Digitalisierung App "FRIEDA" und Tablets sollen Feuerwehren Arbeit erleichtern

Die Feuerwehr-App "FRIEDA" kann nach Angaben des Thüringer Innenministerium bereits in den nächsten Tagen und Wochen heruntergeladen werden. Um sie installieren zu können, stellt das Land insgesamt auch 1.750 Tablets für die Stadt- und Ortsfeuerwehren bereit. Entwickelt wurde sie von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg.

Feuerwehr-App Bergakademie Freiberg
Die Kameraden in Sachsen nutzen die App schon seit 2015. Die Erfahrungen damit sind sehr gut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"FRIEDA" steht für "Feuerwehr-, Informations- und Einsatz-Daten-App". Der Name war durch einen Wettbewerb des Ministeriums im Sommer gefunden worden, den die freiwillige Feuerwehr Eischleben im Ilm-Kreis gewonnen hatte. Dafür gab es 1.000 Euro für ihr Aus- und Weiterbildungsbudget.

Ganz viele praktische Informationen schnell zur Hand zu haben, das ist der Zweck von "FRIEDA". So sind in der App zum Beispiel Tausende Rettungsdatenblätter für verschiedene Autotypen hinterlegt. Damit können die Feuerwehrleute schnell herausfinden, wo sie am besten die Säge ansetzen, wenn sie jemanden aus einem Autowrack schneiden müssen.

Screenshots der Feuerwehr-App der Bergakademie Freiberg
Die App funktioniert auch in Gegenden mit schlechter Internet-Qualität, da zahlreiche Daten darauf hinterlegt sind. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Tablets und App stehen jetzt bereit

Die App kann nach Angaben des Innenministerium bereits in den kommenden Tagen und Wochen heruntergeladen werden. Um sie installieren zu können, stellt das Land insgesamt auch 1.750 Tablets für die Stadt- und Ortswehren bereit, den auf privaten Smartphones darf sie nicht genutzt werden.

Entwickelt wurde die App "FwA 16/2" von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. Sie wurde 2015 allen Feuerwehren in Sachsen kostenlos zur Verfügung gestellt. Aufgrund der positiven Erfahrungen hatten im Januar 2021 auch das Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales und die TU Freiberg einen Kooperationsvertrag unterschrieben.

Campus der Bergakademie Freiberg
Hier in Freiberg wurde die App im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelt. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Innenminister Georg Maier ist von dem Projekt überzeugt: "Durch die Einführung der Feuerwehr-App und der Beschaffung der erforderlichen Tablets gelingt ein erster großer Schritt zur Digitalisierung der Feuerwehren in Thüringen. Sie wird, und das freut mich besonders, das Einsatzgeschehen sicherer machen.

Was kann die Feuerwehr-App genau?

  • Die App stellt zu Fahrzeugen das passende Rettungsdatenblatt sekundenschnell bereit. Hierzu muss nur das Nummernschild mit dem Tablet fotografiert werden. Eine manuelle Eingabe des Nummernschildes ist - beispielsweise bei Verformung - möglich. Kann das Nummernschild nicht gefunden werden, besteht die Möglichkeit, über die Marke und das Modell das entsprechende Datenblatt aufzurufen.
  • Auf der App werden Maßnahmen bei Gefahrgutunfällen angezeigt. Hierzu fotografiert man mit der Kamera des Tablets die Gefahrentafel und erhält aus den Gefahrstoffdatenbanken ERI-Cards (Emergency Response Intervention Cards) und dem gemeinsamen Stoffdatenpool von Bund und Länder (GSBL-Datnbank) die entsprechenden Einsatzmaßnahmen. Da die Datenbanken auf dem Tablet gespeichert werden, ist diese Abfrage ohne Verzögerung und ohne Handynetz durchführbar.
  • Die App stellt eine eigens entwickelte "schnelle Karte" (Datenbasis: OpenStreetMap) zur Verfügung. Die Feuerwehren können sich auf dieser Karte individuell Hydranten, Feuerwehr-Einsatzpläne oder andere notwendige Informationen, sogar mit Bildern hinterlegt, anzeigen lassen.
  • Eine weitere Funktion ist die sogenannte Atemschutzüberwachung und Einsatzdokumentation. Dort können Trupps angelegt und in den Einsatz geschickt werden. Im Vorfeld ist es bereits möglich, die in der Feuerwehr vorhandenen Atemschutzgeräteträger in die App einzupflegen.
  • Die App stellt jeder Feuerwehr eine Ende-zu-Ende verschlüsselte Dokumentenbibliothek zur Verfügung. Dort können weitere Unterlage, wie Standardeinsatzregeln, Dienstanweisungen, das Handbuch zur Vegetationsbrandbekämpfung, Feuerwehreinsatzpläne und mehr abgespeichert werden.

Auch ohne Internetverbindung einsetzbar

Alle Daten befinden sich lokal auf dem Tablet in der App. So können nahezu alle Funktionen der Feuerwehr-App auch ohne Internetverbindung genutzt werden. Einzig die Abfrage beim Kraftfahrt-Bundesamt benötigt eine Internetverbindung. Es genügt, die App in regelmäßigen Abständen, beispielsweise auf der Wache, im Internet zu aktualisieren.

App und Tablets für alle Feuerwehren im Freistaat

Jede Stadt- und Ortsteilfeuerwehr soll ein Tablet bekommen. Das sind gemäß des Brand- und Katastrophenschutzberichts von 2019 derzeit insgesamt 1.592 Feuerwehren. Des Weiteren sollen für Schulungszwecke und Einsatzleitdienste jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt je fünf Tablets ausgegeben werden. Die Thüringer Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule erhält weitere Tablets - ebenfalls für Schulungszwecke.

Quelle: MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. Januar 2022 | 12:00 Uhr

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