Debatte um Windkraft-Ausbau Thüringer CDU hält am Verbot für Windräder im Wald fest

Die Thüringer CDU hält am Verbot für Windkraftanlagen in Waldgebieten in Thüringen fest. "Das ist für uns nicht verhandelbar", sagte Generalsekretär Christian Herrgott am Montagabend in der MDR-Sendung "Fakt ist!". Mit Blick auf Pläne des Bundes, den Ländern Vorgaben für Vorrangflächen für die Windkraft zu machen, sagte Herrgott, notwendig seien kein Flächenziel, sondern ein Energievolumenziel. Zudem müsse der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Einklang mit den Menschen vor Ort erfolgen und nicht gegen sie.

Thüringens CDU-Generalsekretär Christian Herrgot bei "Fakt ist!" am 27.06.22 in Erfurt
Christian Herrgott, Generalsekretär der Thüringer CDU Bildrechte: MDR/Jens Borghardt

Der sächsische SPD-Bundestagsabgeordnete Holger Mann sagte hingegen, wer Windkraft wolle, müsse dafür auch ausreichend Flächen ausweisen. "Man genehmigt ja keine Energiemenge", so der SPD-Politiker. Die Windkraft sei die dominierende unter den erneuerbaren Energien. Auf ihr liege die Hauptlast der Energiewende. Sie brauche weniger Fläche als die Solarthermie und sei immer verfügbar.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Holger Mann am 27.06.22 bei "Fakt ist!" in Erfurt
Holger Mann (SPD) Bildrechte: MDR/Jens Borghardt

Auf Ausgewogenheit der Regionen achten

Thüringens Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij warb in der Sendung für mehr Geschwindigkeit bei den Planungen für Windkraftanlagen. Noch sei das vom Bund geplante Gesetz mit Vorgaben für Vorrangflächen nicht in Kraft. Derzeit liege die Planung noch allein in der Hand der Länder.

Die Linke-Politikerin sagte weiter, bei den Planungen für den Ausbau der Windenergie müsse auf eine Ausgewogenheit der Regionen geachtet werden. Außerdem spiele die Mitbestimmung der Bürger vor Ort eine wichtige Rolle. "Es geht auch darum, dass die Menschen etwas davon haben", sagte die Ministerin.

Thüringens Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij am 27.06.22 bei "Fakt ist!" in Erfurt
Thüringens Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij (Die Linke) Bildrechte: MDR/Jens Borghardt

Im Mischwald will niemand eine Windanlage

Der Ökonom und Energieforscher Thure Traber sagte, für die Energiewende müssten alle Technologien genutzt werden. Als Beispiele nannte er höhere Windkraftanlagen sowie auch Energieerzeugung aus Biomasse und Photovoltaik. Mit Blick auf die Nutzung von Waldflächen für Windkraftanlagen sprach sich Traber für eine differenziertere Betrachtung aus. "Wenn ich einen Kahlschlag habe, wo Fichtenwälder sterben, die hier nicht stabil im Klimawandel stehen können, dann ist das etwas anderes als die Situation im gesunden Mischwald. Da will sicher keiner eine Windanlage hinbauen."

Dr. Thure Traber am 27.06.22 bei "Fakt ist!" in Erfurt
Dr. Thure Traber Bildrechte: MDR/Jens Borghardt

Infrastrukturministerin Karawanskij verwies darauf, dass es in Thüringen derzeit rund 60.000 Hektar Kahlflächen in Waldgebieten gebe. Zugleich habe das Land einige sehr energieintensive Industrien wie etwa die Glasindustrie. Wenn beispielsweise dieser Bedarf nicht mehr gedeckt werden könne, könne man auch über Pilotanlagen für Windkraft auf Kahlflächen nachdenken. Das sei auch ein Thema des Waldumbaus.

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MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 27. Juni 2022 | 22:05 Uhr

139 Kommentare

martin vor 6 Wochen

Mal ein kreativer Beitrag - auch wenn ich ihn inhaltlich nicht wirklich teile.

Übrigens: Nicht nur die Industrie braucht Strom. Handwerk, Dienstleistung, Handel, Privatmenschen, Behörden, .... irgendwie auch.

MDR-Team vor 7 Wochen

Vorschlag zur Güte: Wer hier angemeldet ist, hat das Recht frei mitzudiskutieren ohne Sachkundeprüfungen ablegen zu müssen. Kompetenz von professionellen Diskutanten ist diskutierbar. Und damit könnten alle Beteiligten bitte wieder zu den Sachargumenten zurückkehren. Sie reichen unabhängig von tatsächlicher oder vermuteter Kompetenz als Diskussionsstoff.

martin vor 7 Wochen

@0000: Wenn Sie alt genug sind und Ihnen die Lebenssituationen jüngerer Menschen egal ist (Egoismus ist in D durchaus erlaubt und leider weit verbreitet), dann passt Ihre Argumentation zwar immer noch nicht zum wissenschaftlichen Konsens - aber auch faktenfreie Meinungen dürfen in unserer Demokratie geäußert werden.

Ich kenne Ihr soziales Umfeld nicht - aber in meinem kenne ich niemand, mit Kriegslust. Dass der Krieg in der Ukraine so ziemlich jedem Sorgen macht, dem ist allerdings wenig hinzu zu fügen.

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