Forschungsstudie Doping im DDR-Spitzensport: Thüringen will weiter aufarbeiten

Das Thema Doping in der DDR ist längst nicht abgeschlossen. Das Land Thüringen und der Landessportbund arbeiten weiter gemeinsam an der Aufarbeitung, um die damalige Praxis offenzulegen.

Lake Placid DDR Olympische Winterspiele 1980
Einmarsch der DDR-Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid. Bildrechte: dpa

In Thüringen wird Doping im DDR-Spitzensport weiter aufgearbeitet. Der Landessportbund und das Land Thüringen haben sich darauf verständigt, eine Forschungsstudie zur Doping-Praxis in der DDR in Auftrag zu geben. Am Dienstag wurde dazu ein Kooperationsvertrag unterzeichnet, der die wissenschaftliche Aufarbeitung von Doping im DDR-Sport voranbringen soll.

Akten zum Doping bisher unter Verschluss

Die Autoren Jutta Braun und René Wiese vom Zentrum deutsche Sportgeschichte wollen in den kommenden 16 Monaten frühere Gerichtsprozesse für ihre Studie auswerten. Die Akten aus den neunziger Jahren waren bislang bei der Generalstaatsanwaltschaft unter Verschluss - jetzt liegen sie in den Landesarchiven in Berlin und Weimar. In den Gerichtsdokumenten sind Aussagen von Tätern, Betroffenen und Zeugen zu finden.

Die Forschung wird mit 25.000 Euro durch das Land und jeweils 10.000 Euro durch den Landessportbund Thüringen und den Deutschen Olympischen Sportbund finanziert.

Substanzen unter Zwang verabreicht

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und der Präsident des Landessportbundes Thüringen, Stefan Hügel, stellten am Dienstag außerdem eine Broschüre vor, die sich mit dem Thema auseinandersetzt. Sie trägt den Titel "Gemeinsam aus dem Schatten ins Licht" und legt Informationen über die Doping-Praxis in der DDR offen.

Demnach haben Verantwortliche im DDR-Sport ihren Schutzbefohlenen leistungssteigernde Substanzen vorsätzlich und unter Zwang verabreicht. Gesundheitliche Schäden seien verschwiegen worden.

Die Funktionäre, Ärzte und Trainer hätten häufig über die Folgen der Mittel Bescheid gewusst. In geheimen Listen seien die Informationen über äußerliche Veränderungen, schwere Schäden beispielweise der Leber oder über die verlorene Gebärfähigkeit festgehalten worden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jni/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. November 2020 | 18:00 Uhr

22 Kommentare

Ines W. vor 21 Wochen

Na ein Rechtsstaat war die DDR sicher nicht und dementsprechend hemmungslos konnte da der Staat seine Dopingmittel in Jugendliche hinein pumpen. Heraus kamen kaputte Menschen und Medaillen die vorgaukeln sollten, dass ein maroder Staat in der Weltspitze mitspielt. Das alles gabt natürlich auch nicht umsonst, aber die DDR Bürger verzichteten ja gerne auf Konsumgüter.

R. Mamola vor 21 Wochen

Ihnen sind wohl die Studien z.B. zum Doping in der Uniklinik Freiburg entgangen? Wer sich mit Doping in (West-) Deutschland beschäftigt, der landet ganz schnell bei Armin Klümper, bei Joseph Keul, bei Andeas Schmid, bei Lothar Heinrich. Alle vier gehörten zu den renommiertesten Sportärzten im Lande, alle vier waren vom Standort Freiburg aus tätig.

Kleiner Tipp noch. Das Buch "Die Dopingrepublick" erklärt es ganz gut, wie in in ganz Deutschland gedopt wurde!

"Während die Spezialisten der alten Bundesrepublik schon im Dritten Reich ihr Handwerk lernten, ging es in der DDR erst um 1970 richtig los, dann aber gleich als Chefsache. Im Westen forderte Wolfgang Schäuble, im Osten Erich Honecker die medikamentöse Aufrüstung. Nach 1989 marschierten Ost und West dann vereint in die eine neue Dopingrepublik mit milliardenschweren Interessen - und massiven Vertuschungsaktionen; prominente Bauernopfer müssen seitdem die Einzelfall-Theorie".

Torpedo vor 21 Wochen

Ich selbst bin betroffen. Kam mit 6 Jahren ins TZ . Im Leistungssport bekam ich das erste Mal UMs im Alter von 9. Ich wusste nicht was das war. Heute bin ich vom Staat anerkannt als Doping Opfer. Bin schwerbehindert und in Rente mit 47.
Das alles ist kein Pappenstiel

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