Krieg Erste Flüchtlinge aus der Ukraine in Thüringen - Land bereitet Unterkünfte vor

Thüringen kann nach Angaben der Landesregierung sofort etwa 3.000 Menschen aus der Ukraine aufnehmen, die auf der Flucht vor den russischen Angriffen sind. Solidarität mit der Ukraine zeigten auch wieder Thüringer auf Kundgebungen.

Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Suhl
In der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Suhl könnten Menschen aus der Ukraine unterkommen. Bildrechte: dpa

Thüringen ist nach Angaben der Landesregierung für die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge gerüstet. Migrationsminister Dirk Adams (Grüne) sagte, in den Gemeinschaftsunterkünften und der Erstaufnahmestelle Suhl könnten bis zu 3.000 Menschen aufgenommen werden. Dort gebe es Betten und Essen. Eine zusätzliche Sammelunterkunft in Eisenberg werde vorbereitet.

Weitere Objekte könnten kurzfristig für diesen Zweck nutzbar gemacht werden. "Ich habe Anweisung gegeben, dass wir alle Liegenschaften des Landes oder der Landesentwicklungsgesellschaft daraufhin prüfen", sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Nach Angaben von Adams kommen bisher allerdings nur wenige ukrainische Flüchtlinge in Thüringen an. Die Menschen suchten derzeit vor allem in heimatnahe Zuflucht, etwa im Nachbarland Polen, so der Minister.

Kurzfristige Absprachen zum Umgang mit Flüchtlingen

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer hatten sich am Freitagabend mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) über das Prozedere der Aufnahme ukrainischer Kriegsflüchtlinge in Deutschland verständigt. Nach den Abstimmungen von Bund und Ländern sollen Ukraine-Flüchtlinge Adams zufolge kein Asylverfahren durchlaufen müssen, sie müssten damit nicht zwingend in den Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden.

Ramelow geht davon aus, dass viele von ihnen Unterstützung von in Thüringen lebenden ukrainischen Landsleuten bekommen. Die Dauer des für sie möglichen visafreien Aufenthalts in Deutschland sei von 90 auf 180 Tage verlängert worden. Sie können damit sofort eine Arbeit aufnehmen.

Wieder Demonstrationen in Thüringen für Frieden in der Ukraine

In mehreren Thüringer Städten gab es am Samstag wieder Demonstrationen gegen den russischen Krieg in der Ukraine.

Auf dem Fischmarkt in Erfurt demonstrierten rund 150 Menschen gegen den Angriff. Die Unionspolitikerin Marion Walsmann sagte, das solle ein Zeichen der Solidarität für die Ukraine sein und zeigen, dass man bereit sei, die Rechtsstaatlichkeit zu verteidigen. Der Angriff Russlands auf die Ukraine sei ein Angriff auf Demokratie und Freiheit, so Walsmann, die für die CDU im Europaparlament sitzt. Nach Ansicht von Michael Hose, Fraktionschef der CDU im Erfurter Stadtrat, dürfen die Deutschen Osteuropa nicht in Stich lassen in der Auseinandersetzung mit einem "durchgeknallten russischen Präsidenten".

Foto von einer Demo auf dem Erfurter Fischmarkt gegen den Ukraine-Krieg, Veranstalter CDU Erfurt, Sprecher auf dem Bild: Bürgerrechtler Matthias Büchner
Auf dem Fischmarkt in Erfurt zeigten erneut Menschen Solidarität mit der Ukraine. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

"Pullover der Freiheit" anziehen

Der Ukrainer Andriy Kucherenko sprach in Erfurt von einer dramatisch gefährlichen Lage, auch für den Frieden in Europa. Er forderte dazu auf, den aus der Ukraine ankommenden Flüchtlingen zu helfen. Der Bürgerrechtler Matthias Büchner sagte, der russische Präsident müsse den Widerstand der Europäer zu spüren bekommen. Man müsse auf die Gaslieferungen aus Russland verzichten und den Gashahn zudrehen. Möglicherweise müssten die Deutschen dann einen dickeren Pullover anziehen. Aber das sei der Pullover der Freiheit, so Büchner.

In Jena trafen sich nach Polizeiangaben etwa 150 Menschen zu einer Kundgebung im Stadtzentrum. In Altenburg beteiligte sich Ministerpräsident Ramelow an einer Mahnwache, zu der etwa 50 Menschen gekommen waren. Seit Tagen protestieren in zahlreichen Orten Thüringens viele Menschen gegen die russische Invasion. Die großen Kirchen haben zu Friedensgebeten aufgerufen.

MDR(gh)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Februar 2022 | 17:00 Uhr

33 Kommentare

martin vor 17 Wochen

Wie kommt es nur, dass mir hier der klassische "Ich bin ja kein ...., aber ..." ein- und auffällt? Nein, in den Unterkünften sitzen nicht lauter Gewalttäter und Vergewaltiger - auch wenn ich die Probleme mit einem Teil der Geflüchteten überhaupt nicht kleinreden will.

DER Beobachter vor 17 Wochen

Was Sie hier betreiben, ist eine Relativierung der russischen Aggression angeblich im Namen des Friedens. Gerade die Außenpolitik des Führers 1933-1939 (Münchner Abkommen z.B.) mit ihren Folgen 1939-45 sollte uns eigentlich besseres gelehrt haben und verbietet es eigentlich, solchen Unsinn zu schreiben!

jochen1 vor 17 Wochen

Politiker - Sie wollen ununterbrochen die Welt retten, unsere bekannten aktuellen Politikgrößen.
Wir sollen dafür zahlen und natürlich verzichten.
Nicht mit mir - Wir Bürger sollten dafür seit Jahrzehnten verzichten und bezahlen.
Es ist genug mit der irren Weltrettung. Sollen die aus der Politik dafür bezahlen.
Aber darauf werden wir Bürger lange warten !

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