Ukraine-Krieg Thüringen rechnet mit etwa 4.000 Flüchtlingen pro Woche

Thüringen rechnet mit der Ankunft von wöchentlich etwa 4.000 Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Der Freistaat lässt laut Ministerpräsident Ramelow derzeit prüfen, ob die Menschen in landeseigenen, leerstehenden Immobilien untergebracht werden könnten.

Thüringen rechnet mit der Ankunft von wöchentlich etwa 4.000 Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Das teilte das Landesverwaltungsamt am Donnerstag mit. Bislang wurden den Angaben nach etwas mehr als 3.000 Flüchtlinge registriert, etwa 40 Prozent von ihnen sind Kinder. Die Menschen, die dank privater Initiativen angekommen sind, dürfte dabei noch nicht eingerechnet sein, so ein Sprecher der Behörde.

Genaue Flüchtlingszahlen werden für die kommende Woche erwartet. Seit Donnerstag verteilt der Bund die ankommenden Flüchtlinge auf die Länder - gemäß dem sogenannten Königsteiner Schlüssel. Für Donnerstag waren neun Busse angekündigt, am Freitag werden fünf weitere Busse erwartet. Pro Bus gehen die Behörden von etwa 50 Personen aus.

Thüringen prüft landeseigene Immobilien

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat den Menschen im Land für ihre große Hilfsbereitschaft gegenüber den Ukraine-Flüchtlingen gedankt. Ramelow sagte nach der Besprechung der Regierungschefs mit dem Bundeskanzler am Donnerstag, die Hilfe sei überwältigend. Die Menschen im Land bewiesen jeden Tag, dass sie wissen, was Solidarität bedeutet und auch, welche Sorgen die Flüchtlinge haben.

Das Land lässt laut Ramelow derzeit alle eigenen, leerstehenden Immobilien überprüfen, ob dort Flüchtlinge untergebracht werden könnten. Neben ehemaligen Kliniken in Jena sei dabei auch das frühere Wismut-Krankenhaus in Gera im Gespräch. Ramelow kritisierte zugleich unseriöse Angebote privater Vermieter. Einige nutzten die Gelegenheit, leerstehende Wohnungen "zu nicht marktkonformen Preisen" anzubieten.

Ramelow signalisierte wie schon zuvor Bildungsminister Helmut Holter (Linke), dass man ukrainische Lehrerinnen und Lehrer womöglich für Aufgaben an den Thüringer Schulen gewinnen will - "als Schulbegleiter oder als Lehrerinnen", wie der Regierungschef sagte. "Das wollen wir möglichst schnell, möglichst niederschwellig mit organisieren."

Stadt Weimar sucht Wohnraum für Flüchtlinge

Die Stadt Weimar sucht weiterhin Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine. Man rechne mit rund 25 ankommenden Personen pro Tag, sagte Oberbürgermeister Peter Kleine. Für jede zusätzlich angebotene Wohnung und jedes Zimmer sei die Stadt dankbar, allein werde man das nicht stemmen können. Bürgerinnen und Bürger, die für mindestens drei Monate Wohnraum zur Verfügung stellen können, sollen sich mit der Stadtverwaltung in Verbindung setzen.

Laut Kleine sind schon mehr als 400 ukrainische Flüchtlinge offiziell in Weimar gemeldet. Die tatsächliche Zahl dürfte aber deutlich höher liegen. Zurzeit werden laut Stadtverwaltung provisorische Großunterkünfte vorbereitet, in denen die Menschen vorübergehend untergebracht werden können.

Kostenfreie Beförderung ukrainischer Flüchtlinge

Der Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) befördert Flüchtlinge aus der Ukraine seit Anfang März kostenlos. Die Städte und Landkreise, das Land und die Verkehrsbetriebe haben diese Kulanz-Regelung am Donnerstag noch einmal verlängert. Flüchtlinge können demnach bis mindestens Ende April alle Busse, Züge und Straßenbahnen im Verbund kostenfrei nutzen.

Der VMT ist ein Zusammenschluss von 15 Verkehrsunternehmen, Land und Kommunen. Dazu gehören die Städte Erfurt, Weimar, Jena, Gera und die Landkreise Gotha, Weimarer Land und Saale-Holzland-Kreis, außerdem der Zweckverband ÖPNV Saale-Orla für die Landkreise Saale-Orla und Saalfeld-Rudolstadt.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels berichteten wir, dass die kostenlose Beförderung von Flüchtlingen aus der Ukraine seit dem 17. März gelte - diese Information wurde von uns korrigiert: Die Regelung gilt seit Anfang März und wurde am 17. März verlängert.

MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 18. März 2022 | 18:30 Uhr

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