Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz Hilfe aus ganz Thüringen für Menschen aus Katastrophengebieten

Nach den schweren Unwettern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz schickt Thüringen aus dem gesamten Bundesland Hilfe in die Hochwassergebiete. Spendenaktionen laufen - die meisten Sammelstellen können aufgrund der hohen Resonanz bereits keine Spenden mehr annehmen. Hier eine Übersicht.

Hilfe vor Ort

Mehr als 200 Helfer aus ganz Thüringen sind in den Hochwassergebieten im Westen Deutschlands im Einsatz. Das Bundesland Rheinland-Pfalz hatte sich an alle anderen Bundesländer gewandt und um Hilfe gebeten, um Betroffene mit Trinkwasser zu versorgen. Das Landesverwaltungsamt leitete dieses an die Landkreise und kreisfreien Städte weiter. Bereits am Freitagnachmittag wurden Trinkwasser-Fahrzeuge und weitere Spezialtechnik geschickt. Weitere Hilfstrupps folgten am Samstag und Sonntag.

Menschen stehen vor Feuerwehrautos.
Am Wochenende brachen mehrere Hilfstrupps aus ganz Thüringen in die Krisengebiete im Westen Deutschlands auf. Mittlerweile sind über 200 Helfer aus dem Freistaat vor Ort. Bildrechte: MDR/Nils Buhla

Nordthüringen

Der Landkreis Eichsfeld hat sechs Kameraden der Feuerwehr mit einem Gerätewagen "Dekontamination" für die Trinkwasserversorgung nach Rheinland-Pfalz geschickt. Auch aus Nordhausen wurde der spezielle Einsatzwagen, der derzeit in Niedersachswerfen stationiert ist, angefordert.

Ostthüringen

Unterwegs ins Katastrophengebiet sind unter anderem Feuerwehrleute und Sanitäter aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Laut Landratsamt kommen die Helfer aus Oberweißbach, vom DRK Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt und der Freiwilligen Feuerwehr Remda. Auch aus dem Saale-Orla-Kreis starteten Helfer zum Einsatz in Rheinland-Pfalz. Die Neustädter Feuerwehr ist laut Landratsamt mit zwölf Leuten und einem Spezialfahrzeug unterwegs. Beladen ist es unter anderem mit einem 2.000 Liter-Trinkwasserbehälter sowie Zelten und Duschzelten. Das Landratsamt geht zunächst von einem zweitägigen Einsatz aus. Die Freiwillige Feuerwehr Jena-Mitte steht mit Gerätewagen und sechs Kameradinnen und Kameraden in Rufbereitschaft.

Südthüringen

Aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen sind zwei Einsatzfahrzeuge - ein Fahrzeug zur Trinkwasserversorgung und ein Unterstützungsfahrzeug (MTW) - mit insgesamt sechs Kameraden aus den Katastrophenschutzeinheiten des Landkreises auf dem Weg nach Rheinland-Pfalz. Auch aus dem Kreis Sonneberg starteten am Sonntag weitere Feuerwehrleute und Retter in Richtung Krisengebiete. Der Katastrophenschutzzug ist mit mehreren Tanklöschfahrzeugen unterwegs, meldet der Landkreis. Auch aus dem Kreis Hildburghausen starten zwei Einsatzfahrzeuge in Richtung Rheinland-Pfalz. Die ursprünglich angeforderte Rettungshundestaffel aus Suhl rückt nach Informationen von MDR THÜRINGEN zunächst nicht aus.

Der Tierschutzverein Südthüringen unterstützt einen Hilfstransport in die vom Hochwasser betroffenen Katastrophengebiete in Rheinland-Pfalz. Wie Vereinssprecherin Marion Hahn sagte, werden bis Donnerstag am Tierheim in Hildburghausen Spenden entgegen genommen. Benötigt werden Katzen- und Hundefutter sowie Mineralwasser. Der Transport wird von einem Agrarbetrieb übernommen. Dieser bringt Technik, Futter und weitere Helfer ins Katastrophengebiet.

