Bundespolitik Kandidatin für Linke-Vorsitz: Susanne Hennig-Wellsow im Porträt

An diesem Wochenende betritt die Thüringer Linke-Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow die bundespolitische Bühne. Die 42-Jährige kandidiert auf dem digitalen Bundesparteitag in Erfurt gemeinsam mit der hessischen Fraktionsvorsitzenden Janine Wissler für den Vorsitz der Bundespartei. Ein Porträt.

Susanne Hennig-Wellsow spricht auf einem Podium.
Susanne Hennig-Wellsow auf einem Landesparteitag der Linken in Thüringen (Archivbild) Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Eher zögerlich tritt sie am 4. September vergangenen Jahres in das Licht der Kamera-Scheinwerfer, den Blick etwas verlegen und unsicher suchend. In wenigen Augenblicken wird Susanne Hennig-Wellsow - in der Empfangshalle der Thüringer Linke-Landesgeschäftsstelle in Erfurt - ihre Kandidatur für den Vorsitz der Bundespartei erklären. Wer die 42-Jährige bei diesem Auftritt sieht, spürt: Hier greift noch kein routinierter Politik- und Medienprofi nach den Sternen. Hennig-Wellsows natürliches, unprätentiöses Auftreten mag wohl auch ein Grund für ihre Beliebtheit an der Thüringer Parteibasis sein.

"Blumenstraußwurf" nach Kemmerich-Wahl

Überregional bekannt wurde Susanne Hennig-Wellsow fast genau sieben Monate vorher. An jenem schicksalhaften 5. Februar 2020 wurde der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt. Hennig-Wellsow - die auch die Fraktion im Landtag führt - verweigerte Kemmerich den Handschlag und warf ihm einen Blumenstrauß vor die Füße. Von einem "Tabubruch" und einem "Pakt mit dem Faschismus" sprach sie danach.

Susanne Hennig-Wellsow (r., Die Linke) hat Thomas Kemmerich (l., FDP), dem neuen Thüringer Ministerpräsident, die Blumen vor die Füße geworfen und wendet sich ab.
Am 5. Februar 2020 warf die Thüringer Landesvorsitzende der Linken dem jüngst gewählten Ministerpräsidenten Kemmerich (FDP) als Protestgeste einen Blumenstrauß vor die Füße. Kemmerich war mit den Stimmen der AfD gewählt worden. Bildrechte: dpa

Der "Kampf gegen den Faschismus" habe sie seit ihrer frühesten Jugend geprägt, sagt Susanne Hennig-Wellsow heute. In ihrem Elternhaus sei oft über Politik diskutiert worden, ein Hauptthema dabei: die Zeit des Nationalsozialismus.

Einst jüngste Abgeordnete im Thüringer Landtag

Geboren wurde Susanne Hennig-Wellsow am 13. Oktober 1977 in Demmin im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Ein Kind der DDR-Zeit also - wie so viele Mitglieder ihrer Partei. Seit Mitte der 80er-Jahre lebt sie in Erfurt, macht mit 19 Jahren Abitur am hiesigen Sportgymnasium. Danach Studium der Erziehungswissenschaften, mit 25 Jahren Eintritt in die damalige PDS. Schon ein Jahr später wurde Susanne Hennig-Wellsow als jüngste Abgeordnete in den Thüringer Landtag gewählt, dem sie bis heute als Fraktionsvorsitzende angehört.

Hennig und Wellsow 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 24.02.2021 19:00Uhr 02:40 min

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2013 dann eine Zäsur in der Geschichte der Thüringer Linken - mit Hennig-Wellsows Wahl zur Landesvorsitzenden wurde der Generationswechsel eingeleitet. Erfolgreich übte die damals 36-Jährige den Spagat, die damals noch reichlich vertretenen ehemaligen SED-Mitglieder aus der Vorwendezeit nicht vor den Kopf zu stoßen - andererseits der etwas angestaubten Partei ein frischeres Erscheinungsbild und eine modernere Programmatik zu verschaffen. Und damit auch eine jüngere Wählerklientel anzusprechen.

