Menschen sitzen in Lokalen im Auߟenbereich unter Sonnenschirmen.
Während der Corona-Pandemie haben in Thüringen 902 Gastwirtschaften geschlossen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Oliver Berg

Gastronomie Zahl der Gasthäuser in Thüringen deutlich gesunken

08. April 2023, 09:27 Uhr

Seit 2019 haben in Thüringen mehr als 900 Gasthäuser geschlossen. Besonders in kleineren Städten und auf dem Land mussten Gastbetriebe aufgeben. Im Thüringer Wald gibt es auf langen Wanderstrecken keine Einkehrmöglichkeiten mehr.

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Zahl der Gasthäuser in Thüringen deutlich gesunken. Wie Dirk Ellinger vom Thüringer Hotel- und Gaststättenverband MDR THÜRINGEN sagte, gab es 2019 landesweit noch rund 4.900 gastwirtschaftliche Betriebe.

Im Jahr 2021 waren es knapp unter 4.000. In dieser Zeit haben insgesamt 902 Gastwirtschaften ihren Betrieb eingestellt. Seit 2009 sind es über 1.500 Gastbetriebe weniger. Damals gab es in Thüringen noch mehr als 5.700 Gaststätten.

Gastwirte öffnen nur noch für spezielle Events

Nach Angaben von Ellinger ist der Schwund besonders stark in kleineren Städten und auf dem Land. Hier gingen die Menschen nicht mehr so häufig in eine Gaststätte zum Essen. Wegen der Inflation und der generell gestiegenen Preise setze sich dieser Trend fort. Um Kosten zu sparen, öffnen Gastwirte ihre Restaurants deshalb meist nur noch am Wochenende oder für spezielle Events.

Unter anderem dadurch sei auch der Umsatz von Gaststätten in ländlichen Regionen stark gesunken. Im Kyffhäuserkreis beispielsweise lag der Umsatz im Jahr 2020 pro Betrieb im Durchschnitt bei etwa 157.500 Euro. Gastbetriebe in Erfurt erzielten im gleichen Jahr durchschnittlich 349.000 Euro.

Thüringer Wald fehlen Einkehrmöglichkeiten

Betroffen ist auch die Touristenregion Thüringer Wald. Wie eine Sprecherin des Regionalverbunds Thüringer Wald mit Sitz in Suhl MDR THÜRINGEN sagte, kommen immer wieder Beschwerden von Urlaubern. Auf langen Wanderstrecken gibt es oft keine Einkehrmöglichkeiten mehr. Nach Ostern wolle sich der Verbund speziell um dieses Thema kümmern und zunächst eine Bestandsaufnahme machen.

Ellinger hofft, dass sich das Gaststättensterben in Thüringen nicht weiter so rasant fortsetzt. Aktuell gebe es ein wenig Grund zur Hoffnung. Einige Betriebe eintstünden neu oder hätten einen Nachfolger gefunden.

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MDR (bee,jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. April 2023 | 07:00 Uhr

23 Kommentare

Harka2 am 09.04.2023

@ElBuffo
Es mag für sie unvorstellbar sein, aber ich gehe in eine Gaststätte nicht nur um satt zu werden, ich möchte dort hochwertige Gerichte essen, die ich mir nicht selber machen kann. Ich wüsste ja mitunter nicht mal, wo ich die Zutaten herbekommen könnte. Mein Fleischer hat kein Strauß und auch kein Krokodil im Angebot (um nur mal auf die letzten beiden Gaststättenbesuche zu verweisen). Schlange ist übrigens auch ganz lecker (hatten wir als Vorspeise).

Harka2 am 09.04.2023

@Tamico161
Ihre Stammtischparolen mögen ihnen ja genügen, aber die Realität sieht anders aus. Der öffentliche Dienst zahlt dermaßen schlecht, dass es ihm schon lange nicht mehr gelingt offene Stellen zu besetzen. Fachkräfte sind für die angebotenen Gehälter gleich gar nicht zu gewinnen.

Harka2 am 09.04.2023

Das sich die Bierkneipen nicht halten können, ist doch nichts neues. Egal wie voll sich die Stammtischler laufen lassen, dass deckt nicht die Unkosten einer Kneipe. Was in Thüringen fehlt, ist hochwertige moderne Kochkunst mit einer zeitgemäßen Tellersprache. Wer das beherrscht, der überlebt selbst außerhalb der Ortschaft als Ausflugslokal. Bestes Beispiel ist die Triglismühle bei Siegelbach. Modernes Essen, gute Produkte, perfekte Zubereitung, zeitgemäße Tellersprache, nettes Personal - da muss man reservieren, um einen Tisch zu bekommen.
Wer heute immernoch die Speisekarte aus HO-Zeiten anbietet, der überlebt nicht lange. Für ein Schnitzel mit Pommes für 10 € gehe ich in keine Kneipe, das bekomme ich auch zu Hause selber hin.

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