Corona-Pandemie Bildungsgewerkschaft GEW rechnet mit Wechselunterricht in Thüringen im Herbst

Die Bildungsgewerkschaft GEW geht davon aus, dass es im Herbst wegen steigender Corona-Infektionszahlen Wechselunterricht an Thüringer Schulen geben wird. Zu Schuljahresbeginn fordert die GEW Test- und Maskenpflicht.

Ein Mund- und Nasenschutz liegt in einer Grundschule auf einer Federmappe
Das Thüringer Bildungsministerium plant derzeit keine generelle Maskenpflicht im Unterricht für das neue Schuljahr. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Schüler, Eltern und Lehrer in Thüringen müssen sich nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) darauf einstellen, dass es im Herbst wieder Wechselunterricht gibt. Die GEW-Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum sagte am Mittwoch in Erfurt, wegen der Corona-Pandemie werde es wahrscheinlich zumindest phasenweise an manchen Schulen zu einer Abkehr vom Präsenzunterricht kommen.

Die Schulen bräuchten Konzepte, welche Klassenstufen zuerst in den Wechselunterricht geschickt werden sollten, "damit eine Schule, wenn es so weit ist, auch in dieses Modell umsteigen kann".

GEW fordert Maskenpflicht für alle Schüler und Lehrer

Die GEW Thüringen plädiert dafür, schon dann zum Wechselunterricht überzugehen, wenn in einer Region der Corona-Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten ist. Die zuletzt angewandte "Bundesnotbremse", auf die sich Bund und Länder geeinigt hatten, sah Wechselunterricht bei einer Inzidenz zwischen 100 und 165 vor. Die GEW verweist darauf, dass das Robert Koch-Institut (RKI) Wechselunterricht bereits bei Überschreiten der 50-er Inzidenz empfiehlt. Von einer politischen Debatte, ob dieser Grenzwerte weiterhin gelten solle, hält die Gewerkschaft laut Vitzthum nichts: "Da vertrauen wir auf die Empfehlung des RKI."

Die Orientierung am Inzidenzwert als Indikator für Schließungen und Öffnungen ist politisch umstritten. So hatte das Thüringer Gesundheitsministerium erst am Dienstag erklärt, es werde künftig auch andere Faktoren heranziehen, um die Corona-Lage zu beurteilen. Der Verband kinderreicher Familien Thüringen hatte bereits vor einigen Tagen erklärt, er halte die Schließung ganzer Klassen und Einrichtungen und Wechselunterricht über Wochen und Monate nicht mehr für notwendig.

Gleichzeitig erneuerte die GEW-Landesvorsitzende die Forderung, in den ersten zwei Wochen des neuen Schuljahres eine Testpflicht für alle Schüler und Lehrer sowie eine umfassende Maskenpflicht - auch im Unterricht - vorzuschreiben. Nach den Sommerferien sei die Gefahr groß, dass Menschen aus ihrem Urlaub das Coronavirus mitbringen und Schulen damit ohne Test- und Maskenpflicht zu Infektionsherden werden.

Belastungen im vergangenen Schuljahr enorm

Aus dem Bildungsministerium hieß es dagegen, derzeit sei für das neue Schuljahr keine generelle Maskenpflicht im Unterricht geplant. "Bislang vorgesehen ist, dass an den Grundzügen des vorbeugenden Infektionsschutzes in der Phase Grün nichts Wesentliches geändert wird", sagte ein Sprecher.

Dieser bedeutet eine Maskenpflicht im Schulgebäude und im Schülerverkehr. Die Maskenpflicht im Unterricht könnte nach diesen Plänen in Fällen aufgetretener Infektionen an Schulen durch die Schulleitung angeordnet werden.

Mit Blick auf das zurückliegende Schuljahr zog Vitzthum eine bittere Bilanz: "Gut, dass dieses Schuljahr zu Ende geht, eine Pause haben wirklich alle nötig." Zwar sei es kein verlorenes Schuljahr, aber die Belastungen für die Schüler, Eltern und alle, die an der Schule arbeiteten, enorm gewesen. Unter anderem die Lehrer hätten darunter gelitten, dass viele Corona-Regeln nur sehr kurzfristig vom Bildungsministerium kommuniziert worden seien.

Zu wenige Schulen an Breitbandnetz angeschlossen

Bei den Vorbereitungen für das neue Schuljahr, das Anfang September beginnt, laufe zwar manches besser als im Sommer 2020, konstatierte die Gewerkschafterin. So bewähre sich, dass es zu Bildungsfragen in der Pandemie seit Januar einen Runden Tisch gebe.

Allerdings gebe es nach wie vor zahlreiche Defizite, die den absehbaren Wechsel in den Wechsel- oder gar Distanzunterricht an manchen Schulen auch nach etwa eineinhalb Jahren Corona erschwerten.

So funktioniere bei der Digitalisierung zum Beispiel die Anschaffung von Tablets oder Notebooks für die Schulen, doch noch immer seien zu wenige Schulen an das Breitbandnetz angeschlossen, sagte Vitzthum. Infolgedessen sei es in der Regel unmöglich, den Unterricht aus einem Klassenzimmer während einer Phase des Wechselunterrichts zu Schülern nach Hause zu streamen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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