Verein "Rote Hilfe" vom Verfassungsschutz beobachtet

Auch vor schrilleren Tönen schreckte Hennig-Wellsow - die eigentlich als Pragmatikerin gilt - dabei nicht zurück. So im Oktober 2019, als sie auf einem Parteitag in Weimar im Vorfeld der Landtagswahlen die Devise ausgab: "Bodo oder Barbarei!" Erstauntes Raunen bei den Delegierten - von der Landes-CDU hagelte es empörte Kritik. Noch immer ist die Thüringer Linke-Vorsitzende darüber hinaus Mitglied im Verein "Rote Hilfe" - der auch in Thüringen vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Für Irritationen sorgte zudem eine China-Reise einer Linke-Delegation vor vier Jahren - auf Einladung der dortigen Kommunistischen Partei.

Susanne Hennig-Wellsow (l-r, alle Die Linke), Fraktionschefin der Linken, Bodo Ramelow, füherer Ministerpräsident von Thüringen, und Steffen Dittes, stellvertretender Landesvorsitzender der Linken von Thüringen, sitzen nebeneinander im Thüringer Landtag
Hennig-Wellsow mit dem Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (beide Linke). (Archivbild) Bildrechte: dpa

Hennig-Wellsow liegt Vermittlerrolle

Hennig-Wellsows Kernkompetenzen liegen jedoch unbestreitbar im Vermitteln, im Finden von Gemeinsamkeiten und Kompromissen. Eine Fähigkeit, die sie beim Führen der in etliche Strömungen gespaltenen, oft streitbaren Bundespartei gut gebrauchen kann.

So gilt die Fraktions- und Landesvorsitzende als Wegbereiterin und maßgebliche Architektin von Rot-Rot-Grün in Thüringen - dem ersten Regierungsbündnis dieser Art in der Geschichte der Bundesrepublik. Und dem viele Beobachter eine solide Sacharbeit attestieren. Ein großer persönlicher Erfolg auch für Susanne Hennig-Wellsow - der sie nun offenbar für höhere Aufgaben prädestiniert.

Parteitag: Linke wählt Führungsspitze auf Bundesebene Auf einem digitalen Bundesparteitag will die Linke am Freitag und Samstag eine neue Führungsspitze wählen. Eine der Kandidatinnen auf den Bundesvorsitz ist die Thüringer Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow. Ihr und der hessischen Fraktionsvorsitzenden Janine Wissler werden die größten Chancen eingeräumt. Wegen der Pandemie-Lage findet der Parteitag ausschließlich dezentral und digital statt. Die eigentliche Wahl des neuen Führungsduos steht am Samstag auf dem Programm. Sollte Hennig-Wellsow gewählt werden, will sie auch vom Landtag in den Bundestag wechseln. Der Thüringer Landesvorstand wird am Montag darüber beraten, wie es mit dem Landesverband weitergeht. Nach Lage der Dinge könnte ein neuer Landesvorsitzender entweder im Juni oder Ende des Jahres gewählt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Februar 2021 | 12:00 Uhr

28 Kommentare

emlo vor 6 Wochen

Sie mögen Ihn für guten Politiker halten, allerdings gibt es durchaus Leute, die sich erlauben das anders zu sehen. Ich halte ihn für einen gefährlichen Blender. Allerdings geht es hier überhaupt nicht um ihn. In einem Punkt gebe ich Ihnen sogar Recht: Diese beiden Politiker kann und sollte man nicht vergleichen!

Erichs Rache vor 6 Wochen

@martin

Ich habe nichts mit Ihrem Feminismus am Hut. Jedoch stehe ich auf die vermässungsmäßige Ordnung, die leider auch in Thüringen GEBROCHEN wurde!

Tpass vor 6 Wochen

Martin ? Was ist den Demokratische Wahl ihrer Meinung nach? Es geht nicht um wer etwas nicht mag . Nach ihrer Ansicht hätte dann auch Ramelow nicht wieder ins Amt zurückkehren dürfen. Er wurde auch mit der AfD Stimme gewählt und selbst hat er AfD gewählt und seine Stimme dafür gegeben. Also das ist Demokratie? Oder wollen Sie das wieder Frau Merkel sagt die Wahl ist Rückgängig zu machen?? Na dann müssen Sie nach Korea da ist es bestimmt besser für Sie. Gute Reise 🛫

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