Zu teuer Aus für Thüringer "Eisenbahnnostalgie" - Rodelblitz & Co. fahren ab 2022 nicht mehr

Das Thüringer Bahn-Nostalgieprogramm gibt es seit 1998. Das Land beauftragt dabei die DB Regio, mit historischen Dampf- und Dieselloks sowie dazugehörigen Waggons Sonderfahrten zu touristisch attraktiven Zielen anzubieten. Bekannt ist zum Beispiel der bei Wintersportfans beliebte "Rodelblitz". Zum Jahresende wird das Programm jetzt beendet. Aus Kostengründen.

Eine Dampflok steht an einem verschneiten Bahnsteig
Bei Wintersportfans beliebt: Der "Rodelblitz". (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Thüringen werden ab kommenden Jahr deutlich weniger historische Eisenbahnzüge fahren. Das Land beendet das Programm "Eisenbahnnostalgie" zum Jahresende. Das bestätigte ein Sprecher des Infrastrukturministeriums MDR THÜRINGEN. Die jährlich etwa 25 Sonderfahrten mit historischen Dampf- und Dieselloks haben das Land pro Jahr rund 500.000 Euro gekostet.

Wirtschaftsministerium lehnt Beteiligung ab

Begründet wird das Aus mit der schlechten Haushaltslage. Der öffentliche Nahverkehr habe absoluten Vorrang, er müsse nach den Verlusten wegen der Corona-Pandemie stabilisiert und ausgebaut werden. Nach Angaben des Sprechers wurde das Wirtschaftsministerium gebeten, sich anteilig an den Kosten der "Eisenbahnnostalgie" zu beteiligen, weil es sich um ein vorrangig touristisches Angebot handele. Das sei aber abgelehnt worden, so der Sprecher.

Sonderfahrten zu touristischen Zielen

Das Bahn-Nostalgieprogramm gibt es seit 1998. Das Land beauftragt dabei die DB Regio, mit historischen Dampf- und Dieselloks sowie dazugehörigen Waggons Sonderfahrten zu touristisch attraktiven Zielen anzubieten. Bekannt ist zum Beispiel der bei Wintersportfans beliebte "Rodelblitz".

Der Vertrag mit dem Partner DB Regio Südost läuft nun zum Jahresende aus und wird nicht verlängert. Nach Berechnungen des Verkehrsministerium hätte eine weitere Verlängerung bis 2027 mehr als fünf Millionen Euro gekostet. Ursprünglich war geplant, das Angebot für weitere sechs Jahre neu auszuschreiben.

Weitere Entscheidungen stehen aus

Es gebe Überlegungen, noch vereinzelt Züge fahren zu lassen, erklärte das Infrastrukturministerium. Entschieden sei das aber nicht. Langfristig gesichert sind den Angaben zufolge die Harzer Schmalspurbahn und die Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

19 Kommentare

Anita L. vor 5 Wochen

Bringen die touristischen Betriebe Gäste in die Züge oder die Züge Gäste nach Thüringen und damit in die touristischen Betriebe? Liest man die Kommentare, dann wohl eher letzteres. Wäre es anders herum, würde wohl gleich gar niemand die Sonderfahrten aufrecht erhalten wollen, denn welcher wirtschaftlich arbeitende Betrieb - und dazu zählt auch die Tourismusbranche - hielte ein Verlustgeschäft am Laufen, das er jährlich mit einer halben Millionen Euro bezuschussen müsste? Aber vom Staat kann man das offenbar bedenkenlos verlangen? Ich bitte in der Angelegenheit einfach um ein bisschen mehr Augenmaß.

Mischka vor 6 Wochen

Ich schlage einfach mal vor, dass der Wirtschaftsschafts- und Infrastrukturminister samt seiner Sekretäre ihr Dienstfahrzeuge mit E-Smart oder einen ganz normalen Fahrrad tauschen. Die Dienstfahrzeuge können dann verkauft werden. Wäre sicher eine enorme Einsparung.

Anita L. vor 6 Wochen

Wenn das Land zwischen 25 Sonderfahrten und dem angeschlagenen öffentlichen Personennahverkehr entscheiden muss, finde ich die Entscheidung zwar schade, aber nicht unbedingt "arm". Ich frage mich allerdings, wo die Nutznießer dieser Sonderfahrten und der damit verbundenen Touristen in Thüringen in dieser Rechnung stehen - die touristischen Betriebe. Welchen Beitrag leisten sie für den Erhalt ihrer Einnahmequellen?

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