Evangelische Kirche Mitteldeutschland Kirchengesetz gegen sexualisierte Gewalt beschlossen

Mit einem Reisesegen endet am Sonntag Mittag die digitale Synode der evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM). Sie hatte in den vergangenen vier Tagen nicht nur ein neues Präsidium gewählt. Auch die Struktur der Kirche wurde geändert und das Kirchenparlament hat ein Gesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt beschlossen.

Friedrich Kramer, neuer Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, hält sein erste Predigt von der Kanzel.
Landesbischof Friedrich Kramer sprach in Bezug auf sexualisierte Gewalt von einer notwendigen "Kultur der Achtsamkeit". Bildrechte: dpa

Die Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat am Sonntag zum Abschluss ihrer Online-Tagung ein Kirchengesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt beschlossen. Damit besteht in der EKM ein verbindlicher Rechtsrahmen für die Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Mit dem Gesetz sollen zudem sämtliche kirchlichen Stellen Handlungs- und Notfallpläne entwickeln, so dass im Verdachtsfall sofort reagiert werden könne.

Meldepflicht und externe Meldestelle vorgesehen

Es setzt eine Richtlinie des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) um. Das Gesetz sieht unter anderem eine Meldepflicht und die Einrichtung einer Meldestelle für Fälle sexualisierter Gewalt vor. Die Meldestelle wird den Angaben nach von der EKM, der Anhaltischen Landeskirche und der Diakonie Mitteldeutschland finanziert. Sie soll bei einer externen, nichtkirchlichen Organisation angesiedelt sein.

Nach Angaben von Landesbischof Friedrich Kramer haben sich in der Vergangenheit zwölf Betroffene an die EKM gewandt. Ein 13. Fall befinde sich in der Diskussion. Trotz dieser für den langen Zeitraum geringen Fallzahlen - die auch dadurch begründet würden, dass von den Vorgängerkirchen in der DDR keine Heime oder Schulen betrieben worden seien - befinde man sich doch "in ökumenischer Mithaftung", sagte Kramer.

Künftig keine Pröpste mehr in mitteldeutscher Kirche

Die Landeskirche setzt sich künftig nur noch aus zwei statt der bisher fünf Sprengeln zusammen, wie die Landessynode auf ihrer Online-Tagung am Samstag beschloss. Ihnen stehen zwei Regionalbischöfe als geistliche Leitung vor. Der historische Begriff Propst als Dienstbezeichnung entfällt damit. Über die Strukturveränderung war lange gerungen worden. Hintergrund sind Sparzwängen in der Landeskirche.

Konkret fusionieren Stendal-Magdeburg und Halle-Wittenberg zum Sprengel Magdeburg sowie Eisenach-Erfurt, Gera-Weimar und Meiningen-Suhl zum Sprengel Erfurt. Pro Sprengel sind zunächst zwei Regionalbischöfe tätig. Für Erfurt stehen dabei die erst vor kurzem gewählten Amtsinhaber Tobias Schüfer und Friederike Spengler bereit.

Die EKM hat eigenen Angaben zufolge rund 700.000 Mitglieder überwiegend in Thüringen und Sachsen-Anhalt, aber auch in Teilen Sachsens und Brandenburgs.

Quelle: MDR/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. April 2021 | 17:00 Uhr

17 Kommentare

knarf2 vor 2 Wochen

Beide Kirchenobere haben schon zu oft von Aufklärung gesprochen aber nicht danach gehandelt.Also müssen wir wieder einmal warten ob es nur Hinhaltetaktik wird!

Saxe vor 2 Wochen

Es gibt die Verjährung im Strafrecht u.a. weil nach zu langer Zeit ein Tathergang kaum noch rekonstruierbar ist. Zeugen werden mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Tatgeschehen immer unzuverlässiger. Und es sollte doch schon der richtige Täter zweifelsfrei überführt werden.

Jakob T. vor 2 Wochen

Sie scheinen keinen blassen Schimmer von geltendem Recht zu haben. Wenn eine Tat verjährt ist, gehört der Täter auch nicht mehr vor Gericht. Forderungen der Strafverfolgung mit Forderungen von Gesetzesänderungen zu mischen ist maximal undemokratisch und hat in unserem Prinzip der Gewaltenteilung keinen Platz. Selbst wenn jetzt die Verjährungsfristen angepasst werden, wird ein früherer Täter immer noch nach dem Recht bestraft, was zum Zeitpunkt seiner Tat galt. Das dient dazu Fälle wie einen Lex Stuart zu verhindern.

"Kirchenfürsten" gibt es nebenbei bemerkt in keiner der Institutionen in Deutschland. Und Kardinäle oder der Papst haben mit dem Thema hier absolut nichts zu tun.
Ja, VIeles in der Institution Kirche passt nicht zu meinem Glaubensverständnis und passt nicht zur Lesart Jesu als links und ggf. sogar anarchistischen armen Wanderprediger. Aber dass er keine Priester geweiht hat ( wieder so ein katholischer Terminus) ist so nicht richtig. spielt aber auch hier keine Rolle.

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