Thüringen Cyber-Angriff auf Funke-Gruppe: TA, TLZ und OTZ als Notausgabe publiziert

Aufgrund eines Hackerangriffs auf die Funke-Mediengruppe sind am Mittwoch Notausgaben der betroffenen Tageszeitungen erschienen. Zu Funke gehören in Thüringen TA, TLZ und OTZ. Eine IT-Taskforce arbeitet daran, die Störung zu beheben. Die Polizei ermittelt zu den Tätern.

Zwei Zeitungen liegen nebeneinander.
Auf den Titelseiten der Mittwochsausgabe wird auf den Hackerangriff hingewiesen. Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder

Die Tageszeitungen Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung sind am Mittwoch in ungewohnt dünner Ausgabe erschienen - ohne Lokalteil. Der Grund: Die Funke-Mediengruppe, zu der die drei Titel gehören, wurde am Dienstag nach eigenen Angaben Opfer eines Hackerangriffs.

Dieser dauert nach Angaben eines Unternehmenssprechers an. Noch immer seien mehrere Systeme bundesweit nicht einsatzbereit, sagte er am Mittwoch.

Die Mediengruppe hat nach eigenen Angaben eine Taskforce mit internen sowie externen IT- und Forensik-Experten eingesetzt, "die aktuell eine gründliche Untersuchung des Vorfalls vornehmen". "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die IT-Störung schnellstmöglich wieder zu beheben", sagte der Funke-Sprecher.

Online-Angebote der Thüringer Zeitungen erreichbar

Die Mitarbeiter der drei Thüringer Titel hatten aufgrund der technischen Hindernisse eine Notausgabe für diesen Mittwoch erstellt. Trotz der Cyber-Attacke sind die Online-Angebote der Mediengruppe Thüringen - TA, TLZ, OTZ und Thüringen24 - weiterhin erreichbar. Auf den Nachrichtenportalen hieß es am Dienstag: "Damit alle unsere Leserinnen und Leser weiterhin gut informiert bleiben, haben wir unsere Paywalls deaktiviert und unsere E-Paper freigestellt."

Blick auf einen Gebäude-Komplex
Der Standort der Mediengruppe Thüringen in Erfurt-Bindersleben. (Archivbild) Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Polizei ermittelt zum Hackerangriff

Am Hauptstandort der Funke-Gruppe in Essen nahm die Polizei am Dienstag die Ermittlungen zu dem Hackerangriff auf - mit Spezialisten des Landeskriminalamts. Bei der Staatsanwaltschaft habe die Zentrale- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) das Verfahren übernommen, teile ein Sprecher mit.

Wann genau der Hackerangriff passierte, war zunächst unklar. Quasi über Nacht seien technische Probleme aufgetreten und hätten sich sehr unterschiedlich ausgewirkt. Zwischenzeitlich konnten die Mitarbeiter nicht einmal telefonieren, weil auch das Telefonsystem internetbasiert funktioniert. Laut ZAC wurden Systeme von außen verschlüsselt.

Hacker fordern offenbar Lösegeld

Nach Informationen von MDR THÜRINGEN haben die mutmaßlichen Täter mit spezieller Software Daten auf den Computern der Funke-Mediengruppe verschlüsselt und diese damit unbrauchbar gemacht. Nun fordern sie offenbar Lösegeld von dem Verlag, damit sie die verschlüsselte Daten freigeben.

Einen ähnlichen Fall mit sogenannter "Ransomware" hatte es im September an der Uniklinik Düsseldorf gegeben. Damals hatten Unbekannte zahlreiche Server verschlüsselt und ein Erpresserschreiben hinterlassen. Nachdem den Hackern klar gemacht wurde, dass sie ein Krankenhaus attackiert hatten, schickten sie einen digitalen Schlüssel und die System konnten wieder entsperrt werden.

FDP fordert besseren Schutz vor Cyber-Kriminalität

Die FDP-Fraktion im Thüringer Landtag verweist hinsichtlich des Angriffs auf die Sicherheitsrisiken moderner Kommunikationstechnik. Der Schutz der Wirtschaft vor Internet-Angriffen müsse per Gesetz als eine der Aufgaben des Thüringer Verfassungsschutzes verankert werden.

"Rot-Rot-Grün sowie die CDU sind schlecht beraten, wenn sie dieses Gesetzesvorhaben weiterhin blockieren", teilte der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Dirk Bergner, mit. "Der Angriff auf die für das Funktionieren der Demokratie so wichtigen Medien sollte sie eines Besseren belehren." Die FDP werde den Schutz vor Cyber-Kriminellen erneut im Landtag thematisieren.

Zu den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gehören neben TA, TLZ und OTZ unter anderem auch Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt und Westdeutsche Allgemeine Zeitung.

Quelle: MDR THÜRINGEN/the/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 22. Dezember 2020 | 11:00 Uhr

33 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 39 Wochen

Werbung geht immer auf Zeitungsseiten und bunte Bilder von maskierten Menschen.
Nachrichtenmäßig ist so eine Denkpause für die Mediengruppe bestimmt nicht schlecht.

Nico Walter vor 39 Wochen

Na das ist ja mal ein Logik! Mit dem selbem Argument könnte man die Abschaffung von Eisenbahn und Binnenwasserstraßen fordern weil es einfach zu teuer wäre, mehrere Netze parallel zu betreiben. Würde das jemand tun? Natürlich nicht, den sie dienen unterschiedlichen Zwecken, genau wie Telefon und Internet! Ein Telefonat setzt ein echtzeitfähiges Netz voraus. Dafür ist das Internet aber nie gebaut worden und prinzipbedingt auch gar nicht in der Lage. Daran wird auch G5 nichts ändern, den hinter der Basisstation hängt auch nur ein IP-Netz. Das könnte jemand, der von sich behauptet, sich technisch in die Materie hineingedacht zu haben, aber eigentlich wissen.

Übrigens leisten wir uns durchaus mehrere Netze. Schließlich betreibt ja, wie der Name schon sagt, jeder Netzbetreiber sein eigenes. Man könnte argumentieren, dass wenigsten das zur Redundanz beiträgt, tut es aus technischer Sicht aber leider nur sehr schlecht.

martin vor 39 Wochen

@mediator: Nicht jede Meinung, die von Ihrer abweicht, basiert auf unzureichender Kenntnis.

Mit Blick auf Stabilität ist ISDN dem konvergierten IP-Netz deutlich überlegen - da ist der Beitrag von "steffen" durchaus zutreffend. Er plädierte ja auch nicht für die "guten alten Drehwähler". Wenn im Backbone zwei unterschiedliche Techniken im Einsatz sind, ist eine Redundanz schon mal vorhanden. Je mehr Komplexität in ein System hineingenommen wird, desto größer wird sowohl das Ausfallrisiko wie auch die Schadensauswirkung.

Darüber hinaus geht es auch nicht darum sechs Mobilfunknetze parallel zu betreiben, sondern um die Konvergenz auf EIN System.

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