Corona-Impfung Thüringen will Impfangebot für alle Kinder ab zwölf bis Sommerferien-Ende

Thüringen will allen Kindern ab zwölf Jahren bis zum Ende der Sommerferien ein Impfangebot machen, so Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Eine allgemeine Empfehlung der Impfkommission gibt es allerdings noch nicht.

Ein Mädchen bekommt eine Corona-Impfung
Kinder impfen - ja oder nein? Bildrechte: imago images/Sven Simon

Thüringen will allen Kindern ab zwölf Jahren bis zum Ende der Sommerferien ein Impfangebot machen. Das sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Mittwoch nach einem Kinder-Impfgipfel in Erfurt. Das Land sei vorbereitet, die Mehrheit der Eltern und auch der Kinder stehe seiner Meinung nach einer Impfung sehr aufgeschlossen gegenüber. Nun komme es darauf an, wann der Impfstoff zugelassen wird und wieviel Vakzin Thüringen erhält, so Ramelow.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 26.05.2021 19:00Uhr 02:30 min

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Holter: "Weg aus der Pandemie"

Auch Bildungsminister Helmut Holter (Linke) nannte Impfungen den "Weg aus der Pandemie". Gelinge die Kampagne, könnten sich Familien auf ein verlässlicheres Schuljahr 2021/22 freuen. Er hoffe auf bundesweite und einheitliche Aufklärung. Das Impfangebot soll den Angaben zufolge freiwillig sein.

Helmut Holter (Die Linke), Minister für Bildung, Jugend und Sport von Thüringen, spricht auf einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei.
Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Bildrechte: dpa

Impfkommission äußert sich skeptisch

Zuvor hatte sich die Ständige Impfkommission (STIKO) jedoch skeptisch zu einer möglichen Massenimpfung von Kindern und Jugendlichen geäußert. Eine allgemeine Impfempfehlung sei wegen des unklaren Risikos unwahrscheinlich, hieß es. Momentan sei nichts über Neben- oder Langzeitwirkungen von Corona-Impfungen bei Kindern bekannt. Biontech-Pfizer hat als erster Hersteller eine EU-Zulassung für Zwölf- bis 15-Jährige beantragt. Das Land werde sich selbstverständlich daran orientieren, welche Empfehlungen die Ständige Impfkommission macht, so Ministerpräsident Ramelow.

Kritik aus der Opposition

Kritik kommt aus der Opposition. Der Schulbesuch dürfe nicht an eine Impfung geknüpft werden, fordert CDU-Fraktionschef Mario Voigt. Er sieht die Landesregierung in der Pflicht, alles zu tun, um einen reibungslosen Start ins neue Schuljahr zu ermöglichen, unter anderem mit Lüftungsgeräten und ausreichenden Tests.

Die AfD im Landtag verweist darauf, dass Risiken und Nebenwirkungen bei einem "Impfturbo" für Kinder nicht abschätzbar seien. Denny Jankowski, der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, sagte, bei der derzeitigen Sachlage ein breites Impfangebot für Minderjährige vorzubereiten, sei unverantwortlich.

Schon jetzt würden Impfdosen von Biontech-Pfizer zurückgehalten, um für einen möglichen Start der Kampagne einen Vorrat zu haben, sagt Robert-Martin Montag, der gesundheitspolitische Sprecher der FDP. Dieser Impfstoff fehle dann bei den Erwachsenen.

Dem widerspricht Annette Rommel, Erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Diese Aussage sei reine Mutmaßung, sagt Rommel am Donnerstag MDR THÜRINGEN. Dass weniger Biontech-Dosen als erwartet ankämen, liege einzig und allein an Lieferschwierigkeiten des Herstellers.

Lehrerverband fordert Aufklärung

Der Thüringer Lehrerverband (tlv) spricht sich für eine Impfkampagne aus, fordert aber eine ausführliche Aufklärung im Vorfeld. Das müssten Kinder- und Hausärzte leisten, auf keinen Fall aber das Lehrpersonal in den Schulen. Es sei eine heftige Debatte zu erwarten, so der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch. Es müsse vermieden werden, dass sie "auch nur in die Nähe von Schule" gerückt werde.

Beim Thüringer Kinder-Impfgipfel am Mittwoch hatten sich nach Angaben der Landesregierung Landespolitiker, Mediziner, Wissenschaftler sowie Vertreter von Familien und Schulen abgestimmt.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/fno

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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