Annahme verweigert "Seebrücke"-Lokalgruppen schlagen Thüringer Demokratiepreis aus

Die Lokalgruppen Erfurt und Jena der Migrantenhilfsorganisation "Seebrücke" haben die Annahme des Thüringer Demokratiepreises verweigert. "Omas gegen Rechts" nahmen den Preis an und nutzten die Übergabe für Kritik.

Teilnehmer einer Demonstration der Bewegung Bündnis Seebrücke Jena gegen die Flüchtlingspolitik der EU laufen durch die Innenstadt.
"Seebrücke"-Demonstration im September 2020 in Jena. Bildrechte: dpa

Die Ortsgruppen Erfurt und Jena der Migranten-Hilfsorganisation "Seebrücke" haben die Annahme des Thüringer Demokratiepreises verweigert. Vertreter der Ortsgruppen erklärten bei der Preisverleihung am Montagabend in Erfurt, sie würden die Auszeichnung nicht annehmen, weil es "zynisch" sei, dass eine Landespolitik den Preis verleihe, die ihn selbst doch nicht verdient habe. Statt sich selbst für eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik einzusetzen, delegierten die Parteien im Freistaat diese Verantwortung an zivilgesellschaftliche Gruppen.

"Seebrücke" setzt sich unter anderem für die Rettung von Menschen ein, die im Mittelmeer zu ertrinken drohen, weil sie versuchen, nach Europa zu fliehen. Die beiden dritten Hauptpreise für die Ortsgruppen waren mit jeweils 500 Euro dotiert.

"Omas gegen Rechts": Justiz wird Verantwortung nicht gerecht

"Omas gegen Rechts" erhielten den ersten Hauptpreis. Die "Omas" nahmen den Preis an, verbanden dies aber mit deutlicher Kritik. Aus ihrer Sicht werde die Justiz in Thüringen ihrer Verantwortung im Kampf gegen Rechtsextremismus nicht gerecht. "Und deshalb fällt es uns schwer, überschwängliche Freunde über diesen Preis zu entwickeln", sagte eine Vertreterin des Vereins. Dessen Mitglieder sind ältere Frauen und Männer, die sich gegen rechtsextremes Gedankengut einsetzen. Den Preis werde man nun zu einem Wanderpokal umwidmen. Er soll in den kommenden Jahren unter denen weitergegeben werden, die sich vehement gegen Rechtsextreme stellten.

Mehrere Frauen stehen mit Plakaten auf einem Platz.
Die Initiative "Omas gegen Rechts" kämpft gegen Antisemitismus, Rassismus und Frauenfeindlichkeit. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Demokratiepreis des Thüringer Bildungsministeriums Der Demokratiepreis wurde 2021 zum achten Mal vergeben. Mit ihm werden nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums Initiativen, Vereine und Einzelpersonen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit in Thüringen verdient gemacht haben.

Demokratiepreis auch für Stadt Eisenach

Der zweite Hauptpreis des diesjährigen Demokratiepreises ging an die Stadt Eisenach als Trägerin eines Projekts mit dem Titel "Der NSU. Das Trauma eines Landes". In dessen Rahmen wurden unter anderem eine Fotoausstellung und ein Theaterstück zum Komplex des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) organisiert.

Quelle: MDR/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 29. November 2021 | 18:00 Uhr

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