Notfall-Plan Thüringer müssen mit drastischem Anstieg der Gaspreise rechnen

Die Thüringer Energie AG (Teag) wird die Gaspreise für Privatkunden im August mehr als verdoppeln. Von einem Anstieg um mehr als 115 Prozent ist die Rede. Für einen Haushalt mit etwa 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch würde das Mehrkosten von mehr als 1.500 Euro bedeuten. Auch die Stadtwerke Gotha erhöhen die Preise um 40 Prozent.

Die Thüringer Energie AG verteidigt ihre Gaspreis-Pläne gegen Kritik. Die Erhöhung von 115 Prozent sei zwar sehr unerfreulich, dennoch habe man nicht den kompletten Preisanstieg auf den Kunden abgewälzt, sagte Teag-Sprecher Martin Schreiber. Seinen Angaben zufolge müssten die Kunden das Fünffache zahlen, wenn die aktuellen Marktpreise zugrunde liegen würden.

Durch die sogenannte Tranchenbeschaffung habe man noch Gasreserven zu günstigeren Preise einkaufen können, sagt Schreiber. Doch je länger die Preise auf einem hohen Niveau bleiben, umso mehr müsse der Endverbraucherpreis angezogen werden.

Der Präsident des Landesverbandes Haus und Grund, Sven Rühr, sagt, dass Mieter nun auf den Anstieg vorbereitet werden müssen. Die Vorauszahlung der Nebenkosten müsse angepasst werden. Ansonsten käme die große Rechnung erst im zweiten Quartal kommenden Jahres. Auch die Stadtwerke Gotha erhöhen ihre Gaspreise zum August - und zwar um 40 Prozent. Die Stadtwerke Meiningen werden ebenfalls die Preise anpassen, können aber noch nicht sagen wann und in welcher Höhe. Die Eichsfeldwerke haben die Preise bereits in diesem Jahr angepasst. Die Energie- und Wasserversorgung Altenburg plant derzeit keine Erhöhungen.

Keine Zusagen für die Zukunft

Das Unternehmen hofft eigenen Angaben nach, die Kosten dann bis Ende 2023 stabil halten zu können. Das hänge von der weiteren Entwicklung des Ukraine-Kriegs ab, so der Sprecher. Trotzdem seien die Stadtwerke für Neukunden noch deutlich günstiger als viele andere Anbieter am Markt, heißt es. Wegen der begrenzt zur Verfügung stehenden Gasmengen können derzeit nur noch begrenzt Neukunden aufgenommen werden.

Verbraucherschützer halten weiteren Gaspreis-Anstieg für möglich

Verbraucherschützer halten unter bestimmten Umständen einen weiteren erheblichen Anstieg der Gaspreise für Endverbraucher für möglich, sollte die Bundesregierung die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausrufen. Grund sei das Energiesicherungsgesetz, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Thomas Engelke, am Mittwoch.

Die entsprechende Gesetzesänderung passierte am 12. Mai den Bundestag. Im Energiesicherungsgesetz wurde eine Preisanpassungsklausel eingefügt, die es Versorgern erlaubt, hohe Einkaufspreise für Erdgas auch bei langfristigen Verträgen direkt an ihre Kunden weiterzureichen. "Alle hiervon betroffenen Energieversorgungsunternehmen entlang der Lieferkette (haben) das Recht, ihre Gaspreise gegenüber ihren Kunden auf ein angemessenes Niveau anzupassen", heißt es in Paragraf 24.

Alle hiervon betroffenen Energieversorgungsunternehmen entlang der Lieferkette (haben) das Recht, ihre Gaspreise gegenüber ihren Kunden auf ein angemessenes Niveau anzupassen.

Paragraf 24 Energiesicherungsgesetz

Dieses Niveau sei nach oben nicht gedeckelt, so Engelke. "Die privaten Haushalte wären dann auch vor extrem hohen Gaspriesen nicht geschützt." Von der Regelung wären auch Kunden betroffen, die eine sogenannte Preisgarantie haben.

Wie groß solch eine Anhebung ausfallen könnte, sei unklar. Schon jetzt müsse ein Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Erdgas mit jährlichen Zusatzkosten in Höhe von 1.000 bis 2.000 Euro rechnen. "Wenn jetzt die Alarmstufe und die Feststellung der Reduzierung kämen, dann könnten noch weit höhere Zusatzkosten entstehen", so Engelke.

