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Nach zwei Jahren Corona-Pause kann dieses Jahr wieder geböllert werden. Doch müssen mehrere Dinge dabei beachtet werden. Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

SilvesterWas beim Feuerwerk in Thüringen erlaubt ist und was nicht

von MDR THÜRINGEN

30. Dezember 2022, 20:07 Uhr

Nach zwei Jahren Corona-Pause ist Böllern in Thüringen (fast) überall wieder erlaubt. Hier lesen Sie, wo nicht geböllert werden darf, was für Strafen möglich sind und welche Regeln für ein sicheres Feuerwerk gelten.

Hier finden sie die wichtigsten Informationen, was Sie beim Silvester-Feuerwerk 2022 in Thüringen beachten müssen.

Wo ist Silvesterfeuerwerk in Thüringen verboten?

Auch in Thüringen hat der jährliche Feuerwerksverkauf vor Silvester begonnen. Bis einschließlich 31. Dezember können Böller und Raketen gekauft werden. In den letzten zwei Jahren war das Feuerwerk wegen Corona eingeschränkt oder verboten.

In ganz Deutschland gilt: In unmittelbarer Nähe von Kirchen, Fachwerkhäusern, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen darf kein Silvesterfeuerwerk, das ist die Kategorie K2, abgebrannt werden. K1-Feuerwerk wie Wunderkerzen oder Tischfeuerwerk ist davon nicht betroffen.

Es gibt zudem Feuerwerksverbote in acht Thüringer Städten und Dörfern. In den Innenstädten von Bad Blankenburg, Bad Langensalza, Heilbad Heiligenstadt, in Saalfeld sowie in Rudolstadt rund um die Heidecksburg dürfen keine Silvesterraketen gezündet werden. Auch in Gotha, Schleusingen, Wasungen und in Weimar - hier unter anderem am Stadtschloss und am Frauenplan - sind Feuerwerkskörper (K2) verboten.

Warum werden Feuerwerksverbotszonen eingerichtet?

Grund ist immer der Schutz der Gebäude in den Verbotszonen. Das gilt in den eng bebauten Altstädten mit verwinkelten Gassen oder um Schlösser- und Parkanlagen. So sollen in Bad Langensalza durch das Verbot die mittelalterlichen Fachwerkhäuser vor Schäden bewahrt werden. Die Anträge auf ein Feuerwerksverbot haben die Kommunen selbst gestellt, so das Landesamt für Verbraucherschutz.

Werden die Feuerwerksverbote kontrolliert und wie viel kann das kosten?

Kontrolliert wird das Feuerwerksverbot hauptsächlich durch die Polizei, in manchen Städten übernehmen das auch die Ordnungsämter.

Strafen von bis zu 50.000 Euro drohen, wenn innerhalb der Verbotszonen beispielsweise Silvesterraketen gezündet werden.

Wie finde ich heraus, ob es ein Feuerwerksverbot in meiner Stadt gibt?

Die Verbotszonen sind vor Silvester in den Amtsblättern veröffentlicht worden. Am Beispiel von Rudolstadt, Bad Blankenburg und Saalfeld sind Straßenzüge mit der Straßenseite und angrenzenden Plätzen genau beschrieben. Auch eine Karte zeigt die im Vergleich zum Stadtgebiet sehr kleinen Verbotszonen. Über Flyer in den Briefkästen sind die Altstadtbewohner in Rudolstadt zusätzlich sensibilisiert worden, so Bürgermeister Jörg Reichl (BfR).

Wie werden Feuerwerksverbote von den Menschen angenommen?

Nach Angaben der Stadtverwaltungen werden solche klar abgegrenzten Verbote gut angenommen. Die Gefahr eines nicht zu beherrschenden Feuers durch Feuerwerk, das in enge Spalten fällt und historische Gebäude in Brand setzt, sei groß und könne so deutlich reduziert werden. Auch seien Feuerwehreinsätze in den engen Altstadtgassen oder an Schlössern extrem schwierig, deshalb werde vorgebeugt.