Westthüringen

Die freiwilligen Feuerwehren aus den Eisenacher Ortsteilen Stedtfeld und Stockhausen/Hötzelsroda stehen bereit, zwei Fahrzeuge seien für den Einsatz vorgesehen.

Mittelthüringen

Derzeit sind vier Höhenretter der Berufsfeuerwehr Erfurt zusammen mit einem Polizeihubschrauber aus Thüringen und einem Gerätewagen Einsatz. Außerdem wurden ein Einsatzleitwagen und der Gerätewagen Dekontamination "Personal" der Freiwilligen Feuerwehr Dittelstädt und sieben Kameraden zum Einsatzort geschickt. Am Sonntag schickte die Stadt Erfurt einen kompletten Katastrophenzug ins Flutgebiet: 31 Männer und Frauen brachen mit acht Feuerwehrfahrzeugen nach Rheinland-Pfalz auf. Bis auf zwei Berufsfeuerwehrleute handelt es sich um Mitglieder Freiwilliger Feuerwehren, unter anderem aus Gispersleben, Dittelstedt, Melchendorf und Hochheim. Der Trupp soll im Gebiet am Nürburgring vor allem entkräftete Feuerwehrkollegen ablösen. Der Einsatz wird als kompliziert eingeschätzt, weil Funk- und Handynetze kaum funktionieren.

Überschwemmte Straßen und Wohngebite in Ahrweiler und Ahrtal.
Die Gebiete im Kreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz sind besonders heftig vom Hochwasser betroffen. Bildrechte: Polizei Thüringen

Auch der Ilm-Kreis schickte ein sogenanntes "Dekon-P"-Fahrzeug mit Einsatzkräften nach Rheinland-Pfalz. Inzwischen liegen der Landesverwaltung weitere Anfragen vor, unter anderem für Krankentransportwagen. "Die Einsatzwagen und entsprechend qualifizierte Kräfte können durch den Ilm-Kreis unmittelbar bereitgestellt werden", so der Landkreis.

Sechs Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Weimar-Ehringsdorf kehrten am Sonntagabend nach einem dreitägigen Einsatz zurück nach Thüringen. In mehreren Ortschaften im Umkreis der Grand-Prix-Strecke Nürburgring hatten sie seit Samstag den Auftrag, Trinkwasser zu transportieren.

Sechs Kameraden der Freiwiligen Feuerwehr stehen vor einem Einsatzfahrzeug.
Die Ehringsdorfer Feuerwehrleute (v.l.n.r.): Thomas Seyfarth, Stephan Kunert, Stefan Dürschmied, Florian Brühl, Patrick Pawlowsky und Frank Briesner) bei der Rückkehr am Sonntagabend. Bildrechte: Freiwillige Feuerwehr Weimar-Ehringsdorf

Thüringer Polizei mit Leichenspürhunden vor Ort

Sämtliche Katastrophenschutzzüge der Thüringer Landkreise sind in Alarmbereitschaft und können innerhalb weniger Stunden ausrücken. Die Einsätze werden vom Landesverwaltungsamt koordiniert. Angefordert wird die Hilfe wiederum vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz in Bonn.

Inzwischen sind auch Leichenspürhunde der Thüringer Polizei in der besonders schwer getroffenen Region Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz vor Ort. Laut Thüringens Inneminister Georg Maier (SPD) muss davon ausgegangenen werden, dass in den Kellern der überfluteten Häuser weitere Tote liegen. Der Freistaat hatte am Freitag bereits einen Polizeihubschrauber mit einer Seilwinde nach Rheinland-Pfalz geschickt. 

Spenden für Flutopfer

An mehreren Orten in Thüringen wurden am Sonntag Hilfsgüter für die Flutopfer gesammelt - derzeit können aufgrund der hohen Spendenbereitschaft vielerorts keine Spenden mehr angenommen werden, da Lagerkapazitäten fehlen.

