Wirtschaft Thüringer Tageszeitungen der Funke-Mediengruppe mit neuem Auflagentief

Ende des Jahres will die Funke-Mediengruppe die Druckerei in Erfurt schließen. Seit 2004 hat sich die Leserschaft bei gedruckten Tageszeitungen halbiert. Im letzten Quartal 2020 sind die Zahlen weiter gesunken. Am Samstag protestierten Beschäftigte gegen die Schließung des Druckzentrums.

Zeitungstitel der Funke Mediengruppe in Thüringen: Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung
Die drei Zeitungstitel der Funke-Mediengruppe haben im vierten Quartal 2020 täglich 198.102 gedruckte und elektronische Exemplare verkauft. Bildrechte: MDR

Die Thüringer Tageszeitungen der Funke-Mediengruppe finden erstmals weniger als 200.000 Käufer. Im letzten Quartal des Vorjahres sind Thüringer Allgemeine (TA), Thüringische Landeszeitung (TLZ) und Ostthüringer Zeitung (OTZ) erstmals unter diese Schwelle gerutscht.

Berücksichtigt sind gedruckte Zeitungen und E-Paper. Das geht aus den jetzt von der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) veröffentlichten Zahlen hervor. Der Funke-Verlag hatte die Quartalsdaten erst verspätet übermittelt.

Rückgang von mehr als sieben Prozent

Demnach haben die drei Zeitungstitel im vierten Quartal 2020 täglich 198.102 gedruckte und elektronische Exemplare verkauft. Ein Jahr zuvor haben TA, TLZ und OTZ noch gut 15.000 Zeitungen mehr (213.375) abgesetzt. Das entspricht einem Rückgang von mehr als sieben Prozent.

Der Schwund bei den Abonnenten der gedruckten Tageszeitungen ist wesentlich stärker als der Zuwachs an Nutzern der digitalen E-Paper. Damit hat sich die Leserschaft seit dem Jahr 2004 mehr als halbiert. Damals übertraf die verkaufte Auflage der Thüringer Funke-Zeitungstitel noch 400.000 Exemplare.

Foto eines Mannes vor einem Computerbildschirm. Außerdem ein weißer Kreis mit einem gelben Verortungssymbol. 10 min
Bildrechte: MDR MEDIEN360G

Thüringer Druckzentrum vor Schließung

Der Abonnentenrückgang ist ein Grund dafür, dass die Funke-Mediengruppe die einzige Tageszeitungsdruckerei in Thüringen zum Jahresende schließen will. Der Verlag scheut die notwendigen Millioneninvestitionen in die veraltete Drucktechnik in Erfurt-Bindersleben.

Stattdessen sollen die drei Tageszeitungen Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung ab kommendem Jahr in anderen Bundesländern gedruckt werden. Damit würden rund 100 Drucker, 170 Versandhelfer und eine dreistellige Anzahl an Leiharbeitern ihre Arbeitsplätze verlieren.

Protest gegen Schließung des Druckzentrums in Erfurt-Bindersleben auf dem Erfurter Anger
Am Samstag wurde auf dem Erfurter Anger gegen die Schließung des Druckzentrums protestiert. Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Protest auf dem Erfurter Anger

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) spricht sich vehement gegen die Schließung aus. Thüringen dürfe "keine Verschiebemasse in den Kalkulationstabellen des Funke-Verlags sein". Die Beschäftigten verdienten Anerkennung durch gute Löhne und sichere Arbeitsplätze. Er halte es außerdem für "ökologischen Unsinn, künftig Zeitungen über hunderte Kilometer zu transportieren".

Rund 80 Drucker und Versandhelfer hatten am Samstagmittag auf dem Erfurter Anger gegen die Schließung protestiert. Britt Mandler, Betriebsratsvorsitzende der Thüringer Funke-Redaktionen, versicherte die Solidarität der Redaktionen mit den Druckzentrumsmitarbeitern. Die Schließung der Druckerei beschädige die Existenzgrundlage der Zeitungen insgesamt, sagte sie. Es bestehe die Gefahr, dass die Zeitungen aufgrund der längeren Transportwege inaktueller würden, so Mandler.

