Energiekosten Thüringer Energieversorger geben Höhenflüge am Gasmarkt an Kunden weiter

So krass wie noch nie sind 2021 die Großhandelspreise für Erdgas gestiegen. Energielieferanten, die mit Risiko kalkuliert haben, hat das zum Teil in die Insolvenz getrieben. Thüringens Regionalversorger haben einige davon aufgefangen. Bei den Stadtwerken und der Thüringer Energie AG (Teag) werden jetzt die Preise für 2022 ausgerechnet. Bei zahlreichen Versorgern läuft es auf eine Erhöhung hinaus.

Ein Stromzähler zeigt die verbrauchten Kilowattstunden an
Die Preise bei den Thüringer Energieversorgern steigen vielerorts an. Bildrechte: dpa

Einige haben es in der Lokalpresse schon angekündigt, andere halten sich bisher bedeckt. Sicher ist: Im neuen Jahr heben zahlreiche Thüringer Energieversorger ihre Preise an. Das belegen die Ergebnisse einer Umfrage von MDR THÜRINGEN unter den 28 Stadtwerken und der Thüringer Energie AG. Noch haben die Vertriebsmitarbeiter zwei Wochen Zeit. Wer am 1. Januar 2022 Gas- und/oder Strompreise für Grundversorgung und bei Sondertarifen anheben will, muss das seinen Kunden bis zum 19. November schreiben.

Gaspreise bleiben 2022 nur bei wenigen Unternehmen stabil

21 der 29 angefragten Unternehmen haben auf die Fragen von MDR THÜRINGEN Antworten geschickt. Aus deren Auswertung ergibt sich, dass bei 14 Versorgern neue Erdgaspreise für Haushalts- und Kleingewerbe-Kunden ab 1. Januar 2022 vorbereitet oder geprüft werden. Vereinzelt war von Steigerungen um die zehn Prozent die Rede. Zwölf Versorger rechnen gerade neue Strompreise aus.

Nur zwei Unternehmen sind sich derzeit sicher, dass sie ihre Gaspreise auch 2022 stabil halten können, bei Strom sind es fünf. Zwölf weitere Unternehmen haben das für die Gaspreise offengelassen oder gar nicht geantwortet. Zu den künftigen Strompreisen haben sich elf nicht geäußert.

ine Ein-Euro Münze steht aufrecht vor einer Gas-Flamme
Die meisten Versorger prüfen neue Erdgaspreise für Haushalts- und Kleingewerbe-Kunden ab nächstem Jahr. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Nach Insolvenzen bei Billig-Lieferanten keine Neukunden-Welle

Die Insolvenzen einiger Gas- und Stromanbieter in den letzten Wochen ließen erwarten, dass viele von deren Kunden bei den Thüringer Grundversorgern landen. Doch eine Neukunden-"Welle" blieb aus. Die Stadtwerke Erfurt mit über 100.000 Haushalts- und Gewerbekunden sprechen von 30 Erdgas- und 90 Stromkunden, die mutmaßlich nach einer Insolvenz in ihre Grundversorgung rutschten.

Bei den Licht- und Kraftwerken Sonneberg waren es 32 Gas- und 16 Stromkunden, die Eichsfeld-Werke sprechen von rund 60 neuen Erdgaskunden. Die Mehrheit der Versorger in den Regionen hat nur wenige Kunden von insolventen Energiehändlern übernommen. Oder gar keine. Nicht jeder erfasst, ob ein neuer Kunde wegen einer Insolvenz in die Grundversorgung fällt. Im Notfall ist man da schnell mal drin und auch schnell wieder raus: Haushalts- und Kleingewerbekunden können jederzeit neue Verträge über Sondertarife abschließen - beim regionalen oder jedem anderen Anbieter.

Auf Vorrat einkaufen kann extreme Preissprünge abmildern

Bis zu 400 Prozent hat sich Erdgas an der Energiebörse im Jahr 2021 verteuert. Das macht Stadtwerke, die ihre Gasmengen lange im Voraus einkaufen, für Kundinnen und Kunden attraktiv. Einige konnten Kunden, die noch vor Ende 2021 in einen ihrer Tarife gewechselt sind, moderate Preise mit Preisbindung anbieten. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Suhl/Zella-Mehlis, Tino Schäfer, sagt sogar: "Unsere Preise für Haushalts- und Kleingewerbekunden bei Erdgas und bei Strom bleiben auch 2022 stabil für Kunden aus unserem Versorgungsgebiet."

Wir sehen uns nicht als bundesweiter Flächenversorger. Aber für die Region schöpfen wir unsere Reserven aus.

Tino Schäfer, Geschäftsführer der Stadtwerke Suhl - Zella-Mehlis

Schäfer nennt die langfristige Einkaufspolitik seines Unternehmens als Grundlage für diese Entscheidung: "Wir haben schon früh weit im Voraus auch für 2022 und 2023 Verträge für ausreichend Erdgas und auch Strom abgeschlossen. Die extremen Preissprünge der Energiebörsen treffen uns deshalb im Moment nur bedingt." Stabile Gaspreise für 2022 haben aber sonst nur noch die Licht- und Kraftwerke Sonneberg zugesagt.

