Thüringer "Jungsturm" Rechtsextreme Kampfsportler, Sicherheitsleute und militante Netzwerke

Nach MDR-Recherchen soll die Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe "Jungsturm" enge Verbindungen zum internationalen "Blood & Honour"-Netzwerk haben. Die Hooligan-Gruppe "Jungsturm" soll demnach zur Fan-Szene von FC-Rot-Weiß Erfurt gehören.

Nahaufnahme Nacken mit T-Shirt mit Aufdruck Jungsturm Kategorie EF
Die Hooligan-Gruppe Jungsturm soll zur Fan-Szene von FC-Rot-Weiß Erfurt gehören. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ende April 2020 – Polizeieinheiten durchsuchen Wohnungen und Objekte in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen. Die Razzia gilt der Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe "Jungsturm" aus dem Fan-Spektrum des  FC Rot-Weiß Erfurt. Drei Männer werden festgenommen. Darunter ein preisgekrönter Kampfsportler aus Sachsen-Anhalt.

eine Gruppe von sechs Menschen hält ein rotes Banner mit Aufschrift Jungsturm, einem Radsymbol und einem Wappen mit dem Buchstaben H, Köpfe unkenntlich gemacht
Aus Sicht des Hooligan-Experten Robert Claus besteht in der Verbindung die Gefahr, dass daraus Rechtsterrorismus entsteht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jürgen Graf von der Polizei Saalfeld sagte dem MDR, bei der Gruppe handle es sich um Männer im Alter von 20 bis 32 Jahren. "Die sind teilweise kampfsporterfahren, sind auch bekannt aus der Vergangenheit durch Gewaltstraftaten, einzelne Mitglieder der Gruppe und auch durch politisch motivierte Kriminalität."  Den "Jungsturm"-Mitgliedern wird die Gründung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, sie sollen über Jahre immer wieder Körperverletzungen begangen haben.

Brutale Kämpfe im Wald

Ein Wald irgendwo in Deutschland. Zwei Hooligan-Gruppen haben sich zu einem so genannten "Match" verabredet – einem Hooligan-Kampf. Die Männer gehen aufeinander zu, stürzen sich aufeinander – eine Massenschlägerei beginnt.

Jungsturm
Ende April 2020 hatte die Polizei Wohnungen und Objekte in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen durchsucht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Solche Kämpfe sind, auch wenn sie einvernehmlich geschehen, in Deutschland verboten. Das Video von diesem Kampf liegt dem MDR vor. Es zeigt, wie brutal solche Kämpfe ablaufen. Bei einer der beteiligten Gruppen handelt es sich nach MDR-Informationen um Mitglieder der Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe "Jungsturm".  Auch die drei Festgenommenen sollen hier zu sehen sein. Einige Mitglieder des "Jungsturms" arbeiten als Sicherheitsmitarbeiter bei Veranstaltungen, nehmen an Neonazi-Kampfsportturnieren wie dem TIWAZ 2019 teil. Der Kampfsportler aus Sachsen-Anhalt trainiert in seinem Verein sogar Kindergruppen.

Taten mit politischem Hintergrund

Romy Arnold, Sprecherin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Thüringen (Mobit) sagte dem MDR, dass die Sicherheitsbehörden die politische Dimension von Gruppierungen wie dem Jungsturm" zu oft vernachlässigt hätten, wenn etwa von "Problemfans" oder Gewalttätern aus dem "Fußballspektrum" die Rede sei.

Große Gruppe von Menschen, darunter viele Polizisten in Uniform mit Helmen
Eine Hooligan-Gruppe wie der Jungsturm könne in der rechten Szene rekrutieren und radikalisieren, befürchten Experten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Das lässt völlig außer Acht, dass Mitglieder vom Jungsturm in die deutsche und internationale Neonaziszene verwickelt sind, dass auch die Taten mit einem politischen Hintergrund verübt wurden, beispielsweise der Übergriff auf Connewitz 2016, an dem "Jungsturm"-Mitglieder beteiligt waren und dass "Jungsturm"-Mitglieder in der Neonaziszene sozialisiert worden sind."

