Schutz vor Gewalt Frauenhäuser in Thüringen: Mehr Plätze und Beschäftigte gefordert

Der Ehemann schlägt zu, der Bruder greift an, der Partner kontrolliert das Leben der Freundin bis ins Detail: Volljährige Frauen, die zu Hause Gewalt erfahren, können in Frauenhäusern unterkommen. Doch nach Ansicht der Landesarbeitsgemeinschaft Thüringer Frauenhäuser und Frauenschutzwohnungen (LAG) muss das Angebot an Plätzen dringend ausgebaut werden.

Eine Frau sitzt in einem Frauenhaus auf einem Bett.
Frauenhäuser bieten Betroffenen unter anderem dann Schutz, wenn es in Partnerschaften oder Familien wiederholt zu Gewalt kommt (Foto: Archiv). Bildrechte: pda

In Thüringen fehlen nach Einschätzung von Expertinnen zahlreiche Plätze in Frauenhäusern. "Wir haben auf jeden Fall große Lücken in der Verteilung der Frauenhäuser", sagte Anja Wild, Sprecherin der LAG. Verhältnismäßig viele Häuser sind nach ihren Worten bei der Ost-West-Achse entlang der Autobahn 4 zu finden. Und auch der Norden sei vergleichsweise gut versorgt, in Südthüringen gebe es jedoch einen großen weißen Fleck. "Da ist eine gigantische Lücke, da fehlen ganz viele Plätze", so Wild.

Große Distanz kann Frauen von wichtigem Hilfsangebot fernhalten

Die Distanz zu gewalttätigen Partnern sei zwar oft erwünscht. Aber wenn die Frauen zu ihren Arbeitsplätzen müssten, kein Auto hätten oder ihre Kinder im Ort Kindergärten und Schulen besuchten, dann seien große Entfernungen zwischen Lebensmittelpunkt und Frauenhäusern ein Problem. "Die große Distanz kann Frauen auch hemmen, überhaupt bei Frauenhäusern anzufragen", so Wild.

Auch Karola Stange, Sprecherin für Soziales und Gleichstellung der Linken-Fraktion im Landtag, sieht deutliche Defizite. Sie verwies auf die Antworten auf eine Kleine Anfrage zum Thema, die sie gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Sascha Bilay gestellt hatte. "Da ist deutlich zu erkennen, dass sich manche Kommunen beim Thema Frauenhäuser einen schlanken Fuß machen", kritisierte Stange. So stellten der Wartburgkreis und der Saale-Holzland-Kreis, der Landkreis Hildburghausen, der Ilm-Kreis und die Stadt Suhl selbst keine Plätze. Stattdessen seien deren Angebote mit in den Häusern benachbarter Städte oder Landkreise enthalten. Auch die Zahl der Plätze - aktuell sind das in Thüringen etwa 172 - reicht nach Stanges Auffassung nicht aus. Landesweit müssten es rund 100 Plätze mehr sein, sagte Stange mit Blick auf eine Konvention, die verpflichtet, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhüten, zu verfolgen und zu beseitigen.

Beschäftigte müssen Hausmeisteraufgaben übernehmen

In den Häusern seien zudem mehr Beschäftigte nötig: "Da sind Fachfrauen, die eigentlich für Beratungsarbeit eingestellt werden, um sich mit den Frauen um deren Probleme zu kümmern - die sollten nicht noch Hausmeisteraufgaben übernehmen müssen." Auch Wild berichtet, dass in vielen Frauenhäusern eine zusätzliche Belastung durch solche Arbeiten für die Mitarbeiterinnen entstehe. "Wir sind dieses Jahr allerdings zum ersten Mal in der glücklichen Position, dass der Landkreis eine kleine Stelle für eine Haushälterin finanziert", sagte Wild, die auch Leiterin des Frauenhauses in Gotha ist.

Als weitere Probleme betrachtet Stange, dass die Häuser oft nicht für in ihrer Mobilität eingeschränkte Frauen zugänglich sind und dass dort in der Regel nicht auf weitere Problemfelder, wie etwa Suchterkrankungen von Frauen, eingegangen werden könne. Insgesamt sei mehr Geld für die Arbeit der Frauenhäuser nötig, sagen Wild und Stange. "Das muss bei den Haushaltsplanungen fürs Land berücksichtigt werden", erklärte die Linken-Politikerin Stange. Bislang ist die Regelung so, dass das Land die Häuser durch Zuwendungen fördern kann. In erster Linie sind aber die Landkreise und Städte verantwortlich für die Häuser.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. März 2021 | 07:00 Uhr

2 Kommentare

Jana G vor 19 Wochen

Ich selbst habe einmal eine Nacht in einem Frauenhaus verbringen müssen, mit Kind.
Leider war es dort so ungemütlich, dass ich auch deshalb nur für diese Nacht geblieben bin. Es fehlte in diesem Frauenhaus an vielem: Kleidung wie Schlafanzüge, Unterwäsche, Hygieneartikel, wohnliche Ausstattung, Nahrungsmittel,... viele Frauen auf der Flucht können nicht an all das denken und möchten den Schutzort auch erstmal nicht verlassen.
Spenden sind dringend nötig.
Die Notwendigkeit von Frauenhäusern wird unterschätzt. Ich habe eine sehr gute berufliche Anstellung und wohne in sehr guter Lage... niemand könnte ahnen, dass ALLE Frauen mal Hilfe benötigen könnten. Gewalt ist vielfältig!
Hilfen sind dringend nötig!

helmut57 vor 19 Wochen

Keiner hat das Recht, Gewalt gegen Andere auszuüben. Das zeigt nur,wie primitiv derjenige ist. Leider ist sie uns möglicherweise angebohren. Jeder hat es selber in der Hand.

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