Finanzen Insolvenzverfahren gegen Greensill-Bank - Thüringen droht Verlust von 50 Millionen Euro

Das Amtsgericht Bremen hat ein Insolvenzverfahren gegen die geschlossene Greensill-Bank eröffnet. Das Land Thüringen hat bei der Pleite-Bank 50 Millionen Euro angelegt - verzichtet aber vorerst auf eine Regress-Klage.

Im Zusammenhang mit der Pleite der Greensill-Bank verzichtet Thüringen vorerst auf eine Regress-Klage gegen den Bund. Das Land wolle sich zunächst umfassend beraten lassen und die Eröffnung des Insolvenzverfahrens abwarten, sagte Finanzministerin Heike Taubert (SPD) am Dienstag in Erfurt. Das Land hat bei der Bank 50 Millionen Euro angelegt.

Jeweils am 4. und am 10. März wären laut Taubert Zahlungen aus den Anlagen an das Land Thüringen fällig gewesen. Diese Termine liegen zwischen dem Moratorium der Finanzaufsichtsbehörde Bafin gegen die Bank und der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Aus Sicht des Finanzministeriums hat Thüringen deshalb möglicherweise bessere Chancen, seine angelegten Gelder zurückzubekommen.

Zahlreiche Kommunen betroffen

Inzwischen hat das Amtsgericht Bremen ein Insolvenzverfahren gegen die Bank eröffnet. Auf Antrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) sei ein Verfahren "über das Vermögen der Insolvenzschuldnerin eröffnet" worden, teilte das Gericht am Dienstagnachmittag mit. Die Vermögenswerte werden auf 4,5 Milliarden Euro geschätzt.

Bundesweit haben rund 50 Kommunen Regress-Klagen gegen den Bund angestrengt, darunter auch der Landkreis Eichsfeld und die Stadt Brotterode-Trusetal, die bei der Bank Geld angelegt haben. Die Kläger werfen der Bafin vor, zu spät auf die Schieflage regiert zu haben.

Greensill-Bank seit 3. März geschlossen

Die Greensill-Bank ist ein deutscher Ableger des gleichnamigen britischen Finanzinstituts, das in Schieflage geraten ist und mittlerweile unter Insolvenzverwaltung steht. Die Bafin hatte die Greensill-Bank am 3. März für den Kundenverkehr geschlossen und Strafanzeige gestellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Bank. Dem Vernehmen nach geht es um den Vorwurf der Bilanzfälschung. Einlagen von Privatkunden sind bis 100.000 Euro abgesichert.

Die Bank hatte vergleichsweise hohe Zinsen für Geldanlagen angeboten. Auch viele deutsche Kommunen legten dort an. Per Gesetz sind derlei Geldanlagen von Kommunen, Kreisen und Bundesländern zulässig. Damit sollen Negativzinsen vermieden werden. Ihre Einlagen sind allerdings nicht abgesichert. Wegen der Schließung der Bremer Greensill-Bank durch die Finanzaufsicht könnten rund 50 deutsche Kommunen insgesamt eine halbe Milliarde Euro verlieren.

Welche Kommunen und welches Land Geld bei der Greensill-Bank angelegt haben (Auszug)
Kommune/Land Betrag
Freistaat Thüringen 50 Mio Euro
Monheim (Nordrhein-Westfalen) 38 Mio Euro
Eschborn (Hessen) 35 Mio Euro
Wiesbaden (Hessen) 20 Mio Euro
Schwalbach (Hessen) 19 Mio Euro
Mitteldithmarschen (Schleswig-Holstein) 17 Mio Euro
Weissach (Baden-Württemberg) 16 Mio Euro
Köln (Nordrhein-Westfalen) 15 Mio Euro
Osnabrück (Niedersachsen) 14 Mio Euro
Nordenham (Niedersachsen) 13,5 Mio Euro
Bötzingen (Baden-Württemberg) 13,2 Mio Euro
Gießen (Hessen) 10 Mio Euro
Garbsen (Niedersachsen) 8,5 Mio Euro
Emmerich (Nordrhein-Westfalen) 6 Mio Euro
Vaterstetten (Bayern) 5,5 Mio Euro
Erzgebirgskreis (Sachsen) 5 Mio Euro
Pöcking (Bayern) 5 Mio Euro
Kreis Eichsfeld (Thüringen) 2 Mio Euro
Brotterode-Trusetal (Thüringen) 0,5 Mio Euro

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. März 2021 | 16:00 Uhr

33 Kommentare

Breakpoint vor 7 Wochen

@Tpass --- Natürlich ist das "Liquiditätsmanagement" des Thüringer Finanzministeriums bezüglich der 50 Mio Euro zu hinterfragen. Da wird sicher erklärt, dass Termingeldanlagen bei einer deutschen Bank mit A-Rating normalerweise unbedenklich sind. --- Das haben auch die erfahrenen Kämmerer von ca. 30 Kommunen so gesehen, die Einlagen in Höhe von insgesamt ca. 280 Mio Euro tätigten. --- Tja, und sogar die verstaatlichte Hypo Real Estate (Sie erinnern sich?), wo sich hoch bezahlte Finanzprofis tummeln, hat 75 Mio Euro bei der Bremer Greensill Bank angelegt. --- Ich bleibe dabei, dass die BaFin viel zu spät aktiv geworden ist. --- Auf das nun anstehende juristische Gezerre darf man gespannt sein. 😎

ule vor 7 Wochen

Die Krise 2009 wurde niemals wirklich besiegt bzw. überstanden - es wurde lediglich ein neues Zeitalter im Umgang mit Geld eingeläutet.

Um den Schaden von der Politik abzuwenden, wurde dem Verbraucher Sand in die Augen gestreut. So wurde ein neues Gesetz (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz–BilMoG) eingeführt, welches einen erheblichen Einfluß auf den Finanz-und Kapitalmarkt hatte.
Die Pflicht zur Bildung von Rückstellungen für Leistungssicherung in der Zukunft, so bei Rentenkassen, Versicherungen und Banken, wurde vorübergehend ausgesetzt.

So glaubte man, dass das freiwerdende Volks-Vermögen den Wirtschaftskreislauf beleben könnte - stattdessen wurde lediglich an der Kostenspirale wirtschaftlicher Produktion gedreht.
Pseudowirtschaft im Namen der Klimarettung wurde generiert.
> Die Wertschöpfung wurde verteuert <
Das Bruttosozialprodukt wurde so künstlich gepusht.

Diese Strategie zur Sicherung des globalen Kapitalmarkts ist nun mit Corona auch ins Straucheln geraten.

ElBuffo vor 7 Wochen

Bis jetzt ist das Geld für Thüringen weg. Höchstgradig unsicher ist, wieviel davon irgendwann zurückgezahlt wird, wenn Kosten für Insolvenzverwalter und Anwälte abgezogen sind

Mehr aus Thüringen