Eine politische Dimension des Thüringer "Jungsturm" ist tatsächlich kaum zu übersehen. Nach MDR-Informationen unterhält  die Gruppe gute Kontakte zu den militanten bulgarischen Neonazi-Hooligans "Animals Sofia". Ein Foto zeigt sie mit den Rechtsextremen in Bulgarien und Erfurt. 

Jungsturm
Gegenseitige Stadionbesuche, Feiern, Familientreffen zeigen die Verbindung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch ins internationale Spektrum des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks "Blood & Honour" und dessen in Deutschland ebenfalls verbotenen bewaffneten Arm "Combat 18" sollen "Jungsturm"-Mitglieder enge Kontakte pflegen. Wechselseitige Stadionbesuche, Kneipenabende, Familienbesuche – immer wieder taucht auf den Fotos, die dem MDR vorliegen Orlin P. gemeinsam mit "Jungsturm"-Mitgliedern auf. Der bulgarische Neonazi ist nach MDR-Recherchen der Kontaktmann der Gruppe ins internationale Neonazi-Netzwerk.

Der Autor und Hooligan-Experte Robert Claus sagte dem MDR, die große Gefahr in einer Verbindung zwischen einer Gruppe wie dem "Jungsturm" und "Blood & Honour" bestünde darin, dass sie letztendlich auf Rechtsterrorismus hinauslaufen könne.

Extrem rechte Ideologie ist immer gewalttätig. Eine rechtsextreme Hooligan-Gruppe wie der "Jungsturm" hat das notwenige Gewaltpotential, in dem militante Strukturen der extrem rechten Szene weiter rekrutieren, die Leute auch weiter radikalisieren.

Robert Claus

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 19. Mai 2020 | 21:45 Uhr

5 Kommentare

Der Matthias vor 46 Wochen

Nicht zu vergessen die zahllosen Angriffe auf Einrichtungen und Politiker anderer Parteien! Oder auch die Morddrohungen und anderen Beleidigungen gegen Bürgermeister und Kommunalpolitiker, auch deutschlandweit. Von den bereits in die Tat umgesetzten Morden durch Rechte will ich erst gar nicht anfangen!

elcarino vor 46 Wochen

Mit Verlaub - Steffen was gibst du eigentlich für einen Stuss von dir?
Ja es gibt bei uns gelegentlich politische Botschaften im Stadion. Aber du willst nicht allen ernstes politisch linksliberale Botschaften der Horda (z.B. Gegen Sexismus im Stadion, gegen Polizeigewalt etc.) mit absolut widerwärtigen Nazi Gedankengut gleichsetzen? Und nein, der Jungsturm und Konsorten sind ja nicht nur besorgte Bürger, sondern militante Holocaust Leugner und stolze Rassisten. Ich find es beschämend, dass sich die komplette Erfuter Fankurve mit Mitgliedern solidarisiert. (siehe Spruchbänder in der gesamten Kurve). Sowas ist für micht keine Politik, sondern schlichtweg unglaublich dummes Gedankengut, welchem ich keine Daseinsberechtigung einräume - natürlich auch nicht im Stadion! Wenn du sowas wie den Jungsturm toll findest, dann wird dich bei uns im Stadion auch keiner Vermissen.

Steffen-Das Original vor 46 Wochen

Ich als Jena Fan, sage euch habt ihr keine anderen Probleme? Man kann aus jeder Winzigkeit ein Riesending machen. Mir ist auch nicht bewusst das die Gruppe "Jungsturm" aktiv im Stadion Politik verbreitet hat. Da kommt mal nach Jena( wenn es wieder erlaubt ist) und schaut euch mal die Horda an! Fast jedes Spiel eine politische Botschaft. Da wächst mehr Extremismus heran als woanders oder in Erfurt( aber die spielen ja auch nicht zur Zeit).

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