Bundestagswahl Ein Gemeinschaftskandidat gegen Maaßen?

Mit einem Direktmandat könnte Hans Georg Maaßen bei den Bundestagswahlen in das Parlament einziehen. Um das zu verhindern, schlägt der Verein Campact einen Gemeinschaftskandidaten vor. Wie sehen das die Linken, Grünen und die SPD?

Hans-Georg Maaßen
Der Verein Campact schlägt vor, dass SPD, Linke und Grüne einen gemeinsamen Kandidaten gegen Hans Georg Maaßen aufstellen. Bildrechte: dpa

Die Organisation "Campact" sieht sich selbst als Bürgerbewegung, die sich bei wichtigen Entscheidungen einmischt: Mit Online-Aktionen, Diskussionen und Protesten. Die Tatsache, dass Hans Georg Maaßen in Thüringen als Direktkandidat für die CDU antritt, passt Campact gar nicht. "Wir glauben, dass das eine echte Gefahr für die Demokratie ist, wenn so jemand für die bürgerliche Union in den Bundestag einzieht", sagt Chris Methmann, Kampagnendirektor bei Campact.

Darum hat die Organisation eine Umfrage in Auftrag gegeben beim Meinungsforschungsinstitut Forsa im Südthüringer Wahlkreis 196. Ein Ergebnis ist, dass Hans Georg Maaßen zwar der bekannteste Direktkandidat ist, aber nicht der beliebteste.

Umfrage zeigt SPD leicht vorn

20 Prozent der Wahlberechtigten hätten laut der Umfrage von Forsa ihre Erststimme dem ehemaligen Chef des Verfassungsschutzes gegeben. Etwas mehr hingegen, 22 Prozent, sprachen sich für den Kandidaten der SPD aus, Frank Ullrich. Der Kandidat der Linkspartei, Sandro Witt, käme der Umfrage zufolge auf 16 Prozent der Erststimmen. Nach dieser einen Umfrage hätte also SPD-Kandidat Frank Ullrich die besten Chancen, das Direktmandat bei der Bundestagswahl zu gewinnen.

Daraus leitet Chris Methmann von Campact zwei Forderung ab: "Zuerst würden wir eigentlich die Union in der Verantwortung sehen, dass sie diesen Kandidaten zurückzieht, weil er eben die Demokratie zersetzt. Ich glaube, dass die das nicht mehr können und nicht mehr wollen. Deswegen ist es jetzt leider auf Seiten der, ich sage mal progressiven Parteien, SPD, Linke und Grüne, diesen Fehler zu beheben, den die CDU da begangen hat, so jemanden aufzustellen und sich auf einen Gegenkandidaten zu einigen, der entsprechend verhindern kann, dass Hans Georg Maaßen für die CDU in den Bundestag einzieht."

Linke ist gegen Gemeinschaftskandidat

Ina Leukefeld
Ina Leukefeld, Linkenpolitikerin und Vorsitzende des Ortsverbands Suhl Bildrechte: imago/Karina Hessland

Diese Idee stößt vor Ort momentan allerdings noch auf Ablehnung. Ina Leukefeld von der Linkspartei, Vorsitzende des Ortsverbands Suhl, sagte MDR AKTUELL: "Ein Wahlkampf ist dazu da, dass man Positionen bestimmt, dass man die mit den Menschen diskutiert und wer sich jetzt hinstellen würde und sagen würde, das geht aber gar nicht mit dem Herrn Maaßen, da treten wir mal schnell zurück und suchen uns einen gemeinsamen Kandidaten, halte ich das nicht für den richtigen demokratischen Weg."

Die Linke hält an ihrem Kandidaten Sandro Witt fest, ebenso wie die SPD. Aktuell gebe es keine Gespräche über einen gemeinsamen Kandidaten, sagt Diana Lehmann vom Kreisverband Suhl.

Verfrühte Diskussion

Für Diana Lehmann von der SPD steht fest: "Dass wir mit Frank Ullrich einen sehr guten Kandidaten haben, der sehr gut verankert ist vor Ort und dass wir mit dem in den Wahlkampf gehen wollen."

Die Grünen im Süden Thüringens haben ihre Direktkandidatin Stephanie Erben erst vor rund zwei Wochen gewählt. In der Forsa-Umfrage wurde sie deshalb nicht berücksichtigt. Traditionell haben die Grünen im konservativen Wahlkreis 196 allerdings geringe Chancen auf das Direktmandat.

Komplett ausschließen will Alexander Keiner, Sprecher des Regionalverbands Schmalkalden-Meiningen-Suhl, eine gemeinsame Kandidatur darum nicht, hält die Diskussion aber für verfrüht: "Darüber kann man reden ein paar Wochen vor der Wahl, wie sich alles entwickelt, aber das ist einfach für uns alles noch zu früh." Unterdessen hat Campact angekündigt, noch eindringlicher öffentlich für einen gemeinsamen Kandidaten zu werben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 16. Juni 2021 | 06:20 Uhr

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