Behörden überlastet Probleme beim Führerschein-Umtausch in Thüringen

Porträt Regionalkorrespondentin Tanja Gorges
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Viele Autofahrer müssen ihren alten Führerschein bis zum 19. Januar 2022 umtauschen. Doch die Behörden in Thüringen kommen bei dem Andrang nicht hinterher. Sie wünschen sich eine Verlängerung der Frist.

Verschiedene Führerscheine
Wer zwischen 1952 und 1958 geboren ist, muss bis 2022 seinen Papierführerschein umtauschen. Bildrechte: dpa

Die Situation in den Führerscheinstellen in Thüringen bleibt angespannt. Einige Landkreise wie Greiz oder der Saale-Holzland-Kreis, aber auch die Stadt Erfurt wünschen nun sich eine Verlängerung der Umtauschfristen für die Führerscheine. Denn wegen der Corona-Pandemie und Lockdown ging der Umtausch erst in der zweiten Jahreshälfte richtig los.

Im Landkreis Greiz laufen den Angaben nach derzeit 100 Terminanfragen pro Tag ein. Das Landratsamt hat bereits personell aufgestockt, um die Antragsflut aus Pflichtumtausch und Neuausstellungen von Führerscheinen Herr zu werden. Doch auch das ist oft ein langwieriger Prozess. Von Stellenausschreibung bis Einstellung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter vergehen teilweise sechs bis neun Monate, erklärt Landrätin Martina Schweinsburg.

Lange Einarbeitungszeit für neue Mitarbeiter

Wie schwierig es ist, Stellen zu besetzen, spürt auch die Führerscheinstelle in Erfurt. Die hohen Anforderungen an die Mitarbeiter aufgrund des komplexen Fahrerlaubnisrechts führe zu langwierigen Einarbeitungszeiten. Personelle Wechsel könnten dadurch nicht zeitnah kompensiert werden, teilte der Leiter des Bürgeramtes, Peter Neuhäuser, in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Entsteht also ein personeller Engpass, ist schnell die ganze Führerscheinstelle dicht. So ist es erst kürzlich in Gera passiert. Die Behörde musste eine Art Notbremse ziehen und das Amt für den Besucherverkehr ab Mitte Oktober knapp zehn Tage schließen. Im Hintergrund wird zwar abgearbeitet, was möglich ist. Der Bearbeitungsstau ebbt jedoch nur langsam ab.

Schon jetzt vermutet sowohl die Greizer Landrätin als auch Peter Neuhäuser, dass die Frist für die Jahrgänge 1953 bis 1958 bis zum 19. Januar 2022 nicht haltbar sei. Ein Grund dafür sei wohl auch, dass die große Anzahl der Fälle vom Gesetzgeber offenbar deutlich unterschätzt worden sei.

Eine Frau hält ihren Führerschein in die Kamera. 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 04.09.2021 19:00Uhr 01:49 min

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Video

Appell: Frist für Umtausch verlängern

Es ist nicht allein ein Thüringer Problem. Bundesweit stehen Behörden unter Druck. Laut dem Leiter des Erfurter Bürgeramtes sprechen sich jetzt die Fahrerlaubnisbehörden dafür aus, die Fristen für den Umtausch zu verlängern. Hier müsste mit dem Innenministerium zusammengearbeitet werden, so dass die Polizei kein Verwarnungsgeld verhängt, wenn die Frist überschritten werden.

Ein Hilferuf ging bereits an das Thüringer Landesverwaltungsamt und das zuständige Ministerium. Aus dem Landratsamt in Greiz kommt zusätzlich die Bitte an die Bürger, sich rechtzeitig um einen Umtauschtermin zu kümmern. Gleichzeitig sollen aber auch nur diejenigen den Führerschein tauschen, deren Jahrgänge betroffen sind.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 26. Oktober 2021 | 18:40 Uhr

18 Kommentare

Matthi vor 5 Wochen

Der Führerschein verliert nicht seine Gültigkeit wenn man den Umtausch Termin nicht wahrnimmt es ist lediglich eine Geringfügigkeit die 10 € kostet. Wenn der Führerschein ungültig werden würde, würde man ohne gültige Fahrerlaubnis fahren was keine Geringfügigkeit wäre und ein Fall für den Richter. Die Frage sollte sein lohnt sich der Umtausch, wie lange können wir uns noch den Unterhalt eines Autos leisten.

martin vor 5 Wochen

Zunächst einmal sind es ja nur die gestaffelten Umstellungszeitpunkte, deren Nichtbeachtung eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Der alte (grau, rosa, DDR) Papierführerschein wird erst am 19.1.2033 ungültig. Die Fahrerlaubnis dürfte nach meinem Verständnis dadurch nicht erlöschen.

Inwieweit es allerdings ratsam ist, mit einem DDR-Führerschein ins Ausland zu fahren, ist eine ganz andere Sache - auch wenn er bis 2033 gültig ist.

Freies Moria vor 5 Wochen

Das ist ja mal ein lustiger Artikel: Der Staat will etwas, kann aber selber nicht leisten. Berliner Verhältnisse (da kann man schon länger den Ausweis nicht fristgerecht verlängern) jetzt auch in Thüringen!
Insgesamt leider ein weiterer Beleg für die grassierende Inkompetenz. Statt auf EU-Ebene der Umwandlung der Führerscheine zuzustimmen, hätte man einfach ablehnen sollen, dann gäbe es das Problem nicht. Hat ja seit der Einführung der gegenseitigen Anerkennung nie ein Problem gegeben.
Ach so, doch, ein Problem gibt es: Bei unbegrenzt gültigen Ausweisen kann kein Bussgeld für abgelaufene Ausweise erhoben werden. In Südeuropa, wo kaum Steuern gezahlt werden, ist der Staat schon lange gezwungen sich über solche Abzocke zu finanzieren. Bei uns kommt das jetzt ZUSÄTZLICH zu den Steuern!

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