Cybercrime Hacker-Angriffe auf Firmen in Thüringen nehmen zu

Das Landeskriminalamt registriert einen Anstieg von Hacker-Angriffen in Thüringen. Schadprogramme können ganze Computersysteme und sogar Produktionsanlagen lahmlegen. Nicht alle betroffenen Unternehmen informieren die Polizei.

Hände an einer Tastatur
Internet-Kriminelle versuchen auf verschiedenen Wegen, Geld von Firmen zu erpressen. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

In Thüringen werden Firmen immer häufiger Opfer von Hacker-Angriffen. Die registrierten Attacken auf Firmen-Server oder Firmen-Netzwerke hätten 2020 im Vergleich zum Vorjahr um knapp zehn Prozent zugenommen, sagte der Ermittlungsgruppenleiter Cybercrime im Landeskriminalamt, Maik Vonhof, gegenüber MDR THÜRINGEN.

Die Angriffe richteten sich demnach vor allem gegen umsatzstarke Unternehmen. Phishing-Mails oder manipulierte Websites seien die häufigsten Einfallstore für Schadprogramme, die ganze Computersysteme, Server und sogar Produktionsanlagen lahmlegen können.

Schwere Cybercrime-Fälle in Erfurt

Insgesamt schätzen die Ermittler die Zahl der Fälle in Thüringen auf 25 bis 50. Genaue Zahlen gibt es laut LKA nicht, da die Anzeigen und Ermittlungen unter verschiedenen Straftatkategorien erfasst sind. Prominentester Fall war die Attacke auf den Erfurter Chip-Hersteller X-Fab vor einem Jahr: Für mehrere Tage mussten die Systeme heruntergefahren und die Produktion weltweit gestoppt werden. Auch ein Cyber-Angriff auf auf die Mediengruppe Thüringen sorgte Ende 2020 bundesweit für Aufmerksamkeit.

LKA vermutet hohe Dunkelziffer

Kriminelle gehen laut LKA immer häufiger dazu über, die Unternehmen gleich doppelt zu erpressen. Einmal, indem sie drohen, gekaperte Datensätze zu veröffentlichen. Zum anderen, indem sie die Programme verschlüsseln und für die Entschlüsselung Lösegeld verlangen.

Die Dunkelziffer ist dabei laut Landeskriminalamt hoch. Studien zufolge scheuen 80 bis 90 Prozent der Betroffenen den Gang zur Polizei. Zudem würden oftmals Daten abgegriffen, ohne dass es den Unternehmen bewusst sei, ergänzt Steffen Schulze, Abteilungsleiter der IHK Erfurt.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Do 06.05.2021 19:00Uhr 02:06 min

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Rat an Hacking-Opfer: Keine Panik

Thomas Uhlmann von der Jenaer Softwarefirma ESET, die Sicherheitslösungen für Unternehmen anbietet, rät Opfern von Hackerangriffen, sich nicht in Panik versetzen zu lassen: "Die Lösegeldzahlung sollte wirklich der allerallerletzte Schritt sein und selbst da gibt es nie eine Garantie, dass tatsächlich alle Daten wiederhergestellt werden."

Grundsätzlich sei der Gang zur Polizei immer die richtige Entscheidung - auch wenn die Aufklärungsquote im Bereich Cybercrime mit 36 Prozent unterdurchschnittlich niedrig ist.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. Juli 2021 | 10:00 Uhr

1 Kommentar

part vor 14 Wochen

Was die Schweden betrifft: Wer das Bargeld faktisch schon abgeschafft hat und Barrieren errichtet, statt die Gesellschaft barrierefrei zu gestalten, der bekommt von mir kein Mitleid, auch wenn es nur eine Handelskette ist. Ältere und behinderte Menschen sollen sich gefälligst mit all den digitalen Bezahlsystemen auskennen., geht gar nicht. Geiz ist Geil und manche Betriebssysteme und deren Versionen sind noch geiler für die Versuchung hier nicht nur Wirtschaftsspionage zu betreiben, sondern auch gleich Sabotage mitsamt Erpressung. Wer die Haustür offen lässt oder nur ein einfaches Schloss installiert hat, bei Goldtellern im Fenster muss sich nicht wundern, wenn er Begehrlichkeiten weckt.

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Jenny Scherf ist eine Pfarrerin ohne Kirche. Ihre Gemeinde sind die Menschen, die sie in den sozialen Medien trifft.

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