Holter zu vorgezogenen Winterferien "Ich weiß, dass das Arbeitgeber und Familien vor neue Herausforderungen stellt"

Der Lockdown soll verlängert werden. Und wenn man weiterhin Kontakte reduzieren will, kommt man um die Schließung der Schulen möglichweise nicht herum. Aber wie kann zu Hause gelernt werden? Und was soll der Vorschlag nach vorgezogenen Winterferien bringen? Das haben wir Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag gefragt.

MDR THÜRINGEN: Online lernen wäre ja ein tolles Konzept, dafür gibt es in Thüringen die sogenannte Schulcloud. Doch die ist oft nicht erreichbar, Arbeitsblätter können nicht heruntergeladen werden. Herr Holter, wie wollen Sie das in den Griff bekommen?

Helmut Holter: Da gibt es mehrere Ursachen. Das Eine ist, dass die Schulcloud faktisch von null auf hundert gestartet ist. Wir haben gemeinsam mit unserem Partner, dem Hasso-Plattner-Institut, die Server-Kapazitäten und auch die technischen Voraussetzungen, die Server zu nutzen, ausgebaut im vergangenen Jahr.

Das ist das Eine. Das Zweite ist natürlich die Breitband-Versorgung in Thüringen, die muss deutlich verbessert werden. Das ist aber eine Frage, die außerhalb meines Kompetenzbereiches liegt. Aber auch da gibt es eine klare Strategie, wie das erfolgen muss. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die Schulcloud benutzerfreundlich ist und hoffentlich Störungen ausgeschlossen sind.

Die Schulcloud funktioniert übrigens auch aus der Sicht vieler Lehrer nicht. Gern würden sie also andere Plattformen benutzen wie "Padlet" oder auch "Zoom". Das machen andere Bundesländer ja auch. Aber in Thüringen sind sie vom Datenschutz verboten worden. Das geht so weit, dass uns Lehrer gesagt haben: Wir sind Schachmatt, ab Montag können wir gar keine Online-Aufgaben mehr anbieten. Kann der Datenschutz da nicht mal hinten anstehen?

Nein, der Datenschutz kann nicht hintenan stehen. Das ist ein hohes Gut. Wir wissen, dass unser Datenschutzbeauftragter in Thüringen in diesen Fragen ein sehr strenger Zeitgenosse ist. Wir sind auch mit ihm in einem ständigen Austausch. Aber bestimmte Plattformen werden vom Datenschutz nicht zugelassen. Es gibt aber andere Möglichkeiten wie Bluebutton, aber auch andere Plattformen sind möglich. Es gibt ja Schulen, die vor der Thüringer Schulcloud Internetplattformen genutzt haben, die auch zulässig sind.

Jede Schule macht es ja anders. Warum geben Sie keine Marschrichtung vor, sodass alle Schulen einheitlich im Homeschooling lehren können?

Es gibt eine Marschrichtung. Wir haben im Sommer vergangenen Jahres eine Handreichung, übrigens als einziges Bundesland, für das häusliche Lernen - Homescooling - erarbeitet. Das liegt auch vor. Da geht es sowohl um das analoge Lernen als auch das digitale Lernen. Also es gibt dieses Arbeitsmaterial, wie man den Unterricht zu Hause und das Lernen zu Hause organisieren kann. Das steht. Und das andere sind eben Fragen der technischen Möglichkeiten, die in den einzelnen Schulen und auch in den einzelnen Orten Thüringens dann berücksichtigt werden müssen.

Die Marschrichtung ist das Eine. Die andere Frage ist, wie kontrollieren Sie - das Ministerium - ob diese Marschrichtung auch umgesetzt wird?

Sie müssen das auseinanderhalten. Es wird immer verlangt, dass wir eigenverantwortliche Schulen haben. Diese Eigenverantwortung wird auch gestärkt. Die Schulleiterinnen und Schulleiter mit ihren Kolleginnen und Kollegen sind sehr kreativ und engagiert, um diese Situation zu meistern. Da kann ich nur dankbar sein. Wir schaffen den Rahmen, wir schaffen auch die technischen Voraussetzungen mit den Schulträgern. Alles andere muss dann vor Ort geklärt werden, auch unter den Bedingungen des Datenschutzes. Da wird niemand allein gelassen. Und wir stehen auch für Konsultationen zur Verfügung. Wichtig ist, dass wir über das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien einen kompetenten Ansprechpartner haben, um das umzusetzen. Und da gibt es viele gute, erfahrene Menschen vor Ort, die auch anderen helfen.

