Technik Thüringen erlaubt Nachtzielgeräte für Jagd auf Schwarzwild

Guido Fischer
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ab sofort dürfen Jäger in Thüringen Nachtzielgeräte verwenden. Die künstlichen Lichtquellen erleichtern bei Dunkelheit die Sicht. Anlass der Freigabe ist der Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest. Die neue Verordnung erleichtert zudem die Jagd auf Rot- und Damwild.

Wildschwein schaut hinter einem Baum hervor.
Das Verstecken wird für Wildschweine künftig schwerer. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Thüringer Jägerinnen und Jäger dürfen ab sofort Nachtzielgeräte für die Wildschweinjagd benutzen. Das hat das Landwirtschaftsministerium mitgeteilt. Demnach sind künftig auch künstliche Lichtquellen für Jagd auf Schwarzwild zugelassen.

Darauf haben Thüringer Jäger lange gewartet. Während die meisten Bundesländer schon im vergangenen Jahr Nachtzieltechnik für die Jagd freigegeben haben, mussten sich Waidmänner und- frauen hierzulande noch gedulden. Politisch in Bewegung kamen die Dinge dann Anfang Juli, als der Landtag auf Antrag der FDP beschloss, die Nachtzieltechnik zuzulassen.

Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest als Anlass

Gut zwei Monate später ist nun die neue Ausführungsverordnung zum Thüringer Jagdgesetz fertig. Begründet wird die Freigabe von sogenannten Vor- und Nachsatzgeräten mit dem Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP). Die für den Menschen ungefährliche, aber für Tiere tödliche Seuche, grassiert seit vergangenem Jahr in Brandenburg.

Der Thüringer Agrar-Staatssekretär Torsten Weil (Linke) warnt vor einer Ausbreitung der Krankheit: "Für Thüringen hätte der Eintrag der Seuche erhebliche Folgen. Wir müssen alles daransetzen, Früherkennung, Eindämmung und Bekämpfung der Tierseuche zu verbessern."

Veterinäre eines Bergungsteams untersuchen in Schutzanzügen ein totes Wildschwein
Veterinäre eines Bergungsteams untersuchen in Schutzanzügen ein totes Wildschwein. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Für Thüringen hätte der Eintrag der Seuche erhebliche Folgen.

Torsten Weil Thüringer Agrar-Staatssekretär

Die Technik war in Deutschland lange Zeit verboten, da es nach Meinung der Sicherheitsbehörden zu gefährlich war, wenn zehntausende derartige Geräte in Privatbesitz sind. Schließlich kann ein geübter Schütze mit der entsprechenden Technik auf mehrere hundert Meter einen Menschen erschießen. Mit Blick auf die aus Osteuropa anrollende ASP hob Anfang 2020 zunächst der Bund das waffenrechtliche Verbot auf. Damit Jäger die Geräte einsetzen dürfen, mussten aber auch die Länder ihre Jagdgesetze anpassen.

Bessere Sicht bei Dunkelheit

Wildschweine werden in der Regel nachts bejagt. Erst dann trauen sich die scheuen Schwarzkittel aus ihren Verstecken. Der Einsatz der bisher verbotenen Technik erleichtert einen sicheren Schuss bei schlechten Lichtverhältnissen. Die Nachtzielgeräte sind in der Regel kleine Wärmebildkameras, die vor oder hinter das Zielfernrohr geschraubt werden. Mit ihnen kann ein Ziel auch bei völliger Dunkelheit anvisiert werden. Bisher mussten Jäger auf klare Mondnächte hoffen, um der Schwarzkittel habhaft zu werden.

Ein Vorsatzgerät der Marke NITEHOG
Ein multifunktionales Wärmebildgerät der Marke Nitehog. Bei Bedarf lässt es sich am Zielfernrohr der Jagdwaffe anbringen. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Auch ohne Nachtzieltechnik haben Thüringens Jäger im vergangenen Jahr mehr als 45.000 Wildschweine erlegt. Diese sogenannte Jahresjagdstrecke ist auch ein Beweis für die ständig steigenden Wildschweinpopulationen. Ende der 1990er-Jahre wurden in Thüringen noch weniger als 15.000 Wildschweine pro Jahr geschossen. Das Schwarzwild profitiert von den milden Wintern der vergangenen Jahre und dem großflächigen Mais- und Rapsanbau.

Verordnung erleichtert Jagd auf Rot- und Damwild

Die neue Verordnung bringt den Thüringer Jägern auch noch andere Erleichterungen. So sollen sie auch mehr Rot- und Damwild schießen, weil dieses die gestressten Wälder mit Verbiss weiter schädigt. Jäger werden nicht mehr bestraft, wenn sie binnen drei Jahren zehn Prozent mehr Tiere erlegen als im behördlichen Abschussplan stehen. Außerdem kommt es bei der Erlegung von Hirschen künftig nicht mehr auf die Stärke des Geweihs, sondern nur noch auf das Alter des Tieres an. Jäger müssen also bei Rothirschen nicht mehr nachzählen, wie viele Enden ihr Geweih hat, bevor sie auf sie schießen. 

Sven Voss 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Echt Sa 10.04.2021 11:45Uhr 29:41 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mehr zum Thema Jagd und ASP

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. September 2021 | 09:00 Uhr

7 Kommentare

Harka2 vor 1 Wochen

Und als nächstes kommen selbstzielsuchende Munition und Infrarot-Lenkraketen. Jeder echte Waidmann braucht weder Nachtsichgeräte noch etwas anderes als eine sichere Hand und ein gutes Gewehr. Wo er die Tiere findet, weiß er ohnehin.

DER Beobachter vor 1 Wochen

Helmut57 - die betreffenden Angelegenheiten sind allerdings zuvörderst Landessache (also des Bundeslandes, in dem Sie leben) und die der Förster, Jäger und Schweinehalter dort.

DER Beobachter vor 1 Wochen

Oje, geschätzter part. Sie haben sicher Belege? Und Abschussquoten gibt es doch nicht nur für Schwarzwild, sondern ebenso für Dam- und Rotwild. Wenn da was tatsächlich falsch läuft oder trotz der Quoten was überbordet, gehen Sie gern auf die untere betreffende Schutzbehörde Ihres Landkreises mit Fakten (Überbordender Rehverbiss, größere Rehherde) zu. Normalerweise müssten Ihnen das Nachbarn und die Forstwirte/Revierförster Ihres Wohnumfelds bestätigen können...

Mehr aus Thüringen