. Die meisten gibt es demnach in den Städten wie Erfurt und Jena, weniger in ländlichen Regionen. 18 Prozent der bei dem Verein registrierten Geräte befindet sich in öffentlichen Büro- oder Verwaltungsgebäuden. Elf Prozent sind in Banken, zehn Prozent bei Feuerwehren zu finden.

Symbole auf Defibrilator für die richtige Anwendung. 7 min
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Nachholbedarf ist noch groß

"Definetz"-Vereinsvorsitzender Friedrich Nölle sagte MDR THÜRINGEN, in Thüringen gebe es vor allem in Banken und Verwaltungen Nachholbedarf. Gerade auf dem Land seien zentrale Anlaufstellen wichtig. Durchschnittlich müsste pro 1.000 Einwohner ein Defibrillator zur Verfügung stehen, empfiehlt das Netzwerk.

In Thüringen kommt den Angaben nach derzeit ein Gerät auf mehr als 5.000 Einwohner. In Bayern und Nordrhein-Westfalen gibt es bezogen auf die Einwohnerzahl mehr als doppelt so viele Defibrillatoren. In Sachsen und Sachsen-Anhalt sind es weniger als in Thüringen.

Kommunen investieren selbst in Herznothilfe

Einige Thüringer Städte haben sich den Ausbau des Netzes an Defibrillatoren selbst auf die Fahne geschrieben. So hat die Stadt Mühlhausen zuletzt 22.000 Euro für elf der elektrischen Lebensretter ausgegeben. Auch die Stadt Meiningen will das Netz weiter ausbauen.

Die ersten drei Minuten zählen

Ein Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Thüringen sagte MDR THÜRINGEN, grundsätzlich sei es wünschenswert, wenn überall innerhalb von drei Minuten Fußweg ein öffentlich zugänglicher Defibrillator erreicht werden könne. Das DRK empfehle die Wiederbelebung bei einem Herznotfall innerhalb der ersten drei Minuten, ein späterer Einsatz führe kaum noch zu Überlebenschancen.

Es sei daher auch sinnvoll, in Einrichtungen mit vielen Besuchern Defibrillatoren zu haben. Wichtig sei aber auch, dass möglichst viele Menschen Ängste vor Erster Hilfe abbauen und die Geräte im Notfall wirklich einsetzen.

Hohe Hemmschwelle trotz einfacher Bedienung

Nur durch einen Stromstoß aus dem Defibrillator kann bei Herzattacken das Kammerflimmern gestoppt werden. Es gilt als häufigste Ursache für den Herztod. Die elektrischen Geräte können auch von Laien bedient werden. Eine automatisierte Stimme hilft dabei. Wie oft öffentliche Defibrillatoren aber tatsächlich eingesetzt werden, ist nicht bekannt. Laut DRK sind die Hemmschwellen bei Laien hoch, im Notfall wirklich zu helfen. Mit verschiedenen Aktionen versucht das DRK, dem entgegenzuwirken.

Wo finde ich den nächsten Defibrillator?

In öffentlichen Einrichtungen wie Bahnhöfen, Einkaufszentren, Hotels und Verwaltungsgebäuden sind Defibrillatoren verfügbar. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Apps für das Smartphone (Defikataster, "Staying Alive" etc.), die dem Nutzer den direkten Weg zum nächsten öffentlich zugänglichen Defibrillator anzeigen.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. Mai 2022 | 18:00 Uhr

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