Arbeitsmarkt Trotz Vollzeitjob: Jeder dritte Thüringer laut Studie Geringverdiener

In Thüringen zählen einer Studie zufolge viele Vollzeitbeschäftigte zu Geringverdienern. Demnach verdient jeder Dritte weniger als 2.300 Euro brutto im Monat. Besonders hoch ist der Anteil im Gastgewerbe.

Ein Schankkellner zapft ein Glas Bier in einer Gaststätte.
Im Gastgewerbe ist der Anteil an Geringverdienern besonders hoch. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Thüringen zählen einer Studie zufolge viele Vollzeitbeschäftigte zu Geringverdienern. Das geht aus Zahlen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Demnach verdient jeder Dritte Vollzeitbeschäftigte weniger als 2.300 Euro brutto im Monat.

Laut Definition der Bundesangentur für Arbeit gilt ein Verdienst von weniger als 2.284 Euro monatlich als "unterer Entgeltbereich", da er weniger als zwei Dritteln des mittleren monatlichen Bruttoarbeitsentgeltes entspricht. 32,9 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Thüringen gehörten demnach im Jahr 2020 der Gruppe der sogenannten Geringverdiener an.

Anteil an Geringverdienern auf dem Land höher als in der Stadt

Die landesweit höchste Quote wies der Saale-Orla-Kreis mit 41,2 Prozent der Vollzeitbeschäftigten auf, gefolgt von den Landkreisen Altenburger Land, Unstrut-Hainich und Greiz. Die wenigsten Betroffenen nach dieser Definition arbeiteten den Angaben nach in Jena, wo lediglich 18,7 Prozent der Vollzeitbeschäftigten dazugehörten. Bundesweit lag die Quote im Durchschnitt bei knapp 19 Prozent.

Dabei spielt zum Beispiel eine Rolle, ob Arbeitnehmer in großen Städten oder Ballungsräumen lebt oder auf dem Land. Den Zahlen zufolge ist der Anteil an Geringverdienern auf dem Land höher als in der Stadt. Besonders ausgeprägt ist der untere Entgeltbereich den Angaben nach in Branchen wie dem Gastgewerbe, der Leiharbeit oder der Land- und Forstwirtschaft.

Ein junger Baum wird ein eingepflanzt
Viele Menschen in der Forstwirtschaft gehören zu den Geringverdienern. Bildrechte: imago/blickwinkel

Frauen verdienen weniger als Männer

Frauen verdienen laut Studie oft weniger als Männer. Unter den Frauen müssen bundesweit 25,4 Prozent mit einem niedrigen Monatseinkommen trotz Vollzeitarbeit auskommen, unter den Männern 15,4 Prozent. In Thüringen liegen die Werte bei 39,4 Prozent (Frauen) beziehungsweise 29,4 Prozent (Männer).

In die Studie gingen knapp 520.000 Thüringer ein, die Vollzeit arbeiten. Auszubildende, Beamte oder Selbständige fielen nicht in die Untersuchungsgruppe.

Quelle: MDR (fno)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Januar 2022 | 08:00 Uhr

87 Kommentare

Suedvorstadt vor 25 Wochen

Laut Grundsatzprogramm will die AfD den Mindestlohn beibehalten, aber nicht auf 12 Euro pro Stunde erhöhen (wie SPD und Grüne das in ihren Programmen stehen haben). Sie sind also scheinbar nicht ganz korrekt informiert über die Forderungen der AfD.

JanoschausLE vor 25 Wochen

Harka, eine gute Freundin kämpft in ihrer Firma gerade darum das gleiche Geld, wie ihre männlichen Kollegen zu bekommen, die sie übrigens angelernt hat. Sie, als zu DDR-Zeiten ausgebildete Bauzeichnerin, macht sowas jetzt am PC für Möbel für Kunden, also sehr sehr nah an ihrem gelernten Beruf.
Die männlichen Kollegen kamen viel später als sie, einer aus dem Handwerk, der zweite war Fachverkäufer. Der Unterschied beträgt immerhin über 200 €. Sieht gut aus, weil sie von den Chefs als Fachkraft angesehen und unbedingt gebraucht wird. Ansonsten würde man schnell was "finden" wollen um "ciao bella" zu sagen.
Die Firma darf ich hier nicht veröffentlichen, das würde der mdr auch nicht freischalten. Das dürfte Ihnen bewusst sein.

Suedvorstadt vor 25 Wochen

Hallo ralf meier,
danke für die Erläuterungen.
Ich habe in Kommentaren weiter unten schon meine Sicht auf die Inflation beschrieben. Die Inflation selbst ist kein Problem, sondern die Diskrepanz zwischen Teuerung (hoch) und Lohnsteigerungen (niedrig). Ärmer werden die Menschen nur, wenn die Lohnsteigerungen nicht mit der Inflation mithalten. Deshalb kann man versuchen, a) die Inflation zu senken, oder b) die Löhne anzuheben. Version a) würgt in der Regel die Wirtschaftskraft ab, weil Geld zu teuer wird und Firmen nicht mehr investieren. Deshalb ist Version b) zu bevorzugen: durch steigende Löhne, vor allem an unteren Ende der Skala, steigt die Kaufkraft der Bevölkerung und die Wirtschaftsleistung steigt ebenfalls (durch höhere Einnahmen). Außerdem wird der Wohlstand durch höhere Löhne zu denen umverteilt, die ihn hart erarbeiten.

Eine hohe Inflation in Kombination mit einer noch stärkeren Anhebung der Löhne sorgt also für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands.

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