Klimawandel Was Thüringer Kommunen gegen die Hitze unternehmen wollen

Was kann gegen die hohen Temperaturen in den Städten unternommen werden? Diese Frage beschäftigt die Thüringer Kommunen schon seit einigen Jahren - mit unterschiedlichen Ergebnissen, wie eine Umfrage zeigt.

Flachdach mit Dachbegruenung
Die Begrünung von Dächern und Fassaden ist eine der Maßnahmen, mit denen Thüringer Städte gegen die Hitze vorgehen wollen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Rupert Oberhäuser

Die hohen Temperaturen beschäftigen die Thüringer Kommunen. Wie das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) beobachtet, setzen Temperaturen über 35 Grad Celsius das Thema Hitzeschutz auf die Tagesordnung der Kommunalpolitik. "Unser Eindruck ist, das Thema Klimaanpassung kommt zunehmend an in den Kommunen", sagte Stefan Brune vom dortigen "Kompetenzzentrum Klima".

Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, sind die Städte damit aber auf einem unterschiedlichen Stand. So arbeiten etwa Erfurt und Jena schon seit mehreren Jahren an Hitzeschutzkonzepten und haben erste Maßnahmen umgesetzt.

Erfurt begrünt Dächer und Fassaden

Nach Angaben der Stadtverwaltung beteiligt sich die Landeshauptstadt seit 2017 an dem Forschungsprojekt "Heatresilient City". Dabei geht es unter anderem um mehr und vielfältigere Baumpflanzungen in der Stadt und um Hitzeanpassung in Wohnhäusern. Demnach wird in einem neuen Wohnquartier mit Dach- und Fassadenbegrünung gearbeitet.

Darüber hinaus gibt es akute Hitzewarnungen und Tipps bei hohen Temperaturen auf dem städtischen Internetportal. Der vor zwei Jahren in Angriff genommene Hitzeaktionsplan soll laut Stadtverwaltung bis Jahresende fertiggestellt sein.

Jena plant Klimaoasen

Mehr große Bäume ins Stadtgebiet zu bringen, ist auch in Jena ein wichtiger Teil der städtischen Klimastrategie. "Laubbäume sind so etwas wie ein Allheilmittel beim Klimawandel", sagt Anya Schwamberger, Stadtentwicklungsplanerin in der Stadtverwaltung. "Sie bieten im Sommer Schatten und lassen im Winter das Licht durch." Die Stadt setzt inzwischen auch auf mediterrane Sorten, etwa auf den aus dem Süden stammenden und an Hitze gewöhnten Zürgelbaum.

Laubbäume sind so etwas wie ein Allheilmittel beim Klimawandel.

Anya Schwamberger Stadtentwicklungsplanerin in Jena

Außerdem sollen sogenannte Klimaoasen hitzegeplagten Menschen Schatten und Abkühlung bieten. Eine solche Oase ist gerade im Norden der Stadt angelegt worden. Auf einer ehemaligen Verkehrsfläche wurden Bäume und große Sträucher als Schattenspender gepflanzt und eine Blühwiese angelegt. Jena taucht in den Statistiken des Deutschen Wetterdienstes (DWD) regelmäßig als eine der heißesten Städte in Deutschland auf.

Weimar sammelt Daten

In Weimar wird nach Angaben der Stadtverwaltung derzeit an einer Klimaanalyse als Voraussetzung für konkrete Schritte gearbeitet. Dabei sollen besonders hitzegefährdete Gebiete erkundet und die Klimasituation um sensible Einrichtungen wie Altenheime oder das Krankenhaus beurteilt werden.

Artern: Maßnahmen trotz fehlendem Gesamtkonzept

Auch Artern im Kyffhäuserkreis ist regelmäßig in den DWD-Wetterbilanzen auf - als sonnigster Ort Thüringens. Wie Bauamtsleiterin Antje Große sagte, gibt es hier bisher noch kein Hitzeschutzkonzept. "Alles, was baulicher Wärmeschutz ist, machen wir aber." So seien das Bürgerzentrum und ein besonders hitzeanfälliger Kindergarten mit Jalousien zum Schutz vor Sonneneinstrahlung ausgestattet worden. Wo es möglich ist, würden zudem Bäume gepflanzt. Gerade im Ortszentrum, dem heißesten Bereich der Stadt, sei dies allerdings wegen der zahlreichen unterirdisch verlaufenden Versorgungsleitungen kaum möglich.

Alles, was baulicher Wärmeschutz ist, machen wir aber.

Antje Große Bauamtsleiterin Artern

Gera hat erste Ideen für Hitzschutz

In Gera gibt es nach Auskunft von Umweltamtsleiter Konrad Nickschick ebenfalls noch kein detailliertes Hitzeanpassungskonzept - wohl aber punktuelle Ideen. Auf einer Rodungsfläche im Tierpark soll mit Geld aus einem Bundesprogramm ein Klimagarten mit hitzebeständigen heimischen Baumarten entstehen. Bereits jetzt sei der Tierpark neben dem Stadtwald entlang der Elster eine kühle Oase an heißen Tagen. Das Besondere daran: Es gibt einen temperaturabhängigen Eintrittspreis. Das heißt: Wenn es es heißer ist als 30 Grad, geht der Ticketpreis um 50 Cent herunter.

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MDR (cfr),dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. Juli 2022 | 19:00 Uhr

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