Wie unterscheidet sich Silvesterfeuerwerk?

Je nach Größe (Sprengkraft) wird Feuerwerk in Kategorien eingeteilt. K1 beispielsweise Tischfeuerwerk, Wunderkerzen und ähnliches - darf schon von Personen ab 12 Jahren abgebrannt werden.

K2 (Silvesterfeuerwerk) wird erst ab 18 Jahren verkauft und ist nur an drei Tagen vor Silvester erhältlich. Das sind beispielsweise Raketen, Batteriefeuerwerk, Leuchtfeuerwerk wie Vulkane, Fontänen und aufsteigende Flieger. Aber auch Schwarzpulver-Böller fallen in diese Kategorie.

Für alle weiteren (K3, K4 oder die Technischen Feuerwerke T1 und T2) brauchen Sie eine Erlaubnis nach Paragraph 20, Paragraph 27 oder Paragraph 7 Sprengstoffgesetz zum Erwerb und zum abbrennen.

Welche Regeln gehören zu einem sicheren Silvester-Feuerwerk?

Verwendet werden sollte nur geprüftes Feuerwerk mit einer Registriernummer und dem CE-Zeichen. Silvesterfeuerwerk darf nur im Freien und nicht nahe von brennbaren Gegenständen gezündet werden. Die Schutzkappen sollten erst unmittelbar vor dem Zünden entfernt und das Feuerwerk darf nur mit ausgestrecktem Arm angezündet und nicht in der Hand gehalten werden. Geachtet werden muss auf Oberleitungen und Dachvorsprünge. Fenster, Türen oder Dachluken sollen zu Silvester geschlosssen werden.

Wenn ein Knaller nicht sofort explodiert oder eine Rakete nicht startet, darf niemand zu dem Blindgänger laufen. Nachschauen, ob sich der Knaller doch noch zünden lässt, ist zu gefährlich. Wichtig ist auch: Niemand darf Knaller in Richtung anderer Menschen werfen. Selbst Wunderkerzen sollte man weg von sich und anderen Leuten halten. Übrigens dürfen nur Erwachsene große Raketen, Böller und Sonnenräder kaufen und zünden. Knallerbsen, Knallbonbons, Tischfeuerwerke und kleine Bodenkreisel sind für Kinder ab zwölf Jahren erlaubt.

Weshalb wird Silvester-Feuerwerk kritisiert?

Tierärzte, Umweltschützer, Bundesärztekammer oder die Gewerkschaft der Polizei warnen vor den Folgen der Silvester-Knaller. Für Haustiere, aber auch für Pferde, Kühe oder Vögel bedeutet der lautstarke Jahreswechsel Stress. In der Luft entstehen große Mengen an Feinstaub.

Für die Umwelt, für lärmempfindliche Menschen und Tiere und mit Blick auf Unfall- und Brandgefahren wäre ein Verzicht auf Silvesterfeuerwerk am besten.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner

Zudem entstehen jede Jahr Tausende Tonnen unnötiger Müll. "Für die Umwelt, für lärmempfindliche Menschen und Tiere und mit Blick auf Unfall- und Brandgefahren wäre ein Verzicht auf Silvesterfeuerwerk am besten", erklärte daher auch Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke).

Was spricht gegen ein Verbot?

Der Bundesverband Pyrotechnik argumentiert dagegen, ein Verbot privater Kleinfeuerwerk entlaste kaum die Krankenhäuser. Der größte Teil der Verletzungen in den Notaufnahmen sei auf Alkoholkonsum und entsprechende Konflikte zurückzuführen.

Die Feuerwerksindustrie rechnet in diesem Jahr mit einem ähnlichen Silvesterumsatz wie vor der Corona-Pandemie. Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) geht von Erlösen von rund 120 Millionen Euro aus. 2019 wurden laut VPI rund 130 Millionen Euro Umsatz erzielt.

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MDR (UK/dpa/rom)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 29. Dezember 2022 | 15:00 Uhr

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