Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Wärmeexperte Rico Bolduan (links) vom Thüringer Wärmeservice erklärt das thüringenweit einmalige Projekt. Bildrechte: Robert Müller

EnergiewendeWärmewende in Weida: Wie 1.000 Wohnungen CO2-ärmer beheizt werden

Stand: 08. April 2022, 13:41 Uhr

In Weida in Ostthüringen läuft ein thüringenweit einmaliges Pilotprojekt. Dabei soll bei der Wärmeversorgung von mehr als 1.000 Wohnungen weniger Kohlendioxid entstehen - ohne dass den Mietern Mehrkosten entstehen.

Wie bekommen wir unsere Häuser künftig warm? Aus welchen Quellen stammt dabei unsere Energie, wie können wir die Wärme umweltschonend erzeugen? Nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine suchen immer mehr Menschen nach zukunftsfähigen Lösungen.

In Weida in Ostthüringen läuft ein Pilotprojekt dazu. Dort sollen bei dem in Thüringen bisher einmaligen Projekt hunderte Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden.

In der kleinen Stadt im Kreis Greiz verwaltet die AWG Wohnungsbaugenossenschaft 1.140 Wohnungen. Bislang erzeugt ein Gas-Heizkraftwerk die Wärme für Heizung und Warmwasser. Die Heizkessel hatten mehr als 30 Jahre auf dem Buckel und mussten getauscht werden. Aus einem einfachen Austausch wurde ein in Thüringen einmaliges Projekt.

Blockheizkraftwerk geplant

Marlis Selle, Technischer Vorstand bei der AWG Weida, erklärt, was geplant ist: "Wir verlegen im gesamten Wohngebiet eine Nahwärmetrasse. Es wird ein Blockheizkraftwerk installiert, es werden Wärmepumpen installiert. Und wir werden 50 Erdsondenbohrungen durchführen."

Dadurch soll in den nächsten Jahren knapp die Hälfte des Gases eingespart werden, mit dem die Wärme bisher erzeugt wird. Oder anders ausgedrückt: Pro Jahr sollen später 320 Tonnen CO2 weniger ausgestoßen werden.

Marlis Selle berichtet, wie die AWG in Weida die Energiewende voranbringt. Bildrechte: Robert Müller

Investieren musste die AWG dafür keinen Cent, denn den Betrieb der sogenannten "innovativen Kraft-Wärme-Kopplung" übernimmt die Firma Thüringer Wärmeservice, die Wärme- und Stromerzeugungstochter des größten Thüringer Versorgers Teag.

Speicher so groß wie zwei olympische Schwimmbecken

"Wir kombinieren ausgereifte Technik", erklärt Rico Bolduan vom Thüringer Wärmeservice. Ein Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt, wird mit zwei Wärmepumpen verbunden, die im Winter dem Erdreich Wärme entziehen und im Sommer die warme Luft als Energie-Quelle nehmen. "

Als Speicher nutzen wir zwei große Wasserspeicher, das sind zweimal 84 Kubikmeter, zusammen also zwei olympische Schwimmbecken“, verdeutlicht Bolduan. Dazu wird Erdwärme genutzt, wofür 50 Löcher gebohrt werden. Aus 180 Metern Tiefe kommt dann elf Grad warmes Wasser. "Das ist letztendlich die Energiequelle für die Wärmepumpen", beschreibt der Wärme-Experte weiter.

Für Mieter wird es nicht teurer

Die Mieter kostet der Umbau keinen Cent mehr Miete. Und die Klimaziele 2030 werden schon nächstes Jahr erreicht. Ohne staatliche Förderung aber würde das nicht funktionieren: "Wir nehmen aktuell 90 Millionen Euro in die Hand", sagt Thüringens Infrastruktur-Ministerin Susanna Karawanskij (Linkspartei). Damit soll in Gebäudehüllen, bei kommunalen Wohnungen und bei öffentlichen Gebäuden die Energieeffizienz gesteigert werden. Für Karawanskij dazu wichtig: "Wir nehmen aber auch Geld in die Hand, um tatsächlich Aus- und Umbau von Fernwärmenetzen zu betreiben."

Das Infrastrukturministerium fördert energieeffizientere kommunale Wohnungen. Bildrechte: MDR/Daniel Santana

Diskussion über Wärmeversorgung der Zukunft

Das Projekt in Weida ist auch Thema bei den am Freitag stattfindenden Erfurter Energiespeichertagen Spezial. Vertreter von Wirtschaft, Politik und Wissenschaftler diskutieren dabei über viele Aspekte der klimaneutralen Wärmeversorgung der Zukunft.

Mitte Juni wird die Diskussion über die Wärmeversorgung der Zukunft auf dem Kongress Erfurter Energiespeichertage fortgesetzt werden, damit die Wärmeversorgung kein Stiefkind der Energiewende mehr ist. Weida geht dabei mit gutem Beispiel voran.

Mehr zum Thema Energiewende

MDR (rom)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. April 2022 | 19:00 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen