Schutz vor Überdosis Partygänger in Thüringen können ihre Drogen prüfen lassen

Damit Drogenkonsumenten wissen, was in ihren Drogen steckt und welche Substanzen sie tatsächlich zu sich nehmen, will der Freistaat mobile Drogentests bei Veranstaltungen unterstützen. So sollen Überdosierungen vermieden werden. Die ersten Tests in Clubs seien gut angenommen worden, heißt es von der Suchthilfe in Thüringen (SiT).

Besucher einer Disco.
Besucherinnen und Besucher einer Diskothek. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Hans Lucas

Thüringen will Partygänger, die sich fürs Dauertanzen im Club oder beim Open Air mit illegalen Drogen aufputschen, mit einem Testprogramm vor gesundheitlichen Schäden schützen. Seit Kurzem wird ihnen angeboten, ihre zur Party mitgebrachten Substanzen auf die genauen Inhaltsstoffe und deren Konzentration mit einem mobilen Test zu untersuchen, wie das Gesundheitsministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Damit sollen beispielsweise Überdosierungen vermieden werden. Ecstasy, Speed oder andere illegale Partydrogen werden auf dem Schwarzmarkt hergestellt; das heißt, sie unterliegen keiner Kontrolle wie etwa rezeptpflichtige Tabletten.

Unterschiedliche Inhaltsstoffe und Nebenwirkungen

Bei den ersten drei Tests bei Veranstaltungen in Thüringen seien bereits höchst unterschiedliche Substanzen und Konzentrationen gefunden worden, sagte Sebastian Franke von der Suchthilfe in Thüringen (SiT). "Die Dosierung war teils sehr hoch, teilweise stimmten die Suchtstoffe nicht mit denen überein, die die Konsumenten erwartet hatten."

So habe eine Ecstasy-Pille eine Konzentration des Suchtstoffs von 260 Milligramm aufgewiesen. Dies sei außergewöhnlich hoch und könne besonders starke Nebenwirkungen hervorrufen.

Eine junge Frau hält eine Tablette mit Kartenspiel-Kreuz-Symbol an ihre Lippen.
Party-Drogen wie Ecstasy unterliegen keiner Kontrolle wie etwa rezeptpflichte Tabletten. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Drogenchecks auf ersten Partys in Thüringen gut angenommen worden

Nach Einschätzung des Suchtexperten waren die Reaktionen bei den ersten Test-Einsätzen positiv, man sei auf Aufgeschlossenheit und auch Dankbarkeit gestoßen. Durch das Angebot würden Menschen in die Lage versetzt, eigenständig zu entscheiden, ob sie die jeweiligen Drogen wirklich konsumieren wollen.

"Es geht ja darum, ihnen bewusst zu machen, was sie da nehmen." Normalerweise nähmen Partygänger Drogen nicht ein, um sich zu schädigen. "Sie wollen den Kick", so Franke.

Ergebnis liegt nach zehn Minuten vor - Analysen freiwillig

Das in Thüringen eingesetzte Analyse-Verfahren ist laut Ministerium von Pharmazeuten in Jena entwickelt worden. Die Konsumenten werden vor Ort angeleitet, wie sie das Test-Kit mit einem kleinen Abrieb des zu analysierenden Stoffes zu bedienen haben.

Das Ergebnis liegt laut Suchthilfe nach etwa zehn Minuten vor. Weil der Abrieb nicht an Dritte weitergegeben werde, verstoße der Test nicht gegen das Betäubungsmittelgesetz, so Franke. Die Analysen sind freiwillig.

100.000 Euro für mobilen Drogencheck

Für den mobilen Drogencheck sind im Landeshaushalt in diesem Jahr 100.000 Euro vorgesehen. Insgesamt fließen mehr als eine Million Euro aus dem Landeshaushalt in Beratungsstellen zur vorbeugenden Drogenbekämpfung und zur Suchtkrankenhilfe.

Quelle: dpa/MDR THÜRINGEN/jw

Drogenkonsum und seine Auswirkungen

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. August 2021 | 15:00 Uhr

62 Kommentare

martin vor 16 Wochen

@katercarlo: Sie dürfen sich gern entsetzt fühlen - damit kann ich durchaus leben. Aber es wird keine "Kultur der Verharmlosung propagiert" wie Sie meinen behaupten zu müssen, sondern es handelt sich um die schlichte Kenntnisnahme von Realitäten und den Versuch damit halbwegs konstruktiv umzugehen. Diesbezügliche Verbote haben wir reichlich, auch für Aufklärung wird eine Menge Geld ausgegeben - mit welchem Ergebnis?

Der Staat ist außerdem doch längst Nutznießer des Drogenkonsums - nicht nur bei der Tabaksteuer.

Eine sachliche Debatte sollte doch eigentlich darum gehen, ob die Kriminalisierung von Konsumenten sowie die Verpflichtung sich alle illegalen Drogen auf dem Schwarzmarkt von der organisierten Kriminalität bei zweifelhafter Qualität zu beschaffen der am besten geeignete ist - oder ob es nicht einen besseren Umgang mit dem Thema gibt. Von der Belastung der Polizeien, Staatsanwaltschaften und Gerichte ganz zu schweigen.

KaterCarlo vor 16 Wochen

Scheinbar geht es Ihnen nicht darum, die Herstellung, Verbreitung und den Konsum von Drogen durch geeignete Maßnahmen zumindest zu minimieren, sondern als etwas völlig Normales darzustellen. Dazu soll dann auch noch der Staat (oder von ihm autorisierte Unternehmen) als Erfüllungsgehilfe herhalten. Ich halte den Grundgedanken daran für komplett falsch. Statt Konsumenten beim Ausstieg zu unterstützen und potentiellen Konsumenten den Einstieg zu erschweren (z.B. durch Aufklärung und klare Verbote) wird eine Kultur der Verharmlosung propagiert, und dass auf Kosten und zum Schaden aller. Mit Verlaub, ich bin entsetzt.

martin vor 16 Wochen

@katercarlo: Glauben Sie, dass es eine derartige "Industrie" vorher nicht gab? Jetzt sind es wenigstens angemeldete Betriebe, die ihre Gewinne versteuern....

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