Kritik an Verordnung Thüringer Waldbesitzer wollen nicht mehr Fichten schlagen

Auf dem Weltmarkt herrscht Holzknappheit. Trotzdem wollen Thüringer Waldbesitzer nicht mehr Fichten schlagen und verkaufen. Der Grund: Es gibt nicht genug Bäume zum Fällen.

Baumstämme liegen gestapelt in einem Wald
Im letzten Jahr gab es Fichtenholz im Überschuss. Bildrechte: Colourbox.de

Trotz der aktuellen Holzknappheit auf dem Weltmarkt wollen die Thüringer Waldbesitzer nicht mehr Fichtenholz als bisher schlagen und verkaufen. In den Wäldern des Freistaats gebe es derzeit nicht genug Fichtenholz, um den Einschlag massiv auszudehnen, sagte der Vorsitzende des Thüringer Waldbesitzerverbands, Jörg Göring, MDR THÜRINGEN.

Hintergrund der Debatte ist eine Initiative Bayerns, das sogenannte Forstschäden-Ausgleichsgesetz auszusetzen. Durch das Gesetz, das erst vor einigen Tagen in Kraft getreten ist, sollte der Einschlag von Fichtenholz eigentlich begrenzt werden.

Viel Fichtenholz durch Plage, Stürme und Trockenheit

Im vergangenen Jahr hatten sich die Thüringer Waldbesitzer noch für das Gesetz stark gemacht. Wegen der Borkenkäferplage, Stürmen und Trockenheit mussten massenhaft Fichten gefällt werden. Die Folgen waren übervolle Holzlager und Preisverfall. Um den Holzüberfluss auf dem Weltmarkt zu drosseln, beschloss der Bund das Ausgleichsgesetz, das den Fichten-Einschlag vorübergehend auf maximal 85 Prozent der durchschnittlichen jährlichen Holzernte beschränkt.

Baubranche klagt über Holzmangel

Seit Anfang des Jahres klagt die Baubranche über Holzmangel. Durch massive Nachfrage aus China und den USA sind die Preise mittlerweile wieder in die Höhe geklettert. Doch die privaten Waldbesitzer, Thüringen Forst und die Landesregierung sehen keinen Bedarf, das Gesetz zu ändern. Sie wollen nicht mehr Fichtenholz schlagen als bisher.

Dadurch werden Versorgungsengpässe auch für Sägewerke verursacht, die dadurch ihre Kunden in der Bauwirtschaft nicht mehr beliefern können.

Hubert Aiwanger

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger warnt vor den Folgen: "Dadurch werden Versorgungsengpässe auch für Sägewerke verursacht, die dadurch ihre Kunden in der Bauwirtschaft nicht mehr beliefern können, wodurch Gebäude bis hin zu Mietwohnungen nicht rechtzeitig fertiggestellt werden können." Seinen Angaben zufolge war die Einschlagsbeschränkung "gut gemeint", sie sei jedoch von der aktuellen Entwicklung am Holzmarkt überholt worden und störe massiv die Märkte.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa,jni

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Mai 2021 | 17:00 Uhr

8 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 23 Wochen

Thüringen ist ein kleiner Mitspieler im großen, globalen Marktgeschehen.
Kanada hat massive Einbußen wegen Schadholz. Die skandinavischen Holz- und Papierkonzerne nutzen diese Chance und können hochwertigere Produkte anbieten. Dadurch ist der Holzpreis in die Höhe geschnellt. Nun möchte jeder wieder von diesem Trend schnell teilhaben. Trotz Dürre, Käfer und Sturm der sogenannte Markt hat anders reagiert. Wobei inzwischen fast jeder wissen müßte: DEN Markt gibt es nicht. Es sind Menschen, Produzenten, Profiteure die den Markt machen und nutzen.

Hobby-Viruloge007 vor 23 Wochen

Wieso der Staat jetzt über das Forstschäden-Ausgleichsgesetz in den Markt eingreift, ist für mich nicht nachvollziehbar. Verarbeitetes Holz erzielt Höchstpreise, da sollte früher oder später auch etwas bei den Holzbauern ankommen.
Die (diversen) Preissteigerungen für Material im Handwerk werden die wichtige Konjunktursäule Handwerk abwürgen. Wenn das Haus oder die Wohnung 20-30 % mehr kostet, dann können sich immer weniger Miete oder Eigentum leisten.

maddin vor 23 Wochen

Ich weiß zwar nicht ganz genau, wohin das Holz geht und was damit alles so angefangen wird, aber ich denke, Thüringen hat genug Bäume „abgeräumt“! Eigentlich schon fast egal, in welchem Wald ich in letzter Zeit so unterwegs war, der Harvester war immer schon vor mir da! Ob im Hainich, am Inselsberg, hinter Tambach-Dietharz oder Ruhla, zermanschte Wege, Schneisen im Wald, kahle Hänge, wirr durcheinander liegende Äste, umgefahrene Wegweiser, zugeschüttete Laichtümpel, abgetrennte Baumkronen und kleinere Stammüberbleibsel in Mengen - es sieht einfach nur absolut verheerend aus! Da freut sich ganz gewiss jeder Tourist so richtig toll darauf! R2G regiert in Thüringen? Mit echtem und natürlichem Grün haben die es offenbar dann doch nicht so?

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