Verwaltung Ministerien in Thüringen nutzen Homeoffice sehr unterschiedlich

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat am Dienstag an die Unternehmen im Land appelliert, ihren Mitarbeitern die Arbeit von zu Hause aus zu ermöglichen - für Tätigkeiten, bei denen das möglich ist. Doch wie sieht es in puncto Homeoffice eigentlich bei der Landesverwaltung selbst aus?

Das Thüringische Landesverwaltungsamt, 2011
Das Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar: Etwa ein Drittel der Beschäftigten arbeitet derzeit im Homeoffice. Bildrechte: imago/imagebroker

Ministerien und Landesbehörden in Thüringen nutzen das Homeoffice in sehr unterschiedlichem Maße. Während in der Staatskanzlei derzeit etwa zwei Drittel der Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten, sind es im Finanzministerium nur 25 Prozent der Belegschaft. Im Justizministerium wechseln bis auf wenige Ausnahmen die 170 Mitarbeiter seit November wöchentlich das Büro mit ihrem Zuhause, um Doppelbelegungen in den Büros zu vermeiden.

Im Wirtschaftsministerium können theoretisch fast 90 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice arbeiten. Wie viele das tatsächlich tun, ist unbekannt. Ähnlich ist die Situation im Thüringer Umweltministerium, wo es für 75 Prozent die technischen Voraussetzungen gibt. Im Landesverwaltungsamt im Weimar nutzt etwa ein Drittel der Belegschaft die Möglichkeit des Homeoffice.

Nach Angaben des Finanzministeriums kann fast die Hälfte der rund 20.000 PC-Arbeitsplätze in der Thüringer Landesverwaltung durch technische Lösungen auch für die Heimarbeit genutzt werden. Registriert sind derzeit aber nur 4.100 Nutzer - allerdings deutlich mehr als noch im Frühjahr. Damals waren es 850.

Bausewein verweist auf Datenschutz

Skeptisch äußerte sich Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein am Donnerstag zu der Forderung der Ministerpräsidenten der Länder vom Dienstag, das Homeoffice auszuweiten. Der Datenschutz in Verwaltungen müsse in besonderem Maße eingehalten werden, sagte er. Mitarbeiter könnten nicht einfach mit Akten nach Hause geschickt werden. Es gebe sensible Bereiche, wo die Akten de facto das Büro nicht verlassen dürfen.

Aktuell sind laut Bausewein rund 470 Mitarbeiter der Stadtverwaltung im Homeoffice. Es werde jetzt versucht, in weiteren Bereichen Lösungen dafür zu finden. Das Ziel, möglichst viele Menschen auch aus der Verwaltung ins Homeoffice zu schicken, sei völlig verständlich, sagte Bausewein. Für die Verwaltungen müsse aber alles auch rechtssicher sein.

Linke fordert Anspruch auf Homeoffice

Die Linksfraktion im Thüringer Landtag fordert einen rechtlich bindenden Anspruch auf Arbeiten von zu Hause. So seien Büros weiterhin Orte mit großem Infektionsrisiko, vor allem, wenn dort viele Pendler arbeiten, heißt es in einer Mitteilung. Mobiles Arbeiten zu ermöglichen, würde die Angestellten schützen. Alle Teile der Wirtschaft müssten in die Pflicht genommen werden, die Pandemie zu bekämpfen.

Nach Meinung der Linksfraktion darf bürokratischer Mehraufwand kein Maßstab dafür sein, die Homeoffice-Auflagen nicht umzusetzen. Die Linken reagieren mit ihrer Forderung auf Aussagen verschiedener Wirtschaftsverbände. Diese wenden ein, dass der bürokratische Aufwand zu hoch sei, um die Auflagen umzusetzen. Laut dem jüngsten Beschluss der Ministerpräsidenten der Länder vom Dienstag werden Arbeitgeber dazu angehalten, ihren Angestellten überall dort Heimarbeit anzubieten, wo es möglich ist. Gesetzlich dazu verpflichtet sind sie aber nicht.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. Januar 2021 | 15:00 Uhr

2 Kommentare

Rico Marbach vor 33 Wochen

Ich gebe Herrn Oberbürgermeister Bausewein vollumfänglich Recht; Heimarbeit ist nicht überall möglich! Interessant wäre, wie viele Beschäftigte der Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Erfurt von März bis Juni 2020 in Heimarbeit waren und wie vielees jetzt sind... Innerhalb der Bereiche, in denen Heimarbeit möglich ist, sollte und muss das Thema Gleichbehandlung beachtet werden!

kleinerfrontkaempfer vor 34 Wochen

Wo Beamte + Angestellte arbeiten ist sekundär. Wichtig ist, wie gut und effizient sie arbeiten.

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