Notfallplan Gas

In einer Verordnung sind drei Eskalationsstufen festgelegt - Frühwarnstufe, Alarmstufe, Notfallstufe. Die Frühwarnstufe hatte Habeck am 30. März ausgerufen. Auch die Alarmstufe kann er aktivieren - für die Notfallstufe muss dagegen das ganze Kabinett zustimmen.

Linksfraktion fordert Deckelung von Gaspreisen

Die Linksfraktion fordert angesichts der steigenden Energiepreise eine Deckelung der Gaspreise und eine Genehmigungspflicht von Tariferhöhungen. Fraktionschef Dietmar Bartsch sprach am Dienstag in Berlin von "staatlichen Preiskontrollen".

Zudem sollten sich die Versorger Preiserhöhungen von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen müssen, "um auch Spekulationen, die aktuell vielfach stattgefunden haben, zu unterbinden". Die Anregungen der Regierung zum Energiesparen seien laut Bartsch "eher Anleitungen zum Frieren".

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MDR/dpa (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Juni 2022 | 17:00 Uhr

137 Kommentare

knarf2 vor 1 Wochen

martin; Langsam bekommt
man den Eindruck daß Sie einen abgrundtiefen Haß gegen Russland empfinden.
Daß Sie Putin als Mörder nennen ist absolut richtig.Daß Sie aber dem Burgfalke eine eventuelle Strategie für Rußland unterstellen ist nicht fair auch wenn Sie versuchen ihm mit„versehentlich"es zu entschärfen.

Burgfalke vor 1 Wochen

Die im Artikel beschrieben Situation trifft nicht nur Thüringen.
Den wirklichen Grund kennt keiner in D. Am Ende zählt ausschließlich das Ergebnis.Schuldzuweisungen helfen da nicht weiter,auch nicht Polemik verschiedener Art.

Schlimm wird die aktuelle u. später sich abzeichnende Situation vor allem für die ohnehin finanziell schlecht gestellten Bürger!

Wie lange dies noch dauert oder noch schlimmer wird,kann niemand wirklich voraussagen.

Eine Lösung wird u. kann es nur geben,wenn es geling auf diplomatischem Weg eine Einigung zu finden.
Mitte dieser Wochen gab es in einer Tageszeitung dazu erstaunlich entsprechende Äußerungen, die ich weitgehend teile (keine Nato).

Wer glaubt denn wirklich, daß die besetzten Gebiete geräumt werden u. alle Bürger dort mit "offenen" Armen in "ihren" Staat zurück wollen?

Das Minsk - Abkommen bot eine mögliche Lösung.Das wurde nach westlicher Aussage bewußt/geduldet unterlaufen, damit man Zeit für bessere eigene Chancen hat zu widerstehen.

Burgfalke vor 1 Wochen

Zitat: "soll laut Kreml-Sprecher Peskow für die Reduzierung der Gaslieferungen an D von 167 auf 67 Mill. Kubikmeter pro Tag verantwortlich sein ..."

Ob das zutreffend ist, kann ausschließlich nur ein einziger hier im Forum bewerten. Das würde ich mir auf keinen Fall anmaßen!

Ob nun die Aussage vom Kreml und die Bewertung hier zutrifft, daß kann ich nicht bewerten und mache das nicht.

Wäre es verwunderlich, wenn auf "Aktion" nun ein "Reaktion" erfolgt?

Die Zeche zahlen besonders die Bürger deren Einkommen nicht so hoch ist. Ob sich das auswirken wird, das wird sich zeigen oder auch nicht.

Zitat: "Über meine Einschätzung Ihrer Motivation dieser Unterstellung schreibe ich hier aus Höflichkeit nichts."

@martin,Sie machen weiter wie bisher: einfach ohne jeglichen Beleg (Zitat) einfach mit Halbwahrheiten u. Unterstellungen arbeiten.Das ist unredlich und zeugt nicht von Charakterstärke,sondern ist mies!

Wenn ich jemals jemanden hier beleidigt haben sollte,so war dies niemals gewollt!

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