Wahlen Kandidiert Thüringens AfD-Chef Höcke für den Bundestag?

Die Thüringer AfD stellt am Sonnabend ihre Liste mit den Bundestagskandidaten auf. Stephan Brandner wird wohl wieder für das Parlament in Berlin kandidieren. Doch auch dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke werden Ambitionen nachgesagt, in der Bundespolitik mitzumischen. Parteiinterne Zustimmung bekommt Höcke immer wieder vom rechten Rand.

Björn Höcke im Plenum
Thüringens AfD-Chef Björn Höcke Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Björn Höcke äußert sich zu einer möglichen Bundestagskandidatur – wenn überhaupt – nur vage, wie im Gespräch mit MDR Moderator Lars Sänger im Sommer 2020. Damals sagte er: "Ich wäre kein Politiker, wenn ich mir das nicht offen halten würden." Der Moderator hakte nach: "Also Sie schließen es nicht aus, 2021 für den Bundestag zu kandidieren?" Höckes Antwort: "Ausschließen tue ich das nicht."

AfD-Sprecher: Höcke-Kandidatur wäre keine Überraschung

Mann mit Brille vor Bücherregal
Politikwissenschaftler Oliver Lembcke: Er forscht zu Populismus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kurz vor der Aufstellung der Bundestagskandidaten steht Höcke für ein Gespräch nicht zur Verfügung. Der Sprecher der AfD Thüringen, Torben Braga, sagte MDR AKTUELL: Überrascht wäre er nicht, sollte Höcke kandidieren, allerdings "ist schon für den Vorstand davon auszugehen, dass es bei einer beabsichtigten Kandidatur schon im Vorfeld deutlich angekündigt worden wäre." Was Höcke nicht getan hat. Mal wieder nicht.

Immer wieder wird allerdings spekuliert, den Parteichef könnte es in die Bundespolitik ziehen. Aus taktischer Sicht müsste er eigentlich den nächsten Schritt gehen, sagt der Politikwissenschaftler Oliver Lembcke, der zu Populismus forscht und sich auch mit der Thüringer AfD beschäftigt.

Ich denke, die Versuchung ist groß und zwar allein schon deswegen, weil er das Bild vermeiden muss, als ewiger Zauderer zu gelten und deswegen wäre jetzt der Zeitpunkt reif. Ich denke, ein Großteil würde das von ihm auch erwarten, auf der anderen Seite ist es auch mit einem erheblichen Risiko verbunden.

Oliver Lembcke Politikwissenschaftler

Mitbegründer des rechtsextremen "Flügel"

Björn Höcke ist Fraktions- und Parteichef, trotz oder wegen seiner extrem rechten Positionen. Höcke war Mitbegründer des rechtsextremen und inzwischen formal aufgelösten "Flügel". In einem von ihm mit veröffentlichten Buch schreibt er, man werde "leider ein paar Volksteile verlieren, die zu schwach oder nicht willens sind, sich der fortschreitenden Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung zu widersetzen."

Der Bundesverfassungsschutzchef Thomas Haldenwang bezeichnete Höcke als Rechtsextremisten. Trotz oder wegen Björn Höcke holte die AfD Thüringen bei der Landtagswahl 23 Prozent.

Höcke könnte verlieren

Im Bundestag hingegen wäre er einer von vielen Abgeordneten, sähe sich mit einer zerstrittenen Bundespartei konfrontiert. Er hätte also einiges zu verlieren, sagt der Politologe Oliver Lembcke. "Er droht sozusagen als Hoffnungsträger verbrannt zu werden und das ist das große Risiko, denn danach gibt’s kein Zurück mehr, er kann nicht wieder in den Landesverband als erfolgreicher Höcke zurück, sondern er muss dann schon den nächsten Schritt machen und den nächsten Erfolg machen. Aber was wäre das?"

Eine Regierungsbeteiligung im Bund ist ausgeschlossen. Die ist allerdings auch in Thüringen aktuell nicht in Sicht. Darum sei der Bundestag der nächste Schritt, sagt hingegen ein ehemaliger AfD-Abgeordneter.

Ex-AfD-Politiker sieht nächsten Schritt auf Karriereleiter

Oskar Helmerich
Oskar Helmerich war zuerst AfD-Mitglied, hatte dann ein SPD-Parteibuch und ist nun parteilos. Bis 2019 war er Abgeordneter im Thüringer Landtag. Bildrechte: IMAGO

Oskar Helmerich saß zuerst für die AfD im Thüringer Landtag, danach für die SPD. Inzwischen ist er parteilos und nicht mehr in der Politik. Er kann die AfD also nur noch von außen beobachten. Helmerich ist sich aber sicher: "In Thüringen ist er schon fest drin, da hat er sich schon etabliert, da kann er nichts mehr gewinnen, er muss jetzt einen Schritt weiter, das ist eine Karrieretreppe für ihn." Höcke habe ein Sendungsbewusstsein. "Natürlich will er in den Bundestag. Und wann will er es denn machen? Jetzt ist die beste Zeit für ihn durch die ganze Coronaproblematik, das sind ja potenzielle Unterstützer für ihn und die AfD."

Am Sonnabend wird sich entscheiden, ob Höcke in Thüringen bleibt oder sich als Kandidat für den Bundestag aufstellen lässt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL - Radio | 07. Mai 2021 | 08:12 Uhr

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