Infrastruktur Ladesäulen für E-Autos: Wie es um die Elektromobilität in Thüringen bestellt ist

Wer als E-Auto-Fahrer in Thüringen unterwegs ist, bekommt mitunter Probleme. Wenn die Ladesäule gerade besetzt ist, kann das Warten schon mal länger dauern. Doch die Infrastruktur ist in den vergangenen Jahren besser geworden. Lücken gibt es vor allem in Ballungsräumen. Das Umweltministerium will die Situation mit einem Förderprogramm entschärfen.

Ladestecker am Elektroauto
Wer E-Auto fährt, ist auf Ladesäulen angewiesen. Deren Zahl ist in Thüringen immer mehr gestiegen. Bildrechte: imago images / imagebroker

Inzwischen ist es in Thüringen für viele Alltag geworden: Statt zur Tankstelle geht es an die Strom-Zapfsäule am Autobahnparkplatz. Oder an die Ladesäule in der Innenstadt. Ein Pendlerfahrzeug kommt bisweilen ganz ohne solche Ausflüge aus, weil es jede Nacht auf dem heimischen Grundstück an die Wallbox gehängt wird.

Aber können die inzwischen mehr als 10.000 Fahrzeuge mit Elektromotor eigentlich überall in Thüringen gut geladen werden? Tatsächlich haben viele Stadtwerke über Jahre Ladesäulen gebaut, die zunächst kaum jemand genutzt hat. Doch die erhöhte Förderung für E-Fahrzeuge und die wachsende Modellvielfalt haben dazu beigetragen, dass ihre Zahl im Jahr 2020 stark gestiegen ist.

Mehr als doppelt so viele Ladesäulen als 2018

Zu Jahresbeginn konnten die Nutzer auf 853 öffentlich zugängliche Ladepunkte zugreifen, vermeldet die Thüringer Energie- und Greentech-Agentur auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN. Das sind mehr als doppelt so viele als noch im Jahr 2018 (335). Hinzu kommt eine wachsende Zahl privater Ladestationen, sogenannter Wallboxen und Ladesäulen in Unternehmen. "Wir liegen derzeit meist bei zehn bis 15 Prozent Auslastung der öffentlichen Säulen", sagt Denis Schuldig, Fachgebietsleiter für Elektromobilität beim Energieversorger Teag in Erfurt. Es gebe auch Ladepunkte mit höherer Auslastung. Man sei aber dabei, an diesen Stellen auszubauen.

Besonders an Autobahnen und anderen großen Straßen klappe die Versorgung mit Schnell-Ladesäulen recht gut - und die Säulen der Thüringer Stadtwerke und der Teag könnten alle über die gleichen Tarife für 39 Cent pro Kilowattstunde genutzt werden. Bei einem Verbrauch von im Schnitt 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometern lande man also bei Kosten von knapp unter acht Euro auf 100 Kilometer. Nutzt man Strom aus der heimischen Wallbox, kommt man mit weniger als 30 Cent pro Kilowattstunde aus und landet bei sechs Euro auf 100 Kilometer. Stammt der Strom gar aus der eigenen Solaranlage, fährt man langfristig noch billiger.

Günstiger unterwegs als mit Benzin

Rechnet man für einen Liter Super 1,40 Euro - derzeit ist der Preis eher höher - und einen Verbrauch von sechs Litern, landet man auf 100 Kilometer bei 8,40 Euro Kosten. Da kann der Stromer also je nach Tank-Methode ähnlich teuer oder deutlich günstiger fahren - und bekommt an öffentlich geförderten Ladesäulen die Garantie für 100 Prozent Ökostrom.

Doch nicht überall kann die nötige Infrastruktur genutzt werden. In großen Wohngebieten gibt es nur selten Ladesäulen - bisher finden sie sich eher auf Parkplätzen von Einkaufszentren oder an großen Straßen. Wer im Elf-Geschosser wohnt, kann aber auf den günstigeren Wallbox-Strom oder gar die eigene Solaranlage nicht zugreifen. Das Umweltministerium will deshalb nun den Aufbau der Infrastruktur in Wohngebieten fördern. Insgesamt investiert die Teag für weitere 82 öffentliche Ladepunkte gut 1,9 Millionen Euro - rund 50 Prozent dafür kommen aus Fördermitteln. Die Teag setzt darauf, dass Anwohner sich die Ladepunkte teilen, also nach dem Laden auf einen normalen Parkplatz fahren.

