Feuerwehr Weiterer Ort schlägt Alarm: Löschwasser in einigen Regionen knapp

Mit Mülverstedt hat ein weiterer Thüringer Ort keine Löschwasserreserven mehr. Im ganzen Land stehen die Feuerwehren bei der Bekämpfung größerer Brände vor Herausforderungen. Auch Pools könnten als Löschwasserquelle angezapft werden. Gleichzeitig sucht die Stadt Eisfeld im Kreis Hildburghausen dringend nach neuen freiwilligen Kameraden für die Feuerwehr.

Ein Feuerwehrlöschfahrzeug entnimmt Wasser aus einem Pool.
Die Feuerwehr kann Pools im Notfall als Löschwasser-Quelle anzapfen. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Auch im Ortsteil Mülverstedt der Landgemeinde Unstrut-Hainich gibt es derzeit keine Löschwasserreserven mehr. Wie die "Thüringer Allgemeine" berichtet, ist das Wehr wegen eines kaputtes Schiebers leergelaufen. Ex-Bürgermeister Manfred Müller (Linke) schlägt Alarm, da damit jetzt auch das letzte Reservoir erschöpft sei.

Laut Müller ist die Schieberklappe seit dem Frühjahr kaputt. Derzeit bleibe nur noch das Trinkwassernetz zum Löschen. Den Angaben nach ist der rechtliche Status des Wehres aber unklar.

Situation in Thüringer Regionen angespannt

In Thüringen wird die Versorgung mit Löschwasser zunehmend zur Herausforderung - vor allem bei Groß-, Feld- und Waldbränden. Darauf weist der Thüringer Feuerwehrverband hin. Für die Bekämpfung solcher Brände seien große Wassermengen nötig, sagte der Verbandsvorsitzende Karsten Utterodt.

Wie in Mühlverstedt könnte dies vor allem in kleineren Orten zum Problem werden, weil diese oft nur über eine Hauptwasserleitung verfügen, aus der sich Löschwasser entnehmen lässt. Die Zusammenarbeit etwa mit Agrarbetrieben, die beim Wassertransport unterstützen könnten, werde für die Feuerwehren immer wichtiger.

Kommunen müssen Löschwasser bereitstellen

Aktuell sei die Situation beim Löschwasser bei anhaltender Trockenheit und Niedrigwasser in Flüssen in Thüringen unterschiedlich, sagte Utterodt. "Es gibt natürlich noch Löschwasser." Gerade in den Städten, die in der Regel über eine Wasser-Ringleitung verfügten, klappe die Versorgung auch bei der aktuellen Trockenheit. Die Kommunen seien gesetzlich dazu verpflichtet, Löschwasser bereitzustellen.

Feuerwehr darf Wasser aus Swimmingpools entnehmen

Neben dem Rohrnetz der Trinkwasserversorgung sind Löschteiche und Zisternen wichtigste Wasserlieferanten. Die Löschteiche müssten allerdings regelmäßig gepflegt und der Bau von Zisternen bereits bei der Planung von Neubaugebieten berücksichtigt werden, sagte Utterodt. Hier gibt es aus Sicht des Verbandschefs gerade im ländlichen Raum Versäumnisse.

Die Feuerwehren dürften Löschwasser auch aus Flüssen, Bächen und Seen entnehmen, auch die Entnahme aus Swimmingpools sei erlaubt.

Weitere Berichte über schwierige Wasserversorgung für Feuerwehr

Auch an einigen anderen Orten in Thüringen - etwa am Lauf der Ilm - sei die Situation wegen Niedrigwasser derzeit problematisch. So bezeichnete der Bürgermeister in Kranichfeld die Situation als katastrophal, für eventuelle größere Brände fehle der Feuerwehr das Löschwasser. Von Knappheit berichtete auch Sonnebergs Forstamtsleiter Roland Kaiser. Er forderte, neue Wasserspeicher anzulegen. Die Oberflächenwasser-Vorräte seien infolge der Dürre fast aufgebraucht.

Bei einem Großbrand Mitte Juli in Bothenheiligen im Unstrut-Hainich-Kreis waren die Löscharbeiten dadurch erschwert worden, dass das Wasser zeitweilig ausgegangen war. Landwirte schafften daraufhin mit Tankwagen neues Löschwasser heran.

Eisfeld braucht neue Feuerwehrleute

Die Trockenheit und die vielen Brände machen sich auch im Personalstand in den Feuerwehren bemerkbar: Die Stadt Eisfeld im Landkreis Hildburghausen ist deshalb auf der Suche nach neuen Feuerwehrleuten. Wie Bürgermeister Sven Gregor (FW) MDR THÜRINGEN sagte, fehlten gerade jetzt in der Urlaubs- und Ferienzeit freiwillige Kameraden.

Durch die Trockenheit in den vergangenen Wochen haben laut Gregor Felder-, Wiesen- und Waldbrände stark zugenommen. Die Last der Einsätze werde auf zu wenige Schultern verteilt. Deshalb gehe die Feuerwehr jetzt aktiv auf die Suche nach Mitstreitern. Unter anderem soll in sozialen Netzwerken und im Amtsblatt für den freiwilligen Dienst geworben werden.

MDR (mm,dst), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. August 2022 | 18:30 Uhr

1 Kommentar

Eulenspiegel vor 6 Wochen

Das hätte man vor ein paar Jahren auch noch nicht gedacht das plötzlich das Löschwasser verdammt knapp wird.
Das sind die Folgen des Klimawandels der jetzt voll zuschlägt. Und das ganze wird noch viel schlimmer. Man braucht sich nur ansehen was die Klimaforschung dazu sagt.
Was wir benötigen möglichst von jetzt auf gleich eine große Anzahl an Zisternen und Regenrückhaltebecken. So können wir die negativen Auswirkungen der Regenfälle mit astronomischen Niederschlagswerten reduzieren und haben Wasserreserven für solche Dürrephasen.

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