Fakt ist! aus Erfurt Corona als Gefahr für den Breitensport

Von Bogenschießen bis Fußball - Sportler sind ungeduldig, weil Corona-Regeln sie zu Hause halten. Auch wenn Forscher nur geringe Risiken draußen sehen, bremst Gesundheitsministerin Werner mit Blick auf Thüringens überdurchschnittlich hohe Inzidenzzahlen. Bei "Fakt ist! aus Erfurt" ging es am Montagabend dabei auch um Mobilität, zusätzliche Kontakte, Bewegungsdrang und die Schutzwirkung von Sport.

Die Stimmung bei Sportvereinen in der Pandamie schwankt zwischen "mit den Füßen scharren" und Verzweiflung - auf jeden Fall bei den Vereinsvertretern, die am Montag bei "Fakt ist! aus Erfurt" Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) mit ihren Fragen und Wünschen bombardierten. Aerosolforscher hätten doch gerade erst wieder Aktivität draußen für weitgehend harmlos erklärt. Ausgeatmete auch infektiöse Tröpfchen würden draußen schnell verdünnt. "Das Infektionsrisiko ist außerordentlich gering", sagte Gerhard Scheuch von der Gesellschaft für Aerosolforschung, die vor einer Woche diese Position noch einmal erneuert hatte.

Gesundheitsministerin: Mobilität und Kontakte bleiben Risiko

Dieser Fakt sei nicht neu, sagte Werner - ein Risiko gebe es aber dennoch.

Heike Werner; DIE LINKE,  Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie in Thüringen
Heike Werner, Thüringer Gesundheitsministerin Bildrechte: Heike Werner

Das Problem sei weniger der Sport an sich, sondern das Drumherum: Hinfahren, was zusätzliche Kontakte erzeuge, ebenso wie Zusammensein nachher oder in Umkleidekabinen oder weitergegebene Trinkflaschen bei Kindern. "Wir wissen, dass jede Öffnung zu mehr Mobilität führt und mehr Mobilität zu mehr Kontakten." Damit Kinder nicht zu lange zuhause sein müssten, priorisiere das Land zuerst Schulen und Kindergärten, die auch alle erreichten. Hauptziel sei, zuerst die derzeit hohe Inzidenz zu senken. "Dann kann es sofort im Außenbereich wieder anfangen", sagte sie ohne einen Inzidenzwert dafür zu nennen.

Wenn wir die Zahlen etwas weiter unten haben, hat Sport Priorität.

Heike Werner, Thüringer Gesundheitsministerin
Talkrunde im Studio 58 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fakt ist! Mo 19.04.2021 22:10Uhr 58:26 min

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Landessportbund verteidigt Vereine

Thomas Zirkel, Hauptgeschäftsfüherer des Thüringer Landessportbundes (LSB), äußerte sich überzeugt, dass Vereine den Umgang mit Hygienekonzepten ernst nehmen würden.

Thomas Zirkel Hauptgeschäftsführer Landessportbund Thüringen
Thomas Zirkel, Hauptgeschäftsführer des Thüringer Landessportbundes Bildrechte: Thomas Zirkel

Beim "Vorher und Hinterher" gebe es inzwischen ein anderes Bewusstsein und er lege für die weit überwiegende Mehrheit der Vereine die Hand ins Feuer. Er sei zuversichtlich, dass es jetzt gerade in der wärmeren Jahreszeit eine andere Situation gebe und mehr möglich werde. Zirkel verwies auf Diskussionen im Zusammenhang mit der Bundesgartenschau in Erfurt, bei Aktivitäten eben doch zwischen draußen und drinnen zu unterscheiden.

Überlastete Gesundheitsämter

Wiederholte Frage an Werner: Warum keine Einzelfalllösungen mit detaillierten Hygienekonzepten von Vereinen? Sobald man mit "Einzelfall" beginne, kämen viele und sagten "Einzelfall", entgegnete Werner. Gleichzeitig verwies sie auf die Überlastung der Gesundheitsämter, als Kugelstoßer Andy Dittmar, Präsident von Basketball in Gotha, mühsame und langwierige Genehmigungsverfahren kritisierte. Die Gesundheitsämter seien derzeit so überlastet, dass sie bereits normale Aufgaben wie Schuleingangsuntersuchungen oder Hygienekontrollen nicht mehr im vollen Ausmaß leisten könnten, sagte Werner.

Sorgen vor Austritten und um Kinder

Dittmar sah die Gefahr, dass sich der Anteil von Austritten auf bis zu 25 Prozent erhöhen könne. Bisher verzeichneten Sportvereine in Thüringen während der Pandemie Einbußen von 4,5 Prozent ihrer Mitglieder - 16.500 Breitensportler. Gerade den Jugendliche fehle der regelmäßig soziale Kontakt durch das Training als gemeinsames Erlebnis, sagte Dittmar. Kindergärten könnten den Bewegungsdrang der Kinder nicht abdecken, sagte Fitnesstrainierin Carina Rolle.

Prof. Dr. Anne Reimers Sportwissenschaftlerin Universität Erlangen-Nürnberg
Anne Reimers, Sportwissenschaftlerin der Universität Erlangen-Nürnberg Bildrechte: Anne Reimers

Sportmangel und Bewegungsmangel seien aber auch reale gesundheitliche Risiken, warnte die Sportwissenschaftlerin Anne Reimers. Sportlich aktive Menschen erkrankten seltener und weniger schwer. Bewegungsmangel sei einer der größten Risikofaktoren für frühere Sterblichkeit. Die Auswirkungen der Pandemie würden im Sportbereich noch lange zu spüren sein.

Die Stationen sind aktuell voll, aber wir schaffen auf der anderen Seite die Patienten von morgen.

Thomas Zirkel, Hauptgeschäftsführer des Thüringer Landessportbundes

Quelle: MDR THÜRINGEN/csr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Fakt ist! aus Erfurt | 19. April 2021 | 22:10 Uhr

13 Kommentare

Valentina vor 32 Wochen

Diese Grinserei über die ganze Sendung verteilt - hat mich sehr abgestoßen . Und die Antworten - nur Gestammel und immer die selben Antworten. Was haben die eigentlich über 1 Jahr gemacht??? Ich hatte den Eindruck, die nimmt die Leute gar nicht ernst... Diese Minister wissen nicht - was sie unseren Kindern und Enkelkindern antun, es findet kein Schwimmunterricht , kein Schulsport statt - ebenso kein Vereinssport , wo sich viele Kinder sehr gerne einbrachten. Aber die Profis - für die gilt keine Pandemie - nur in abgeschwächter Form....... Sehr traurig -

Freies Moria vor 32 Wochen

Gefahr ist wohl nicht der richtige Ausdruck. Exekution trifft es eher.
Dabei teilte das sächsische Gesundheitsministerium gerade mit, daß die Impfung bei Menschen mit schwachem Immunsystem nicht so gut wirkt.
Speziell adipöse (übergewichtige) Menschen sind gefährdet.
Die haben wir uns ein Jahr lang selbst gezüchtet, beim sportfreien Warten auf den Impfstoff.
So werden demnächst auch die Schulen vom Notgesetz geschlossen werden, wo es gar keine Corona-Fälle gibt.
Überall also dasselbe Problem: Wir schaffen uns Probleme, die wir vorher nicht hatten. Und statt sie zu lösen, geht es von vorne los: Wir schaffen uns Probleme...

Matthi vor 32 Wochen

Für Herrn Bausewein ist die BUGA wörtlich, ein fröhliches Gartenfest und nächstes Jahr Gartenfest auf dem Hauptfriedhof als Gastredner Herr Bausewein.

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