Ausbildung Kommunen fordern Einsatz minderjähriger Feuerwehrleute

Der Gemeinde- und Städtebund fordert, dass minderjährige Feuerwehrleute an realen Einsätzen teilnehmen dürfen. Dies würde junge Menschen an die Feuerwehr binden. Gefährliche Einsätze sollen ausgeschlossen bleiben.

Ein Feuerwehrmann zersägt einen Baumstamm, die Späne fliegen um ihn herum.
Kommunalvertreter fordern, dass auch minderjährige Feuerwehrleute zu bestimmten Einsätzen mitfahren dürfen. Bildrechte: MDR/Stefan Eberhardt

Um junge Menschen langfristig an die Feuerwehren zu binden, hat sich der Gemeinde- und Städtebund Thüringen dafür ausgesprochen, auch Minderjährige zu bestimmten Einsätzen mitzunehmen. Junge Feuerwehrleute müssten Schritt für Schritt ins Einsatzgeschehen eingebunden werden, sagte ein Vertreter des Gemeinde- und Städtebundes am Donnerstag in Erfurt während einer Anhörung im Innenausschuss des Landtags.

Schon ab 16 fit für Einsätze werden

Es sei völlig lebensfremd davon auszugehen, dass Feuerwehrleute ab einem Alter von 18 Jahren plötzlich fit für Einsätze seien, aber im Alter von 17 Jahren lasse man sie nicht einmal "in die Nähe einer technischen Hilfeleistung". Gerade im Alter zwischen 16 und 18 Jahren hätten viele junge Feuerwehrleute den Wunsch, das, was sie gelernt und trainiert haben, auch in der Praxis anzuwenden. Klar sei allerdings auch, dass Minderjährige nicht an besonders gefährlichen Einsätzen teilnehmen dürften.

Rechtssicherheit für Abrechnungen gefordert

Außerdem fordern die Kommunalvertreterinnen und -Vertreter vom Land genauere Vorgaben für die Abrechnung von Feuerwehrleistungen. Laut Gemeinde- und Städtebund biete das Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetz hier zu wenig Rechtssicherheit.

Im Gesetz sei nur pauschal geregelt, dass die bei den Feuerwehreinsätzen entstandenen Kosten zurückverlangt werden könnten. Die Folge sei, dass zum Beispiel Gerichte die Rechnungen der Kommunen für ungültig erklären oder Versicherungen die Rechnungsbeträge kürzen. Zudem sei bei bestimmten Einsätzen wie etwa Krankentransporten nicht geregelt, ob die Feuerwehren dafür bezahlt werden müssen.

Kinder der Jugendfeuerwehr üben
Jugendfeuerwehren üben schon im Kindesalter Bildrechte: dpa

Viele Kommunen verzichten auf Gebühren

Laut Axel Kunze vom Gemeinde- und Städtebund verzichten viele Kommunen wegen der unsicheren Rechtslage mittlerweile darauf, für die freiwilligen Einsätze der Feuerwehren Gebühren zu verlangen. Die Lösung wäre nach Einschätzung der Kommunalvertreter, dass das Land im Brand- und Katastrophenschutzgesetz genaue Vorgaben macht, für welche Leistungen welche Beträge verlangt werden dürfen.

Einsätze der Feuerwehren zur Gefahrenabwehr wie bei Bränden sind grundsätzlich kostenfrei. Allerdings können Kommunen für freiwillige Leistungen der Feuerwehren eine Kostenerstattung verlangen. Dazu gehören zum Beispiel das Öffnen einer Wohnungstür oder das Entfernen von Wespennestern. Auch für die Rettung von Haustieren können die Besitzer zur Kasse gebeten werden.

Feuerwehr in Thüringen

MDR (ds)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit des Tages | 10. März 2022 | 18:00 Uhr

2 Kommentare

lausbub vor 22 Wochen

Ein Vorschlag, der mal wieder an der Lebenswirklichkeit vorbei geht. Junge Mitglieder, die kurz vor der Volljährigkeit stehen, haben längst eine feste Bindung zu den freiwilligen Feuerwehren. Sehr oft haben sie nämlich schon mit 10 oder 12 Jahren in der Jugendfeuerwehr angefangen.
Langfristig bindet man junge Erwachsene dadurch an die Feuerwehren auf dem Land, in dem man ihnen auch abseits der großen Städte und deren Speckgürtel eine berufliche Perspektive bietet.
Wo es diese Perspektive nicht gibt, ziehen junge Leute früher oder später fort, ob nun mit oder ohne wertvolle Feuerwehrausbildung.
Gemeinden, in denen der Brandschutz sehr gut funktioniert, sollten froh darüber sein, dass ihre freiwillige Feuerwehr über längere Zeiträume in keinen Großeinsatz muss. Brandverhütung geht noch immer vor Brandbekämpfung.
Ich kenne keine freiwillige Feuerwehr, die vorsätzlich einen Großbrand legt, um endlich mal wieder einen "realen" Einsatz zu haben.

part vor 22 Wochen

Sie dürfen zwar noch nicht wählen, aber sie dürfen sich bei der Bundeswehr einschreiben als Minderjährige. Weshalb dann nicht bei der FFW mitmachen im Kampf gegen den Roten Hahn...

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