Abnahme-Preise für große Strommengen schlagen sich im Alltag nieder

Für Großkunden wie Behörden, Unternehmen oder Institutionen mit einem Verbrauch von über 10.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr gelten diese Aussagen nicht. Hier gibt es auch keine gesetzlich vorgeschriebene Grundversorgungs-Pflicht. Solche Kunden schaut man sich ganz genau an. Besonders, wenn sie nach einer Insolvenz des alten Versorgers anklopfen. Über die Zahl der Anfragen machen die Thüringer Versorger nur ungern genaue Angaben: "Keine" oder "vereinzelt" heißt es in vielen Antworten. Die Stadtwerke Stadtroda sprechen von insgesamt zehn bei Strom und Gas.

Werraenergie verweist auf zwei Behörden mit mehreren hundert Abnahmestellen. Der Knackpunkt ist hier nicht die Zahl, sondern der Energiebedarf pro Kunde. Wenn übers Jahr Millionen von Kilowattstunden gebraucht werden, geht das nur über Einkäufe zu aktuellen Großhandelspreisen. Solche Kunden werden intensiv geprüft und bekommen individuell zugeschnittene Verträge angeboten. Hier schlagen die extremen Preissteigerungen schon jetzt 1:1 zu Buche. Und werden weiter durchschlagen auf unser Alltagsleben von den Lebensmitteln bis zur Beleuchtung von Dorfstraßen.

Neue Angebote für Kunden aus der Wirtschaft

Was tun mit großen Kunden, die kurzfristig ohne Vertrag dastehen und langfristig zuverlässig große Mengen Strom einkaufen wollen? Die Stadtwerke Jena-Pößneck haben sich dafür ein neues Produkt ausgedacht. "Wir bieten Großkunden nun die Möglichkeit, über uns direkt am Energiemarkt zu handeln. Gegen eine Managementgebühr kaufen wir die Strom- und Gasmengen für diese Kunden direkt am kurzfristigen Spotmarkt ein, statt sie am längerfristigen Terminmarkt zu sichern", sagte eine Sprecherin MDR THÜRINGEN. Einige Abnehmer würden davon im Moment Gebrauch machen, hieß es. Und damit die Chance nutzen, mögliche Vorteile der Entwicklungen am Energiemarkt mit einem überschaubaren Risiko zu kombinieren.

Alle befragten Versorger betonten mit Nachdruck, dass die Versorgungssicherheit zu jedem Zeitpunkt gesichert sei.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. November 2021 | 06:00 Uhr

14 Kommentare

Freies Moria vor 32 Wochen

@Strolchi: emlo ist Teil der Netzfeuerwehr. Da kommt nie etwas konkretes, man bleibt aus Prinzip im Ungefähren, Hauptsache am Ende der Diskussion steht die Meinung der Netzfeuerwehr.
In dieser Diskussion wechselt emlo von Wärmepumpe auf Luftwärmepumpe, ignoriert die enormen Investitionen und natürlich die Abhängigkeit von Witterung und Stromkosten.
Leider ist es so, daß Wärmepumpen eine permanent "warme" Gegenstelle benötigen, je wärmer desto besser, aber die Gegenstelle muß quasi immer Wärme nachliefern.
Ideal wäre eine Thermalquelle unter dem Haus - hat aber nicht jeder und hier in der Gegend schon gar nicht. Luftwärmepumpen haben bei -20 Grad nicht viel Energie die sie pumpen können, aber da wird die Energie drinnen am dringendsten benötigt - das kann nur teuer enden.
In den Höhenlagen des Landes hilft vielleicht ein kleines Windrad, aber das ersetzt auch keine 18 kW Heizung für ein Einfamilienhaus, ist einfach so.

Altmeister 50 vor 32 Wochen

Die deutsche und in Teilen europäische Energiepolitik lädt geradezu ein, den Importpreis von Energie zu erhöhen, wenn eigene Energieproduktion abgeschaltet und auf Import-Gas als Brückentechnologie gesetzt wird.
Die dabei für Gaskraftwerke vorgesehene Betreiberstrategie, von lediglich mehreren Hundert Betriebsstunden im Jahr nur als Ersatz bei Wind- und Sonnenflaute, ist in ihrer ökonomischen und technologischen Naivität für mich nur dadurch erklärbar, dass es Geistes- und Poltikwissenschaftler bis in Spitzenpositionen geschafft haben und dort ihre realitätsfernen Wunschvorstellungen zu bedienen.
Bei dieser Energiepolitik können wir darauf warten, dass wir demnächst nicht nur Gas sonder auch den Zement und sonstige Baustoffe für Solaranlagen und Windräder teuer importieren müssen, weil rentabel in der EU nicht mehr herstellbar. Die Gaspreise sind nur der Anfang.

Niemann vor 32 Wochen

Der Spruch der begnadeten Kanzlerin "Wir schaffen das!" hat mein Vertrauen in deutsche Politik so gestärkt daß ich mich davon unabhängig gemacht habe. Versucht es doch auch mal. Ihr braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, es strömen genug Facharbeiter ins Land die euch ersetzen können.
PS: Millionen im Land müssen sich über steigende Strompreise und Heizkosten keine Gedanken machen, sie kamen und kommen, sehen und zahlen nix. Dafür gibt es den dadurch doppelt belasteten Steuerzahler, der dann auch noch Klima und Coronapannen finanziert. Um mit Huxley zu sprechen "Schöne neue Welt".

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