FAQ Ein Monat Corona-Impfungen beim Hausarzt - Eine erste Bilanz

Seit einem Monat dürfen auch die Hausärzte in Thüringen gegen das Coronavirus impfen. Doch wie gut klappt das? Welche Probleme gibt es noch? Wir haben bei der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen nachgefragt.

Eine Patientin wird in einer Hausarztpraxis gegen Corona geimpft
Eine Patientin wird in einer Hausarztpraxis gegen Corona geimpft Bildrechte: imago images/Wilhelm Mierendorf

Wie wird die Impfung gegen das Corona-Virus bei den Thüringer Hausärzten angenommen?

Die Impfung in den Vertragsarztpraxen wird von vielen Menschen sehr begrüßt, weil sie sich jetzt vom Arzt ihres Vertrauens impfen lassen können. Der Andrang auf die Termine ist groß.

Wie werden die Termine vergeben?

Patienten, welche ihr Interesse an der Impfung bekundet haben, melden sich in der Praxis ihres Vertrauens und werden entsprechend der Priorisierung telefonisch oder per Mail bei Vorhandensein des Impfstoffes einbestellt. Wobei hier individuelle Unterschiede in der Organisation bestehen können.

Gilt nach wie vor eine Priorisierung, wer geimpft werden darf?

Die Priorisierung besteht weiterhin. Seit kurzem ist neben den Priorisierungsgruppen 1 und 2 auch die Priorisierungsgruppe 3 geöffnet. Welche Personen dies betrifft, kann auf der Webseite des Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (TMASGFF) nachgelesen werden. Beim Impfstoff AstraZeneca ist die Priorisierung aufgehoben, mit diesem dürfen auch Personen unter 60 Jahren geimpft werden.

Welche Impfstoffe werden verimpft und wissen die Patienten vorher, welchen Impfstoff sie bekommen?

Es werden die Impfstoffe von Biontech und AstraZeneca verimpft. Die zu Impfenden wissen, was sie bekommen, schließlich ist die Aufklärung abhängig vom jeweiligen Impfstoff.

Wie viele Hausärzte in Thüringen bieten die Impfung an? Dürfen auch andere niedergelassene Ärzte impfen?

In Thüringen dürfen Haus-und Fachärzte gleichermaßen impfen. Zur Zeit wird jedoch überwiegend in Hausarztpraxen geimpft. Die Zahl schwankt wöchentlich je nach Angebot des verfügbaren Impfstoffes und beträgt etwa 1.000 von 1.400 Hausarzt-Praxen. Auch einige Fachärzte für HNO, Gynäkologie, Innere Medizin und Urologen führen Impfungen durch.

Wie viele Impfdosen stehen pro Woche etwa zur Verfügung? Wie gut ist die Versorgung mit Impfstoffen?

Im Impfzentrum Südthüringen in Meiningen wird der DDR-Impfausweis einer gegen das Coronavirus geimpften Person ausgefüllt.
Auch in DDR-Impfausweise dürfen die Coronaimpfungen eingetragen werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Impfstoffe werden vom Bund zur Verfügung gestellt, beginnend mit einer Million bis zu drei Millionen Impfdosen pro Woche für Deutschland. Je nach Anzahl der Bestellungen werden die Impfstoffdosen rationiert und meist weniger als bestellt ausgeliefert. Auf alle Fälle stehen zu wenige Dosen zur Verfügung: Minimal sechs von Biontech und zehn von AstraZeneca und höchstens 36 von Biontech und 50 von AstraZeneca pro Arzt. Die Mitteilung über die Wochenlieferung erfolgt meist am Freitag der Vorwoche, Bestellung in der Apotheke bis Dienstag, Lieferung in der darauffolgenden Woche mit ungewisser Menge. In dieser Woche wurden den niedergelassenen Ärzten in Thüringen rund 50.000 Impfdosen zur Verfügung gestellt, das weist die Statistik der Thüringer Landesregierung aus.

Wie viel Mehrarbeit beschert die Impfung den Haus- und Fachärzten?

Die COVID-19-Impfung ist vom Aufwand her wesentlich höher als alle bekannten Impfungen in den Praxen aufgrund des höheren Aufklärungsbedarfes, der besonderen Eigenschaften des Impfstoffes und seine Lieferung in Mehrdosenbehältern, der Impfdokumentation und insbesondere der Terminvereinbarung im Rahmen der Priorisierung.

Welche Rückmeldungen geben die Ärzte an die Kassenärztliche Vereinigung bezüglich der Corona-Impfung: Wo gibt es Probleme? Was klappt gut?

Die Vertragsärzte leisten gern ihren Beitrag zur Pandemiebekämpfung und sind froh, in ihren Praxen impfen zu können. Der Aufwand ist technisch, zeitlich und vom Personalbedarf gesehen sehr hoch. Die Unsicherheit der Impfstofflieferung verärgert viele Kollegen und Impfwillige. Wenn die Notwendigkeit zur Priorisierung wegfällt und ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, wird es einfacher, weil Impfwillige dann selbst Termine in den Impfsprechstunden der Praxen vereinbaren können.

Die Kassenärztliche Vereinigung befürwortet in Thüringen das Miteinander von Impfzentren und Vertragsarztpraxen sowie perspektivisch der Betriebsärzte, weil die Last auf möglichst viele Schultern verteilt sein muss, um möglichst rasch die Thüringer Bevölkerung erst- und zweitimpfen zu können. Voraussetzung ist eine stabile Impfstofflieferung in ausreichender Menge.

Quelle: MDR THÜRINGEN, dg, Kassenärztliche Vereinigung Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 07. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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