Energie zum Heizen Heizen mit Strom anstatt Gas: Teag erwartet keine Überlastung ihres Stromnetzes

Wenn viele Thüringer beim Heizen von Gas auf Strom wechseln, droht dann eine Überlastung des Stromnetzes und im schlimmsten Fall der Black-Out? Die Teag gibt Entwarnung. Nur ein relativ geringer Teil der Stromabnehmer sei auf Gas angewiesen. Allerdings sind Heizlüfter und Öl-Radiatoren nicht ganz ungefährlich.

Thermostat am Heizkörper 2 min
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Die Thüringer Energie-AG hält eine mögliche Zusatz-Belastung ihres Stromnetzes im kommenden Winter durch häufiges Heizen mit Strom für beherrschbar. Wie der Leiter des Geschäftsbereiches Unternehmensentwicklung, Matthias Sturm, im Gespräch mit MDR THÜRINGEN sagte, habe die Netzgesellschaft der Teag, die Thüringer Energienetze GmbH (TEN), ihr Netz bereits unter diesem Gesichtspunkt analysiert. Dabei habe sich gezeigt, dass nur 30 Prozent der Stromabnehmer im TEN-Netz parallel auch einen Gasanschluss haben.

Von den restlichen Strom-Netzkunden hätten viele eine Ölheizung. Andere hätten bereits auf alternative Brennstoffe wie Pellets, Holz umgestellt. Sturm rechnet damit, dass im kommenden Winter auch viele Holzöfen und Kamine für Wärme in den Wohnräumen sorgen werden.

Schwachstellen im Netz werden rechtzeitig aufgespürt

Auf den Fall, dass an kühlen Tagen viele elektrische Heizgeräte gleichzeitig eingeschaltet würden, bereite sich die Netzgesellschaft gerade vor. Dafür nehme man die Dichte der Gas-Anschlüsse in den einzelnen Orten in den Blick. Im ländlich geprägten Netz der TEN sei die in der Regel nicht besonders hoch. Die Zahl der Orte, in denen besonders viele Strom-Netzkunden der TEN parallel mit Gas heizen, sei überschaubar. Derzeit werde dort geschaut, so Sturm, ob und ab wann eventuell Überlastungen auftreten können. Er rechne damit, dass hier nur an wenigen Stellen verstärkt werden muss.

Arbeiter auf Hebebühne an Stromversorgungsleitung. 8 min
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8 min

Dr. Matthias Sturm leitet die Unternehmensstrategie bei der Thüringer Energie AG. Im Interview erklärt er, warum die Stromnetze nicht in Gefahr sind, wenn wir statt mit Gas elektrisch heizen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio So 31.07.2022 09:54Uhr 07:36 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/audio-teag-interview-matthias-sturm-strom-statt-gas-100.html

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Teag hält Ortsnetze in der Fläche für fit

Grundsätzlich seien die Niederspannungs-Ortsnetze fit für eine Belastung durch mehr elektrische Heizgeräte, sagt Matthias Sturm. Die Bedenken des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) in Bezug auf eine zu hohe Netzbelastung durch elektrische Heizgeräte in kommenden Herbst und Winter teile er nicht. An anderen Stellen in Deutschland könne die Situation jedoch anders ein als im Netz der Teag.

Massenhaftes gleichzeitiges Einschalten als Problem

Der Leiter des Fachbereichs "Erzeugung und Speicherung elektrischer Energie" der Energietechnischen Gesellschaft im VDE, Martin Kleimaier, hatte im MDR davor gewarnt, beim Ausfall der Gasversorgung auf elektrische Heizgeräte umzusteigen. Wenn diese Geräte, die üblicherweise eine Leistung von 2.000 Watt hätten, massenhaft gleichzeitig eingeschaltet würden, seien die Netze darauf nicht vorbereitet. Lokal könne es dann zu Ausfällen kommen.

Außerdem befürchtet Kleimaier, dass die Leistung in der Stromerzeugung, die in Deutschland zur Verfügung steht, in einem solchen Fall nicht ausreicht. Wenn die Gaskraftwerke dann nicht mehr am Netz seien, könne es im schlimmsten Fall zu einem großflächigen Black-Out im Stromnetz kommen.

Mehrfachsteckdosenleiste, zum Anschluss von mehreren elektrischen Geräten
Elektrische Heizgeräte haben in der Regel eine Leistung von 2.000 Watt. Das kann eine erhebliche Belastung für das Hausnetz bedeuten. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Vor Betrieb von Elektro-Heizgeräten Steckdosen überprüfen

Die Teag empfiehlt den Abnehmern in ihrem Stromnetz, die auf das Heizen mit Elektroenergie zurückgreifen müssen, die Versorgungsleitungen im Haus und vor allem die Steckdosen prüfen zu lassen. Matthias Sturm sagte, ein Heizgerät mit 2.000 Watt im Dauerbetrieb sei eine entsprechende Belastung für die Hausanlage. Da mache es Sinn, die Kontakte in den Steckdosen nachzuziehen oder vom Elektriker nachziehen zu lassen, um die Belastungsfähigkeit des Hausnetzes zu verbessern.

MDR (log,ask)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 31. Juli 2022 | 18:05 Uhr

115 Kommentare

Wessi vor 8 Wochen

@ O.B. ... die "Milliarden" die d.Russe einnimmt, sind tw.ein Gerücht...Tatsache:gerade bei sehr vielen technischen Dingen,wirken d.Sanktionen durchaus.Tatsache auch, daß, so länger sie laufen, so wirksamer sie werden.Putin hat wohl nicht Getreideexporte ausverhandelt, weil er irgendein besonderes Interesse an der 3.Welt+deren Ernäherung hat...es ist ein erstes Nachgeben...denn umso länger im Westen Einigkeit herrscht,umso schwächer ist Russland.P. hat sich verzockt,weil er dachte,er könne in ein paar Tagen die Ukraine niederringen+der Westen sei sich eh' uneins.Es fehlen Gasltg. zu anderen Ländern,damit auch Profite.Wer in der Politik schürt Panik?(Lauterbach ist eine and.Sache...HIER no comment).Die Aussage "wir zerstören unsere Industrie",mit d.Hintergrund,daß diese hinter d.Regierung steht ist unrichtig.Der Satz mit "frieren"...Kaffeesatz!Putin sitzt nicht am "längeren Hebel",aber Politik ohne Kriegführung heisst Geduld zu haben!Demokratie gibts nicht umsonst!

martin vor 8 Wochen

Die Frage nach dem Sinn weiterer Windkraftanlagen ist hinreichend beantwortet. Wer das immer noch nicht verstanden hat / verstehen will, wird seine Weltsicht auch nicht durch einen Kommentarbeitrag hier verändern. Ich erlaube mir daher Ihre Frage als nicht ernst gemeint zu betrachten und nicht weiter darauf einzugehen.

martin vor 8 Wochen

@ob: "Der Russe" (schon allein dazu könnte ich einen Kommentar schreiben) nimmt nicht WEGEN der Sanktionen so viel Geld ein, sondern TROTZ der Sanktionen weiterhin.

Nicht zu Ende gedacht wurde meiner Meinung nach 2014 und dazu wurden die (wie sich jetzt herausgestellt hat: berechtigten) Warnungen ignoriert, und fröhlich die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen weiter voran getrieben. Trotzdem ist es auch falsch, dass angeblich der Westen den armen Putin zu erpressen versucht. Aber das Muster der Täter-Opfer-Umkehr ist in diesen Zeiten ja sehr beliebt.

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