Protest gegen Schließung des Druckzentrums in Erfurt-Bindersleben auf dem Erfurter Anger
"Der Osten blutet aus": Gewerkschafter und Betriebsräte werfen Funke vor, sich auf Kosten des Ostens zu bereichern. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Der Geschäftsführer des Deutschen Journalisten Verbandes in Thüringen, Sebastian Scholz, sprach auf dem Anger von einer "kurzsichtigen Entscheidung von Funke", bei der es um Zahlen, statt um Menschen gehe. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider bezeichnete es als "beschämendes Verhalten, angesichts des vielen Geldes", das der Funke-Verlag in Thüringen bislang verdient habe.

Funke weist Kritik zurück

Die Funke-Medien-Gruppe wies die Kritik an der geplanten Schließung des Druckzentrums Erfurt zurück. Eine Konzernsprecherin sagte MDR THÜRINGEN, die Schließung sei unvermeidbar und unumstößlich. Andersfalls würde das Unternehmen in Zukunft große finanzielle Verluste riskieren. Nach Angaben der Sprecherin stehen im Druckzentrum in Erfurt-Bindersleben Investitionen in Millionenhöhe für neue Maschinen an. Gleichzeitig gehe die Druckauflage pro Jahr um etwa neun Prozent zurück.

Vor diesem Hintergrund sei eine so kostspielige Investition nicht vertretbar. Die Funke-Medien-Gruppe habe im letzten Jahr auch am Stammsitz in Essen eine Druckerei schließen müssen. Nach Angaben der Sprecherin wird künftig zudem nur ein kleiner Teil der Printprodukte in Braunschweig hergestellt. Die Tageszeitungen TA, TLZ und OTZ würden dagegen aus Gründen der Aktualität größtenteils an näher gelegenen Standorten, darunter Chemnitz, gedruckt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. April 2021 | 07:00 Uhr

70 Kommentare

Frank 1 vor 33 Wochen

Ob ich mich online oder digital informiere ist für mich im Kern sekundär. Primär für mich ist, ich informiere mich dort, wo ich umfassend und fundiert informiert werde und nicht mainstreamkonform verdummt werden soll.

faultier vor 33 Wochen

Ich habe 2016 die Volkstimme Magdeburg gekündigt nach fast 40 Jahren ,ein paar Tage bekam ich einen Anruf mit der Frage warum und was sie ändern sollen . Ich antwortete ,das ich mit der Berichterstattung über die Flüchtlingspolitik nicht einverstanden bin und ich mir eine korreckte Journalistische Arbeit wünschte darauf hin legte die Dame auf mit dem Satz ,diese Themen werden von der übergeordneten Redaktion geschrieben sie hätten keinen Einfluss darauf auf diese poltischen Themen,da hatt es mir endgültig gereicht.

Micha R vor 33 Wochen

Rückgängige Zahlen bei Printausgaben, ausgelöst durch Wechsel der Leserschaft auf Onlineangebote oder durch Abbestellung, haben nun mal Auswirkungen!
Derartige Veränderungen im Druckgewerbe sollten den verbliebenen Mitarbeitern eigentlich nicht neu sein, siehe Schicksal der einstigen Bleisetzer.
Wenn laut dem Artikel aus dem Kreis der 100 Drucker, 170 Versandhelfer und dreistelliger Anzahl an Leiharbeitern lediglich rund 80 Drucker und Versandhelfer protestieren und von der dreistellige Anzahl von Leiharbeitern kein Protest kommt, überrascht mich das auch nicht!
Denn die nicht der Stammbelegschaft angehörenden Leiharbeiter verlieren durch die Schließung der Druckerei auch nicht ihren Job, sondern werden wie in der Arbeitnehmerüberlassung üblich, demnächst nur woanders eingesetzt.

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