Bundestagswahl Kanzlerkandidatin Baerbock: Wie Thüringer Politiker die Entscheidung der Grünen bewerten

Die Kanzler-Kandidatur der Grünen-Politikerin Annalena Baerbock stößt in Thüringen auf unterschiedliche Reaktionen. Während Vertreter ihrer eigenen Partei die Entscheidung begrüßten, äußerten sich CDU und Wirtschaftsverband zurückhaltend. Aus der Linken kam das Angebot zu einer Zusammenarbeit im Bund.

Die designierte Thüringer Grünen-Spitzenkandidatin Anja Siegesmund hält Grünen-Co-Vorsitzende Annalena Baerbock für die richtige Kanzlerkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl. "Ich freue mich, dass die Wahl auf Annalena Baerbock gefallen ist, weil sie nicht nur sehr klug und willensstark ist, sondern auch absolut dialogfähig", sagte Siegesmund am Montag. "Annalena Baerbock ist schon viele Jahre im Osten unterwegs, sie kennt die Situation im ländlichen Raum und sie weiß, was es heißt, einen Beruf und Kinder zu haben", sagte Siegesmund. Es gehe in Zukunft vor allem um Lösungen für die Klimafrage und um den sozialen Zusammenhalt.

Grüne werten Kanzlerkandidatur ist Aufbuchssignal

Auch der Landesvorsitzende der Thüringer Grünen, Bernhard Stengele begrüßt die Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock. Er sagte MDR THÜRINGEN, sie stünde noch stärker als Robert Habeck für einen Aufbruch und einen Politikwechsel. Sie sei jung, habe gekämpft und ihre Art, Politik anzugehen, finde Zuspruch in der Partei. Sie bringe mit ihrer hohen Intelligenz und Kompetenz ganz viel mit. Ihre mangelnde Regierungserfahrung sieht er nicht als Nachteil. Viele, die diese Erfahrung hätten, würden ihrer Regierungsverantwortung nicht gut gerecht werden. Aus einer "kleinen Distanz" da heranzugehen, sei da eher ein Vorteil, so Stengele.

Bernhard Stengele, Landessprecher Grüne Thüringen
Der Landessprecher der Grünen in Thüringen, Bernhard Stengele (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Zurückhaltung bei CDU, FDP und Wirtschaftsverband

CDU-Landeschef Christian Hirte sagte MDR THÜRINGEN, er gratuliere Baerbock für die geräuschlose Nominierung. Er freue sich auf einen Wettstreit um die beste Politik. Die Union stehe etwa für Technologieoffenheit statt Verbote, für Geschlechtergerechtigkeit statt Genderschwurbelei und für Nachhaltigkeit und soziale Marktwirtschaft statt für Begrenzung von Wachstum und Wohlstand.

Zurückhaltend reagierte auch Ute Zacharias vom Verband der Wirtschaft Thüringens. Die Wirtschaft stelle sich ihrer Verantwortung für den Klimaschutz. Allerdings müsse ökologisches Handeln auch finanzierbar sein. Laut ihrem Parteiprogramm planten die Grünen, in die unternehmerische Freiheit einzugreifen und die Wirtschaft zu regulieren. Dazu zählen laut Zacharias etwa die Ziele, eine Wahlarbeitszeit zwischen 30 und 40 Wochenstunden oder ein Rückkehrrecht in Vollzeit auch für kleine Firmen einzuführen. Was davon am Ende in Politik umgesetzt werde, müssten die Koalitionsverhandlungen zeigen, sagte Zacharias MDR THÜRINGEN.

FDP-Chef Thomas Kemmerich geht davon aus, dass die Wähler sowohl von der Führungserfahrung Baerbocks als auch vom Wahlprogramm der Grünen enttäuscht sein werden.

