Erfurt Funke-Druckerei: Vergleich im Streit um Sozialplan für Versandhelfer

Von der Schließung des Druckzentrums der Funke-Mediengruppe in Erfurt sind nicht nur Drucker betroffen, sondern auch Versandhelfer. Weil Funke aus Sicht des Betriebsrates Sozialplan-Verhandlungen blockiert hatte, hatte er Beschwerde eingelegt. Am Landesarbeitsgericht erzielten Betriebsrat und Unternehmen am Donnerstag eine Einigung. Versandhelfer können nun auf einen Sozialplan hoffen.

Blick auf das Verlagshaus / Druckhaus der Thüringer Allgemeine
Das Druckzentrum der Funke-Medienguppe in Erfurt-Bindersleben Bildrechte: Imago/Karina Heßland-Wissel

Die vom Aus des Funke-Druckzentrums in Erfurt betroffenen Versandhelfer können auf baldige Sozialplan-Verhandlungen hoffen. Der Betriebsrat der Funke Thüringen Druckservice GmbH und die Funke-Mediengruppe haben sich am Donnerstag vor dem Thüringer Landesarbeitsgericht in Erfurt geeinigt. In einem Vergleich akzeptierte der Betriebsrat eine so genannte Einigungsstelle als Vermittler. Gegen die aus seiner Sicht voreilige Installation des Gremiums hatte der Betriebsrat ursprünglich Beschwerde eingelegt. Er hatte Funke vorgeworfen, Verhandlungen mit unvollständigen und widersprüchlichen Informationen zum Druckzentrum blockiert zu haben.

Protest gegen Schließung des Druckzentrums in Erfurt-Bindersleben auf dem Erfurter Anger
Beschäftigte des Druckzentrums und Gewerkschaftsvertreter bei einer Kundgebung gegen die geplante Schließung im April in Erfurt Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Unternehmen will Sozialplan abschließen

Der Funke-Anwalt sagte vor Gericht, die fehlerhaften Informationen seien längt berichtigt worden. Und der Verlag wolle für die rund 150 Versandhelfer der Funke Thüringen Druckservice GmbH einen Sozialplan abschließen. So lange die Verhandlungen über den Interessenausgleich und einen Sozialplan laufen, kann Funke den Versandhelfern nicht wegen der geplanten Schließung der Druckerei kündigen.

Unabhängig davon klagen mehr als ein Dutzend Versandhelfer einzeln gegen Funke vor dem Arbeitsgericht Erfurt. Sie verlangen Schadenersatz für entgangenen Lohn, weil mit der Einstellung des Anzeigenblattes Allgemeiner Anzeiger am Mittwoch abrupt regelmäßige Arbeitsstunden weggefallen sind. Aus ihrer Sicht hätte Funke das mit einem Interessenausgleich abfedern müssen. Funke weist das zurück.

Für Druckerei-Beschäftigte wurde Einigung gefunden

Anders als für die Versandhelfer wurden bereits im Mai für die rund 100 Drucker des Druckzentrums ein Interessenausgleich und ein Sozialplan abgeschlossen. Die Mitarbeiter hatten zuvor mehrfach gestreikt. Im Ergebnis soll eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft für die Drucker eingerichtet werden. Außerdem erhalten sie eine Treueprämie, wenn sie bis zur Schließung des Druckzentrums zum Jahresende im Betrieb bleiben. Eine weitere Prämie gibt es, wenn keine Krankheitstage anfallen. Zudem sieht der Sozialplan für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit rund 6,7 Prozent des Jahresbruttoverdienstes als Abfindung vor.

Mit dem Druckzentrum schließt die Funke-Mediengruppe zum Jahresende die einzige Tageszeitungsdruckerei in Thüringen. Die Funke-Tageszeitungen Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung sowie das Anzeigenblatt Allgemeiner Anzeiger sollen dann in anderen Bundesländern gedruckt werden.

Zeitungstitel der Funke Mediengruppe in Thüringen: Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung
Thüringer Zeitungen der Funke Mediengruppe Bildrechte: MDR

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. Juli 2021 | 16:00 Uhr

5 Kommentare

Fakt vor 14 Wochen

@Selei:

Ja, für Leute, die meinen, dass sie in irgendwelchen ominösen Filterblasen seriöse Informationen erhalten, hat sich diese Art der Meinungsbildung erledigt. Für andere, die auch tiefergehende Infos erhalten möchten, die auch auf Hintergründe Wert legen oder die auch umfassend Informationen aus der Region oder gar Lokalnachrichten lesen wollen, bleiben Tageszeitungen durchaus weiterhin zur Meinungsbildung eine der ersten Quellen.

Selei vor 14 Wochen

Ich habe mein TA Abo diese Woche gekündigt.Ausschlaggebend war vor allem die unkritische Berichterstattung der letzten Monate. Die Funke Gruppe wirbt immer noch mit dem Slogan“Unabhängige Tageszeitung“. Das kommentiere ich mal nicht. Die Druckereischließung tut noch das übrige dazu.Mein Abo ist natürlich nicht ausschlaggebend, aber ich denke das sich diese Art der Meinungsbildung sowieso überlebt hat.

Critica vor 14 Wochen

Ganz gleich, welche Branche hier jetzt "stirbt". Ich halte es für unverantwortlich, dass die Landesregierung einfach so wegschaut, wie viele große Unternehmen "auswandern".
Wozu sitzen eigentlich Politiker "im zweiten oder dritten Job" in Aufsichts- und Verwaltungsräten?

Mehr aus Thüringen