In Erfurt mussten bereits nach einer halben Stunde die von freiwilligen Helfern organisierten Sammelstellen wegen Überfüllung schließen. Die Transport- und Lagerkapazitäten seien erreicht, sagte Jennifer Benisch, die gemeinsam mit Freunden die Annahme in Erfurt-Linderbach organisierte. Die Spenden werden zunächst in Erfurt zwischengelagert und sollen in Absprache mit dem Deutschen Roten Kreuz kommende Woche in die Krisenregionen gebracht werden. Andere Helfer wie Anja Wagner aus Bindersleben organisierten den Transport und das Verteilen der Hilfsgüter selbst. Das DRK bittet unterdessen, auf weitere Sachspenden zu verzichten. Es gebe weder Lagermöglichkeiten noch Personal, so Thorsten Trütgen vom DRK-Kreisverband Ahrweiler.

Die Stadt Jena und Jena-Kultur planen eine Benefizaktion für die Opfer der Flutkatastrophe. Auf Initiative des Lutherisch-Evangelischen Kirchenkreises sollen deshalb die Eintrittsgelder aus dem Kulturarena-Konzert am kommenden Samstag den Flutopfern zugutekommen. Am 24. Juli spielt die Jenaer Philharmonie unter dem Motto "Folk Classics" ein Programm mit Tänzen aus aller Welt.

Die Stadt Weimar ruft zu Spenden für Hochwasseropfer in der Partnerstadt Trier auf. Vor allem für die Opfer der Flutkatastrophe im schwer betroffenen Stadtteil Ehrang, der durch den Moselzufluss Kyll fast vollständig geflutet wurde, bittet die Stadt Trier um Geldspenden. Diesem Aufruf schließe sich die Stadt Weimar an, so Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos). Bei der Caritas-Stiftung "Zeichen der Hoffnung" gibt es ein Konto, auf dem unter dem Stichwort "Hochwasserhilfe" gespendet werden kann.

Das Klinikum Mutterhaus Ehrang steht unter Wasser und wurde komplett notevakuiert.
Die Stadt Weimar ruft zu Spenden für Hochwasseropfer in der Partnerstadt Trier auf. Bildrechte: dpa

Sowohl für Nordrhein-Westfalen als auch für Rheinland-Pfalz wurden Spendenkonten eingerichtet. Das DRK Thüringen bittet in einer Pressemitteilung am Samstag Spender um Verständnis dafür, dass derzeit keine Sachspenden abgewickelt werden können. Die Grundversorgung von Betroffenen und Einsatzkräften sei bereits gewährleistet. Sämtliche Logistik des DRK sei gerade anderweitig im Einsatz.

Quelle: MDR THÜRINGEN/fno

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. Juli 2021 | 19:00 Uhr

11 Kommentare

Critica vor 18 Wochen

mdr, es wird hier nicht nach Ursache gefragt, sondern nach dem, was die Regierung im Katastrophenfall zu tun hat. Schließlich hat die Regierung die "Fürsorgepflicht", nicht nur im Kampf gegen Corona, sondern ebenfalls bei Naturkatastrophen, Flugzeugabstürzen, Chemieunfällen etc. pp. Also bitte nichts vermischen!

Critica vor 18 Wochen

Ja, Uwe, Sie haben Recht. Und die Hilfsaktionen sind gut und richtig. Aber zu aller-aller-erst ist einmal die Regierung gefragt, die den Katastrophenschutz sträflich vernachlässigt und nun alles auf den "Klimawandel" schiebt.

der Uwe vor 18 Wochen

"""die meisten Sammelstellen können aufgrund der hohen Resonanz bereits keine Spenden mehr annehmen""
Wie geil ist das denn, die Spendenbereitschaft, ist so gross, dass die Lager und die Logistik aus den Nähten platzten
- Das sind DIE Momente, wo man als Thüringer wieder stolz auf seine Landsleute sein kann....
Vllt. greift jetzt die oder jene Spedition jetzt zusätzlich mit ein,- und die Sachen sind dann bei jenen vor Ort, die sie benötigen....

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