Ausbildung Land übernimmt Schulgeld an freien Schulen für Gesundheitsfachberufe

Während Handwerker und Bürofachleute bereits in ihrer Ausbildung Geld verdienen, müssen viele Schüler, die einen Gesundheitsberuf lernen, draufzahlen. Mehr als die Hälfte aller Thüringer Auszubildenden in der Gesundheitsbranche sind in einer Freien Schule eingeschrieben und die verlangen Geld. Zumindest bis jetzt.

Ergotherapeuten, Podologen oder Logopäden. Sie alle haben für ihre Ausbildung zahlen müssen und tun es zum Teil immer noch. Nicht selten sind weit mehr als 100 Euro im Monat fällig. Viel Geld für junge Menschen, die naturgemäß etliche Bedürfnisse haben, sich gern ein erstes Auto oder eine erste eigene Wohnung leisten wollen.

60 Prozent der Azubis lernen an Freien Schulen

Mehr als 1.000 Azubis in Thüringen lernen einen Gesundheitsberuf in einer der vielen Freien Schulen. Das sind rund 60 Prozent aller Auszubildenden in der Branche. Der Bund hat ihnen große Versprechungen gemacht. Im Koalitionsvertrag von 2018 steht schwarz auf weiß geschrieben: Das Schuldgeld, es wird abgeschafft. "Wir schaffen eine flächendeckend gute Gesundheitsversorgung: Mehr Investitionen in Krankenhäuser. Mehr Medizinstudienplätze und Landarztquote. Abschaffung Schulgeld für alle Gesundheitsberufe."

Eine Pflegerin betreut einen älteren Mann
Der Bedarf an Pflegepersonal wächst stetig. Doch eine Ausbildung kostet Geld - oft auch für die Azubis selbst. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Man wollte dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Nun aber ist die Legislatur bald zu Ende. Im September wird ein neuer Bundestag gewählt und passiert ist auf Bundesebene lange nichts. Einige Bundesländer haben ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Nordrhein-Westfalen und Bayern zum Beispiel haben das Schulgeld in Gesundheitsberufen abgeschafft. Auch Thüringen steuert nach.

Land zahlt Pauschale für Schulgeld

Der Landtag hat sich in den vergangenen Wochen mehrfach mit dem Thema beschäftigt. Und im Juni dann die Entscheidung: Der Freistaat gibt im laufenden Haushaltsjahr mehr als eine Million Euro aus, um die Freien Schulen weiter zu unterstützen. "Wir übernehmen pauschal das Schulgeld im Umfang von 180 Euro durchschnittlich für die Gesundheitsfachberufe", sagt der Vorsitzende des Bildungsausschusses, Torsten Wolf (Linke). Es ist ein Pauschalmodell und keine Garantie, dass kein Schulgeld mehr erhoben wird. "Es ist durchaus möglich, dass manche Schulen noch Gebühren erheben. Nicht allen wird der Zuschuss reichen."

Schulen kürzen oder streichen das Schulgeld

In der Praxis aber gibt es positive Nachrichten für die Schüler. Einer MDR THÜRINGEN-Umfrage zufolge, reichen fast alle Schulen den Zuschuss mit Schuljahresbeginn weiter. Fresenius und das DEB Weimar kürzen ihr Schuldgeld. Die GOBI in Gotha verlangt gar keine Gebühren mehr. Und das bringt vielleicht den Einen oder die Andere doch dazu, einen Gesundheitsberuf zu lernen. Denn Nachwuchs wird dringend gebraucht. Großer Wunsch der Landesregierung bleibt aber eine einheitliche Lösung auf Bundesebene, so Ausschusschef Torsten Wolf.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 30. August 2021 | 08:00 Uhr

13 Kommentare

Eulenspiegel vor 50 Wochen

Also ich denke mal das ursprüngliche Konzept war doch mal öffentliche Schulen sind Kostenfrei und private Schulen kosten Schulgeld. Aber das ist lange her. Damals war es ein Fortschritt das es überhaupt Schulen gab die jeder besuchen konnte. Meisterschulen kosten meines Wissens auch noch Schulgeld.
So begrüßenswert diese Endscheidung auch ist, und man Fragt sich erst jetzt. Diese Endscheidung schafft doch nicht einen zusätzlichen Ausbildungsplatz.
Warum also die Aufregung? Diese Schulen stehen doch sowieso allen offen, Auch die ohne Deutsch Staatsbürgerschaft.

ule vor 50 Wochen

@martin

und alles auf Kosten der Auszubildenden ! ?

Und jetzt wundern sich die Politiker, warum der Wähler sich zunehmend den "falschen" Parteien zuwendet.

martin vor 50 Wochen

Vielleicht weil die Fraktionen der Bundesregierung dies im Koalitionsvertrag vereinbart hatten? Weshalb soll das Land Steuergelder für etwas ausgeben, was der Bund übernehmen will? Und jetzt wo klar ist, dass der Bund nicht liefert und (Dank Wahl, neuen Verhandlungen etc.) zumindest auch in Bälde nicht liefern wird, hat die Landesregierung reagiert.

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