Debatte bei "Fakt ist!" Karawanskij: Dörfer leben vom Engagement ihrer Einwohner

Stirbt das Dorf, weil alles in die Stadt drängt? Oder ist die These von den "leeren Dörfern" falsch? Was macht das Leben auf dem Land attraktiv und was das Leben in der Stadt? Fragen, mit denen sich die ARD-Themenwoche "Stand.Land.Wandel - Wo ist die Zukunft zu Hause?" befasst. Auch bei "Fakt ist!" wurde über "Volle Städte, leere Dörfer" am Montagabend diskutiert.

Ein Niedergang des ländlichen Raumes kann vor allem von den Menschen vor Ort verhindert werden. Das sagte Thüringens Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij am Montagabend in der MDR-Sendung "Fakt ist!". "Wir brauchen dieses zivilgesellschaftliche Engagement in den Dörfern, in den Gemeinden", so die Linke-Politikerin. Das Land habe beispielsweise die Möglichkeit, Dorfläden zu fördern. "Das macht aber keinen Sinn, wenn es vor Ort keiner will." Würden Projekte in Gemeinden gefördert, dann sei immer die Frage im Raum: "Gibt es auch Menschen vor Ort, die das fortführen?"

"Durchaus ein Trend zurück aufs Land"

Karawanskij widersprach in der Sendung der These von "leeren Dörfern" in der Zukunft. Es gebe durchaus auch einen Trend zurück aufs Land, sagte sie. "Das schlägt sich vielleicht nicht in der Zahlenstatistik so nieder, aber es gibt durchaus ein starkes Gefühl für das Dorf."

Zuvor hatte der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Oliver Holtemöller vom Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle auf Entwicklungen verwiesen, wonach die Landbevölkerung insgesamt weiter abnimmt. Wenn sich der Trend der letzten Jahre fortsetze, werde die Bevölkerung im ländlichen Raum weiter abnehmen und ihr Altersdurchschnitt weiter steigen. Jüngere Menschen wollten eher in der Stadt leben, weil es dort die attraktiveren Erwerbsmöglichkeiten gebe.

Jährlich 10.000 Einwohner weniger in Thüringen

"Wir werden sicher keine leergezogenen Dörfer haben, aber Dörfer, in denen es immer weniger Menschen gibt.“ Hier spiele auch die demografische Entwicklung eine Rolle. Thüringen verliere jedes Jahr unter dem Strich 10.000 Einwohner. "Es wird nicht jedes Dorf überleben, weil die notwendige Infrastruktur auch mit Fördermaßnahmen nicht überall erhalten werden kann. Denn es ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch die, wie viele Menschen leben da, um die Infrastruktur aufrecht zu erhalten", sagte er.

Wir werden sicher keine leergezogenen Dörfer haben, aber Dörfer, in denen es immer weniger Menschen gibt.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Landkreistages, Hans-Günter Henneke, sagte hingegen, "ich bestreite, dass es einen Sog in die Großstädte gibt". Sicher gebe es einzelne ländliche Räume, die ausbluteten. Insgesamt lebten jedoch immer noch mehr Menschen im ländlichen Raum als in den größeren Städten.

Plädoyer für Eigenverantwortung

Henneke nannte es aber einen "fundamentalen Fehler", bei der Entwicklung des ländlichen Raumes "immer nur über Förderung zu reden". In erster Linie seien die Menschen in den Dörfern und die Gemeinderäte dafür verantwortlich, "dass sich etwas tut". Es müsse ein richtiges Maß zwischen Eigenverantwortung vor Ort und Unterstützung von außen geben. Hier komme es auch darauf an, den Gemeinden mehr frei verfügbare finanzielle Mittel zu geben. Fördermittel dürften nicht im Zentrum von Kommunalentwicklung stehen.

Dem pflichtete auch der Bürgermeister der Gemeinde Sundhausen im Unstrut-Hainich-Kreis, Christopher Kaufmann, bei. "Man muss uns auch einfach mal machen lassen, wir sind ja keine Deppen im Dorf", sagte er. Kaufmann verwies auf Beispiele wie ein Gemeindeschwester-Projekt, das seine Gemeinde gemeinsam mit Nachbarorten realisiert habe. Auf dem Dorf sei viel Kreativität und Innovation vorhanden.

Man muss uns auch einfach mal machen lassen, wir sind ja keine Deppen im Dorf.

Christopher Kaufmann, Bürgermeister von Sundhausen im Unstrut-Hainich-Kreis in der MDR-Sendung "Fakt ist!" am 08.11.2021 1 min
Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Infrastrukturministerin Karawanskij betonte, die Landesregierung habe "nicht die Fiktion, dass überall alles vorgehalten wird". Hier komme es auch auf Zusammenarbeit zwischen den Kommunen an. "Und es braucht auch das Engagement aus den Dörfern heraus."

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 08. November 2021 | 22:15 Uhr

17 Kommentare

Burgfalke vor 34 Wochen

Warum werde ich hier gezielt angesprochen?

Bin ich etwa in der Landesregierung odergebe ich mich hier als Vertreter einer solchen zu erkennen?

"Brot und Spiele" , die gibt es längst: überall wegsehen, Bürger nehmen das Gesetz in die eigene Hand.

Ich habe gezielt die Dinge angesprochen, die viele Bürger täglich erleben und damit frustriert sind. Von anderen Dingen ganz zu schweigen. Da ist weder Zeit noch fehlt erkennbar das allgemeine Interesse, geschweige auch nur ansatzweise "etwas" Unterstützung oder wie anmaßend von mir etwas Verständnis. Eher das Gegenteil ist der Fall.
Hier geht es u.a. laut Artikel um "zivilgesellschaftliche Engagement in den Dörfern", aber der wird wie von mir an anderer Stelle beschrieben mit Füßen getreten.
Ich selbst habe mich aus Frust und Hilflosigkeit fast völlig zurückgezogen.
Th. war nun mal das Land der Dichter und Denker. Letzteres scheint abhanden gekommen zu sein. Dafür mehr dichten wie am Beispiel "Amt Wachsenburg" o. mal "Saaleplatte" usw.

Eulenspiegel vor 34 Wochen

Nur ein paar Gedanken zum Thema:
Wie sieht das Landleben aus :
Da gibt es die Wenigen die am Ort ihre Arbeit haben. Dann gibt es die vielen Pendler die nach der Schicht nach Hause kommen, natürlich mit ihren Einkäufen. Die sind froh Arbeit und Einkäufe hinter sich zu haben und es sich in ihrem Heim gemütlich machen können. Und dann gibt es die Leute die immer noch das alte Landleben im Kopf haben.
Ich denke das sind nur einige der wichtigen Punkte.
Ich frage mich was soll die große Politik da ändern?

Karl Schmidt vor 34 Wochen

"Vogelschretter Paradiesen"?????
"Verbrechen an der Natur"?

Vor Tagen kommentierten Sie doch kurioserweise noch:
"...und wie die nächste Generation lebt ist mir ehrlich gesagt egal".

#woherschonwiederderplötzlichesinneswandel

Mehr aus Thüringen