Dittes: Rot-Rot-Grün im Bund möglich

Linke-Landeschef Steffen Dittes hält es nicht für entscheidend, dass Annalena Baerbock die Grünen in den Bundestagswahlkampf führt. Entscheidend sei vielmehr die Frage, wie die Grünen zur Kanzlerschaft kommten wollten und ob sie für einen Politikwechsel mit Rot-Rot-Grün auf Bundesebene bereit seien, sagte Dittes MDR THÜRINGEN. Wenn die Grünen mehr für soziale Gerechtigkeit und Demokratie tun wollten, wäre Rot-Rot-Grün die bessere Alternative.

SPD-Landeschef begrüßt Kandidatur

SPD-Landeschef Georg Maier begrüßte die Kanzler-Kandidatur von Baerbock. Maier sagte MDR THÜRINGEN, Baerbock sei Realpolitikerin. Es gebe dadurch Anknüpfungspunkte für eine gute Zusammenarbeit von SPD und Grünen im Bund. Beide Parteien hätten große Schnittmengen. Welche Parteien konkret zusammenarbeiten könnten, ließ Maier offen. Er glaube nicht, dass mit der Kandidatur von Baerbock eine Vorentscheidung für eine Koalitionsvariante gefallen sei. Man müsse sehen, wie der Wahlkampf sich entwickle, so der SPD-Landeschef. Es seien verschiedene Konstellationen im Bund möglich.

Thüringens Innenminister Georg Maier.
Thüringens SPD-Chef Maier (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Nach Ansicht von Maier fehlt es Baerbock an Regierungserfahrung. Auch thematisch sei sie nicht breit aufgestellt. Dass die SPD mit ihrem männlichen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz prinzipiell gegenüber einer Frau im Nachteil ist, schließt Maier aus. Am Ende gehe es darum, ein Land gut zu regieren. Und da seien andere Faktoren entscheidend als die Frage, ob ein Kandidat männlich oder weiblich sei.

AfD-Sprecher: "Kommunikative Spitzenleistung"

Für AfD-Landessprecher Torben Braga war die Kandidatur Baerbocks Anlass für Kritik an der eigenen Parteiführung. Braga twitterte, die AfD-Spitze konzentriere sich auf Häme für Baerbock, verkenne dabei aber offenbar, dass Bundestagswahlen immer mehr zu Personenwahlen würden. Die Grünen lieferten hier eine - so wörtlich - kommunikative Spitzenleistung. Derweil würden die Wahl eines eigenen AfD-Spitzenkandidaten verzögert und Personen beschädigt. Das sei verantwortungslos, so Braga.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. April 2021 | 14:00 Uhr

139 Kommentare

Dietmar vor 3 Wochen

Ule von Baerbock zu Bitcoin - na wenigstens passen die Anfangsbuchstaben zueinander... Ansonsten ist Ihr Beitrag soweit vom Thema weg, wie die von Ihnen herbeigewünschte Besteuerung der Luft.

ule vor 3 Wochen

Es bedarf keiner Farbenkennung, wenn einen Bezug zu seiner Heimat und dem Geschaffenen hegt.

Es ist nun mal Fakt, dass wer die Welt retten will, zunächst erlernen sollte, sich selbst und seine Heimat zu retten. Ich kann nicht, wenn ich vom Geld der anderen lebe, über deren Denke bestimmen.
Ich habe selbst zwei Kinder und weiss wovon ich rede.

Meine Sorge gilt daher, dass die GRÜNEN heute die Welt retten und deren Kinder dann aus Ermangelung an Themen, den Mond retten wollen. So bleibt für die Urenkel dann nur noch, den Mars retten zu wollen und alle anderen Themen auf der Erde haben sich diesem hehren Ziel dann unterzuordnen.

AlexLeipzig vor 3 Wochen

Ihre Kritik am Bitcoin teile ich, Ihre Aussage "Darüber hinaus kommt dieser "Wirtschaftsbereich" CO2-neutral daher. (also klassisch GRÜN)" schätze ich jedoch als falsch ein. "Klassisch grün" ist in meinen Augen eher biologische Landwirtschaft (als EIN Beispiel!). Darüber hinaus schätze ich den politischen Willen der Grünen eher als gesellschaftlich einend ein, womit wir den Bogen zu Frau Baerbock wieder finden: Ökologie + Wirtschaft VEREINEN!

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