Fünf Fragen, fünf Antworten Welche Berufe in Thüringen durch Computer ersetzbar sind

Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat zur Folge, dass viele Tätigkeiten innerhalb bestimmter Berufsbranchen nicht mehr von Menschen ausgeführt werden müssen. Welche Berufe und Regionen in Thüringen betroffen sind, hat MDR THÜRINGEN ermittelt.

Roboter in Werkhalle
Immer öfter übernehmen Roboter bestimmte Aufgaben Bildrechte: imago/Westend61/Collage/Martin Paul

Was genau bedeutet ersetzbar?

Forscher des "Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung" (IAB) - der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit - haben für knapp 4.000 Berufe in Deutschland sogenannte Substitutionspotenziale berechnet. Gemeint ist damit, inwiefern eine, mehrere oder sogar alle Tätigkeiten innerhalb eines Berufes durch Technik und IT theoretisch substituiert - also ersetzt - werden können.

Dabei wird in drei Kategorien unterteilt:

  • Geringe Substituierbarkeit: Substitutionspotenzial liegt zwischen 0 und 30 Prozent
  • Mittlere Substituierbarkeit: Substitutionspotenzial liegt zwischen 30 und 70 Prozent
  • Hohe Substituierbarkeit: Substitutionspotenzial liegt zwischen 70 und 100 Prozent

Ist hohe Ersetzbarkeit gleichbedeutend mit dem Aussterben von Berufen?

Inwiefern ein hohes Substitutionspotenzial bedeutet, dass die betroffenen Berufe bald nicht mehr existieren, ordnet Dr. Per Kropp, wissenschaftlicher Mitarbeiter im regionalen Forschungsnetz des IAB, für MDR THÜRINGEN wie folgt ein:

Wir erwarten, dass sich diese Berufe am stärksten verändern. Dadurch steigt in der Regel die Produktivität, das heißt, ein Beschäftigter kann mehr Güter oder Dienstleistungen zu einem günstigeren Preis bereitstellen. Wenn dadurch die Nachfrage steigt, kann auch die Beschäftigtenzahl wachsen, wenn die Nachfrage stagniert, werden Beschäftige in diesem Beruf freigesetzt.

Zugleich entsteht oder erhöht sich durch die Digitalisierung die Nachfrage nach neuen Produkten oder Dienstleistungen. Welche Beschäftigungseffekte in der Summe entstehen, ist kaum vorhersehbar, aber es ist auf alle Fälle nicht nur das Wegfallen von Arbeitsplätzen.

Dr. Per Kropp, IAB

Wie ist die Situation auf dem Thüringer Arbeitsmarkt?

In Deutschland liegt der Beschäftigtenanteil in stark substituierbaren Berufen zwischen 15 und 30 Prozent. In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg sind die Werte am niedrigsten, über dem Bundesschnitt liegen Baden-Württemberg, das Saarland und auch Thüringen mit 29,1 Prozent:

Im Freistaat sind laut IAB etwa gleich viele Menschen in Berufen beschäftigt, die entweder stark oder nur gering substituierbar sind. Die Mehrheit hingegen arbeiten in Berufen mit mittlerer Substituierbarkeit:

Rund 10.000 der Beschäftigten (1,3 Prozent aller Beschäftigten) üben laut IAB Tätigkeiten aus, die bereits heute ganz von Computern oder computergesteuerten Maschinen übernommen werden könnten. Dabei handelt es sich um Fertigungs- und Fertigungstechnische Berufe wie Fachkräfte für Elektrotechnik oder Metallumformung und Dienstleistungs- und Logistikberufe wie Fachkräfte in der Steuerberatung und im Beruf Kranführer/Bediener Hebeeinrichtung.

Welche Regionen sind in Thüringen besonders betroffen?

In Thüringen variiert der Anteil der Beschäftigten in stark substituierbaren Berufen zwischen 17,3 Prozent (Weimar) und 45,9 Prozent (Landkreis Sonneberg):

Das liegt vor allem an der unterschiedlichen, regionalen Berufsstruktur. Städtische Gebiete weisen tendenziell niedrigere Substituierbarkeitswerte auf als die Landkreise. Im Thüringer Becken beispielsweise wird das entlang der Städtekette von Erfurt bis Gera deutlich.

Auch die Branchenstruktur einer Region spiegelt sich in niedriger oder hoher Substituierbarkeit wider. Im Landkreis Sonneberg beispielsweise sind verhältnismäßig viele Menschen in Fertigungsberufen angestellt, die über ein hohes Ersetzungspotenzial verfügen.

Wie ersetzbar ist mein eigener Beruf?

Auf der Internetseite job-futuromat des IAB kann für knapp 4.000 Berufe nachvollzogen werden, welche Tätigkeiten einen Job kennzeichnen und wie viele davon durch Technik und IT theoretisch ersetzbar wären.

Daten und Methodik

Um Substituierbarkeitspotenziale zu ermitteln, haben Forscher des IAB ermittelt, wie viele einen Beruf kennzeichnende Tätigkeiten bereits durch Computer oder computergesteuerte Maschinen ausgeführt werden könnten. Diese Berechnung erfolgte auf Grundlage der Expertendatenbank BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit. Das BERUFENET ist eine Datenbank der Bundesagentur für Arbeit. In ihr werden zu allen in Deutschland bekannten Berufen berufskundliche Informationen online und kostenlos zur Verfügung gestellt. Im BERUFENET sind den ca. 3.900 Einzelberufen ca. 8.000 Arbeitsanforderungen bzw. Kerntätigkeiten zugeordnet.

In einem unabhängigen Dreifach-Codier-Verfahren wurde jede der ca. 8.000 Kerntätigkeiten danach beurteilt, ob sie bereits nach dem technischen Stand in 2016 von Computern oder computergesteuerten Maschinen ausgeführt werden könnte. Dabei wurden nur die für die Ausübung des Berufes unerlässlichen Kernanforderungen betrachtet. Den Anteil dieser potenziell ersetzbaren Kernanforderungen an allen Kernanforderungen eines Berufes bezeichnen die IAB-Forscher als Substituierbarkeitspotenzial.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

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