Corona-Pandemie Holter verteidigt Testpflicht in den ersten beiden Schulwochen

Lange hatte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter der von Linken, SPD, Grünen, CDU und FDP geforderten Corona-Testpflicht an Schulen skeptisch gegenübergestanden. Nachdem er nun eingelenkt und die Testpflicht für die ersten beiden Schulwochen eingeführt hat, verteidigt er die Entscheidung im Interview mit MDR THÜRINGEN. Es gehe darum, nach den Sommerferien keine Infektionen in die Schulen hineinzutragen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres in Thüringen wird es an den Schulen zweimal pro Woche Corona-Test-Angebote für Schüler und Lehrer geben. Damit will das Bildungsministerium nach den Worten von Minister Helmut Holter (Linke) die beschlossene Testpflicht in den ersten beiden Wochen nach den Sommerferien umsetzen. Wer sich an den Tests nicht beteilige, werde erfasst und der örtlich zuständigen Ordnungsbehörde gemeldet, sagte Holter der Linke-Politiker am Donnerstag MDR THÜRINGEN. Diese leite dann ein Bußgeldverfahren ein. "Wir gehen von einem Bußgeld zwischen 60 und 250 Euro aus", so Holter. Das Ministerium wolle "schauen, welche Wirkung das erzielt und dann weiterschauen".

"Keine Infektionen in die Schulen hineintragen"

Holter sagte weiter, mit diesen "stringenten Sicherheitsmaßnahmen" in den ersten beiden Wochen wolle man sicherstellen, dass keine Corona-Infektionen in die Schulen hineingetragen würden. Danach werde es in den Warnstufen 1 und 2 freiwillige Testangebote geben und erst bei Warnstufe 3 eine Testpflicht. "Wir wollen so viele Schülerinnen und Schüler wie möglich an den Schulen", betonte Holter.

Grafik zum Corona-Warnsystem in Thüringen ab 24. August
Das seit 24. August in Thüringen geltende Corona-Warnsystem. In den ersten beiden Wochen nach den Sommerferien sind Tests an den Schulen Pflicht, danach nur bei Warnstufe 3. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schüler erhalten Test-Nachweise

Schüler, die sich in ihrer Schule auf eine Corona-Infektion testen lassen, sollen dafür einen Nachweis bekommen, den sie auch außerhalb der Schulen nutzen können. Darüber informierte Bildungsminister Holter die Schulen in einem Schreiben, wie sein Ministerium mitteilte. Der Testnachweis könne beispielsweise für den Besuch der Musikschule gelten. Je nach Infektionsgeschehen können Testnachweise etwa auch für den Besuch eines Restaurants oder eines Konzerts nötig werden. Auch dafür soll der in der Schule erstellte Nachweis gültig sein, wie ein Sprecher sagte. Demnach sollen die Schulen den Kindern und Jugendlichen auf Wunsch eine Bescheinigung ausstellen, auf der die durchgeführten Tests aufgelistet sind. Die Nutzung ist freiwillig.

Warten auf Entscheidung zu Quarantäne-Regeln für Infizierte

Unklar ist nach Holters Worten noch, welche Quarantäne-Regeln bei festgestellten Infektionen mit dem Coronavirus gelten sollen. Klar sei, dass infizierte Kinder in häusliche Quarantäne müssten. "Ob der Banknachbar auch in Quarantäne muss, das muss die Gesundheitsministerkonferenz entscheiden." Er hoffe, dass es am Freitag eine Empfehlung der Gesundheitsministerkonferenz dazu geben wird. "Es muss von den Gesundheitsbehörden klar entschieden werden, wer in Quarantäne muss", forderte Holter.

Nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums entscheidet die Konferenz der Gesundheitsminister erst am Montag über diese Frage. Thüringen setze sich dafür ein, die Dauer der Quarantäne bei Infektionen von 14 auf fünf Tage zu verkürzen, sagte Ministeriumssprecher Frank Schenker MDR THÜRINGEN.

Holter wirbt für Impfung

Bildungsminister Holter appellierte auch an Lehrerinnen und Lehrer, sich impfen zu lassen. Bei Grundschullehrern sei die Impfquote schon bei über 80 Prozent. Er gehe von einer ähnlich hohen Quote auch an den weiterführenden Schulen aus, so Holter. Er werbe auch dafür, "dass sich so viele junge Leute wie möglich impfen lassen".

"Digitaler Unterricht funktioniert"

Ein Thüringer Schüler arbeitet zuhause mit der Schulcloud.
Ein Thüringer Schüler arbeitet zu Hause mit der Schulcloud. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die für den Distanzunterricht eingerichtete Schulcloud arbeitet nach Holters Angaben mittlerweile stabil. In den vergangenen Monaten sei die Server-Kapazitäten ausgebaut worden, zwischen 800 und 900 Schulen in Thüringen seien inzwischen in die Cloud eingebunden. Außerdem seien 32.000 mobile Endgeräte über die Schulträger an Schülerinnen und Schüler verteilt worden. "Der digitale Unterricht funktioniert", sagte Holter. Voraussetzung sei aber, dass Breitband in den Regionen anliege. Hier gebe es in Thüringen noch "weiße Flecken".

Corona-Grafiken zum Durchklicken

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 02. September 2021 | 07:10 Uhr

41 Kommentare

Bria21 vor 12 Wochen

Lulu123. Genau das ist der Punkt. Wie belastend Schüler den Test wirklich empfinden liegt an der Einstellung der Eltern und wie die es ihrem Kind vermitteln.

Um Himmels Willen, es geht doch nur um die ersten 2 Wochen nach den Ferien. Während der Ferien hat man viele Aktivitäten, an verschiedenen Orten durchgeführt. Ich als Mutter würde unbedingt wissen wollen, ob mein/ein Kind sich da vielleicht irgendwo infiziert hat und es in die gesamte Schule einträgt.

Lulu123 vor 12 Wochen

Mr Nobody
Was ist das für ein Vergleich. Ob man raucht kann jeder selbst entscheiden.
In SpielStraßen und vor Schulen ist Tempo 30 angeordnet..

In wie fern schränkt ein Test eigentlich die Grundrechte ein ?

Es ist nun mal Aufgabe des Staates Gesetze und Verordnungen zum Schutz der Gesellschaft festzulegen da leider Einige frewillig nicht auf die Idee kämen sich rücksichtsvoll zu benehmen.
Sie nennen es Bevormundung,andere Vorsicht.

knarf2 vor 12 Wochen

faultier:Daß es nicht nur um Corona geht ist gelogen.Und im Übrigen ist die Politik nach dem Gesetz verpflichtet gesundheitlichen Schaden vom Volk abzuwenden!

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