Parteien Kemmerich erneut zum Vorsitzenden der Thüringer FDP gewählt

08. Oktober 2022, 18:15 Uhr

Thomas Kemmerich ist die unangefochtene Nummer eins in der Thüringer FDP. Sämtliche parteiinternen Angriffe hat der alte und neue Parteichef ohne größere Blessuren überstanden. Die Kemmerich-Kritiker sind verstummt. Das ist beim Landesparteitag der Thüringer FDP am Samstag in der Unstruthalle in Sömmerda deutlich geworden.

Die Delegierten wählten Kemmerich mit 87 Prozent zu ihrem neuen alten Vorsitzenden - 111 von 128 stimmten für ihn. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Vor 15 Monaten war Kemmerich auf 71 Prozent gekommen. Damit hat die Partei die personellen Pflöcke eingeschlagen, mit welcher Mannschaft sie 2024 in den Landtagswahlkampf ziehen wird. Thomas Kemmerich hatte zuvor dafür um Vertrauen geworben. Schließlich stünden wichtige Ereignisse an. Auch der neue Parteivorstand ist im Wesentlichen der alte geblieben.

Gegen Parteichef Kemmerich, der sich am 5. Februar 2020 auch mit Stimmen der AfD hatte zum Thüringer Ministerpräsidenten wählen lassen und nach massiver öffentlicher Kritik drei Tage später zurückgetreten war, fiel auf dem ganzen Parteitag kein einziges kritisches Wort. Kemmerich sieht die Thüringer FDP als "gefestigt".

"Es ist endgültig Zeit, nach vorne zu schauen und das hinter uns zu lassen. Alles was man tut, wird mit Kritik begleitet. Und das ist auch gut so. Das Ergebnis von heute ist ein sehr starkes Ergebnis, was mich stolz macht, es spiegelt ein großes Vertrauen wieder. Auf dem bauen wir auf und wir gucken ausschließlich in die Zukunft", sagt Kemmerich sichtlich zufrieden kurz nach seiner Wiederwahl zum FDP-Landeschef.

Liberale Botschafter sollen Rede und Antwort stehen

Thomas Kemmerich forderte seine Parteifreunde dazu auf, überall wo es geht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Liberale Botschafter sollen im ganzen Land Rede und Antwort stehen. Auf Volksfesten, in Kneipen und auch bei Demonstrationen. "Auch wenn man sich als FDP-Mitglied dabei mal beschimpfen lassen muss." Die Menschen aber müssten wissen, wofür die FDP stehe und warum es sich lohne, eine Partei in der Mitte der Gesellschaft zu wählen. In seiner Rede sprach sich Kemmerich unter anderem erneut für den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken und die Nutzung von Fracking bei der Gasförderung in Deutschland aus.

Keine Prominenz vom Bund

Von der Bundes-FDP hat sich in Sömmerda kein wirklich prominenter Gast sehen lassen. Einzig Lydia Hüskens, die Infrastrukturministerin in Sachsen-Anhalt, hat in der Unstruthalle für ein Grußwort vorbeigeschaut. Hüskens ist Präsidiumsmitglied der Bundespartei. Sie warb dafür, in der aktuellen Politik über Parteigrenzen hinaus um gemeinsame Lösungen zu ringen. In Krisenzeiten wie derzeit könne man eben nicht auf die Durchsetzung des Parteiprogramms pochen.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Gerald Ullrich aus Südthüringen hat die Thüringer Landesregierung sowie die Thüringer CDU scharf kritisiert. Ullrich sagte, Rot-Rot-Grün habe keine Kraft mehr und lebe nur noch von den Überweisungen des Bundes. Die CDU setze dem nichts entgegen. Sie sei lediglich das "Beatmungsgerät für die Leiche Rot-Rot-Grün". Es sei es wichtig, dass die FDP 2024 wieder in Regierungsverantwortung komme. "Nur so kann sichergestellt werden, dass das Geld, welches dem Land ausreichend zur Verfügung steht, auch sinnvoll verteilt wird", sagte Ullrich.

Kemmerich-Kritik nur am Rande

Der 40. FDP-Landesparteitag in Sömmerda wird nicht gerade als einer der Spannendsten in die Geschichte eingehen. Kritik an der Parteispitze kommt nur beiläufig. Matthias Bollwahn vom Kreisverband Eichsfeld mutmaßt, dass die Kemmerich-Kritiker inzwischen einfach aufgegeben haben. "Sie sind nicht da", sagt Bollwahn. Er selbst habe aber noch nicht aufgegeben. "Für mich ist die Personalie Kemmerich längst nicht ausreichend aufgearbeitet", so Bollwahn. So wie die Thüringer FDP gerade drauf ist, wird das so schnell auch nicht passieren.

MDR (jw/dr)

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08. Oktober 2022 | 19:00 Uhr

110 Kommentare

Der Matthias am 10.10.2022

@ Mischka

"Ich gehe einfach von den Wahlergebnis aus und da waren es erheblich weniger Prozente."

Mag schon sein! Dennoch wollte eine klare Mehrheit der Thüringer Ramelow als MP . . . und schon gar nicht Herrn Kemmerich! Dazu (siehe den Abschnitt: "Hypothetische Direktwahl Ministerpräsident") gibt es sogar eine tabellarische Auflistung sämtlicher, über Monate hinweg ermittelter Umfragewerte auf Wikipedia, die das belegt. Da haben Sie alle Zahlen sogar auf einen Blick!

Ich finde es im Übrigen, gelinde gesagt, ziemlich billig, Zahlen und Umfragewerte, die einem gerade nicht passen, als vermeintlich manipuliert oder gar als Fälschung kurzerhand vom Tisch zu wischen, selber aber keine seriösen und belastbaren Zahlen vorlegen zu können, die die eigene Argumentation bekräftigen und das Gegenteil beweisen könnten. Alles im Stile eines D. Trump immer nur als "Fake News" abzutun, ist mMn ziemlich wohlfeil und ein argumentatives Armutszeugnis, meinen Sie nicht!?

martin am 10.10.2022

Besten Dank für Ihren Bildungshinweis. Darf ich ergänzen? Es fehlt m.E. das Wort 'verstehendes'. Wenn Sie das freundlucherweise auf meinen Beitrag anwenden würden .... Danke.

martin am 10.10.2022

Da der Ministerpräsident erfreulicherweise in Th nicht direkt gewählt wird, könnte es doch sein, dass die Zustimmung zur Person eine andere ist, als die Zustimmung zur Partei. Das zeigen nicht nur die Umfragen (die Sie ja laut eigenem Bekunden für manipuliert halten - jedenfalls wenn sie nicht Ihrer Weltsicht entsprechen) sondern auch bei Wahlen die teilweise deutlichen Unterschiede zwischen Erst- und Zweitstimmen.

Übrigens: Bei der Beurteilung macht es durchaus Sinn zwischen 'realen Meinungsumfragen' seriöser Dienstleister und 'als Meinungsumfrage getarnte Werbeanrufe' zu unterscheiden. Nur bei letzteren wird abgebrochen, wenn der Angerufene nicht zur Zielgruppe gehört.

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