"Wir werden ohnehin nicht so viele Normal-Ladepunkte dort aufbauen können, wie man sich das vorstellt. Wir setzen da eher auf Schnell-Ladetechnik, wie sie hier jetzt aufgebaut ist. Und da braucht es einen Puffer, eine Batterie dazwischen", sagt Schuldig. Die Puffer sollen sicherstellen, dass das Netz den höheren Strombedarf verkraftet. Sie hängen immer am Netz und werden dann aufgeladen, wenn gerade kein Auto den Strom abnimmt. Dann wird das Netz nicht über Gebühr belastet, wenn zwei große Fahrzeuge gleichzeitig im Schnell-Lade-Modus vollgetankt werden.

Trafos sind oft ein Flaschenhals

Denn das könnte sonst ein Problem sein, sagt Dieter Sell, Chef der Thüringer Energie- und Greentech-Agentur: "Wir sehen das an einzelnen Stellen, wo für öffentliche Fuhrparks Ladeinfrastruktur aufgebaut wird oder aufgebaut werden soll." Da sei der Trafo vor Ort öfter ein beschränkender Faktor. Grundsätzlich aber sei Thüringen gut aufgestellt - und habe gegenüber anderen Ländern den Vorteil, dass Stromkunden überall im Freistaat ihre Tarife von Stadtwerken oder Teag an den Ladesäulen nutzen könnten.

Tarifchaos oder fehlende Anerkennung einzelner Tarife an bestimmten Ladesäulen sei hier weitgehend ausgeblieben. Auch die Zahl privater Anbieter und nicht öffentlich zugänglicher Säulen dürfte steigen. "Wir haben sehr viele Anfragen von Unternehmen, die etwas machen wollen." Mit Solarzellen überdachte Parkplätze vor einem Unternehmen, die ihren Strom direkt an die Fahrzeuge der Beschäftigten weitergeben - das dürfte bald nicht mehr nur Zukunftsmusik sein.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. Mai 2021 | 19:00 Uhr

9 Kommentare

emlo vor 20 Wochen

So richtig überzeugt mich das alles (noch) nicht. Punkt 1 Bezahlen: Es müsste möglich sein, wie an der Tankstelle, mit einer beliebigen Giro- bzw. Kreditkarte zu bezahlen ohne sich erst irgendwo registrieren zu müssen. 2. Punkt Kosten: Ich fahre ein Auto mit CNG (Methan/"Erdgas")-Antrieb (schon 7 Jahre, über 150.000 km). Dabei habe ich seit Jahren reale Treibstoffkosten von ca. 5 EUR pro 100 km. Die Preise für CNG haben sich über die Jahre kaum verändert. Teilweise kann man Bio-Methan tanken, dann fährt man auch noch (fast) klimaneutral. Außerdem dauert das Tanken von CNG kaum länger als das Tanken von Flüssigtreibstoffen.
In der Gesamtbetrachtung behaupte ich, dass man mit einem CNG-Antrieb derzeit ähnlich umweltfreundlich unterwegs ist wie mit einem Elektroauto, das aber um einiges günstiger.

Kolo78 vor 20 Wochen

Bevor ich den Kaufpreis eines E-Autos wieder reinhabe, weil ich weniger beim Tanken bezahle ... Nee sorry, gibt echt keine Gründe meinen Diesel abzugeben! Da kann kommen, was will! Da lebe ich lieber meine reale Umweltliebe, als diesen gehypten E-Mobil-Mist mitzumachen! Aus E-Autos fliegt mit Sicherheit der selbe Müll in die Straßengräben, wie heute!? Nee, das hat nix mit sauber zu tun! Vom Warten beim Tanken ganz zu schweigen ;-)

Stefan Der vor 20 Wochen

@kleinerfrontkaempfer: Die Beantwortung aller Ihrer Fragen ist nur einen Klick im Netz entfernt. Jetzt ernsthaft, diese Fragen habe ich mir vor 10 Jahren gestellt. Schauen Sie mal nach, es lohnt sich.

Mehr aus Thüringen

Menschen sitzen feierend an einem Tisch. Drei Männer tragen Uniform. 1 min
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Im Kyffhäuserkreis werden am Freitag im Rahmen der Ehrenamtsgala engagierte Bürger gefeiert. Sie haben zum Beispiel in der Flutregion in Ahrweiler geholfen oder auch in der Altenhilfe.

24.09.2021 | 20:54 Uhr

MDR THÜRINGEN Fr 24.09.2021 19:00Uhr 00:19 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nord-thueringen/kyffhaeuser/ehrenamt-gala-freiwillige-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Lustige Figuren aus Zwiebeln. 1 min
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Bis Sonntag laden Händler und Landwirte in Apolda zum Herbstmarkt - der traditionelle Zwiebelmarkt ist coronabedingt ausgefallen.

24.09.2021 | 20:51 Uhr

MDR THÜRINGEN Fr 24.09.2021 19:00Uhr 00:29 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/apolda-weimarer-land/video-zwiebelmarkt-herbstmarkt-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video