Nun haben Sie ja vorgeschlagen die Winterferien vorzuziehen. Ist das rechtlich überhaupt möglich?

Das wird seit gestern geprüft. Die erste Meldung, die ich gestern Abend erhalten habe sagt, das ginge, das zu tun. Ich weiß, dass das Arbeitgeber und Familien vor neue Herausforderungen stellt. Wir werden heute im Kabinett erneut darüber sprechen. Ich bin der Meinung, wir sind in einer besonderen Situation, wir haben eine Krise zu bewältigen. Da muss es auch unorthodoxe Entscheidungen geben können.

Eltern haben teilweise schon Urlaub genommen. Was machen die jetzt?

Na diejenigen, die Urlaub genommen haben, da sind wir am Überlegen, die Möglichkeiten zu schaffen, dass es dann auch im Februar den gemeinsamen Familienurlaub gibt. Aber da bitte ich noch um Geduld. Wir haben heute eine Kabinettssitzung, nachdem die Ministerpräsidenten sich mit der Kanzlerin beraten haben, um dann also auch die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Der Vorschlag liegt auf dem Tisch, ich bitte, ihn nicht einfach vom Tisch zu wischen.

Wir müssen jetzt alle zusammenrücken, Familien, Arbeitgeber, auch die Lehrerinnen und Lehrer, auch wir in der Landespolitik, um diese Krise gemeinsam zu bewältigen und auch die Sache gemeinsam zu stemmen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und Morgenhahn | 05. Januar 2021 | 08:20 Uhr

30 Kommentare

Kyffhaeuser vor 14 Wochen

PS. es gibt "eigenverantwortliche " Lehrer die haben in Klasse 7 bis Heute während des gesamten Lockdowns noch nie eine Aufgabe an die Schüler gestellt ? Wofür werden die von unseren Steuern bezahlt ? fürs Nichtstun !! Herr Minister !!

Kyffhaeuser vor 14 Wochen

Teil 2 - Leider musste man der Cloud alle möglichen Rechte und Freigaben erteilen, die ich im normalen Leben niemals einer App oder Anwendung auf meinem PC erlaubt hätte ! soviel zum Datenschutz ( ein Witz). Leider wissen wir hier im Kyff Kreis bis heute nicht mit welchen Geräten die Schüler irgend wann mal versorgt werden sollen ?? Wir leben im Urwald ! oder im digitalen Mittelalter ! Der Minister schiebt das auf Andere ab ( wie immer ganz einfach , der Breitbandausbau usw. ) Neulich habe ich im Fernsehen gesehen wie ein Direktor (in Hamburg) einem Schüler und den Eltern einen komplett fertig eingerichteten Laptop in die Hand gedrückt hat , zum Onlinlernen für zu Hause 1 ich bin fast vom Stuhl gefallen, nicht das ich das ding nicht kaufen könnte, aber welches ?? Dafür war ja von Mai bis Oktober überhazupt keine Zeit Herr Minister ? Nichts ist in diesem Ministerium geregelt , gar nichts.

Kyffhaeuser vor 14 Wochen

Hallo will mal was zu der Schulcloud sagen. Bevor man sowas startet sollten doch Lehrer und schüler wenigstens einen minimalen Einführungskurs erhalten ? Ist nicht geschehen, zumindest nicht auf dem Gym in Sondershausen. Somit macht jeder Lehrer was er will, stellt Aufgaben ohne Abgabedatum, die dann natürlich nie kontrollioert werden usw. die Eltern müssen es kontrollieren, wer sonst ? total peinlich. Aufgaben sind irgendwo versteckt und die ganze sache ist total unübersichtlich. Die Krönung war der Versuch einer engagierten Lehreren ein Onlinseminar über die Schulcloud zu machen. Natürlich auch ohne jegliche Winweisung und technischen Support. Von 5 Endgeräten ( ja wir hatten so viele) darunter ein PC, ein Laptop (kein Apfel), 2 tablets und 2 Handys (android) lief dann nach einer Stunde ein Handy !! mit Bild und Ton, dann etwas später ein Tablet.

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