Bildungsministerium Keine finanzielle Unterstützung für Luftreiniger an Thüringer Schulen

Das Bildungsministerium wird den Kauf von Luftreinigern in Schulen nicht finanziell unterstützen. Es sei nicht möglich, alle knapp 17.000 Thüringer Unterrichtsräume binnen kurzer Zeit mit Luftreinigern auszustatten. Am Dienstagabend schloss Bildungsminister Holter den Einsatz nicht mehr generell aus.

Schüler machen die Fenster auf
Viele Schüler empfinden das regelmäßige Lüften als angenehm, unabhängig von Corona (Symbolfoto). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Thüringer Bildungsministerium wird den Kauf von Luftreinigern in Schulen nicht finanziell unterstützen. Wie ein Sprecher des Bildungsministeriums MDR THÜRINGEN sagte, stünden nach derzeitigem Stand keine Landesmittel für die Anschaffung von Luftfiltergeräten zur Verfügung. Auch sei dem Ministerium kein passgenaues Förderprogramm für Schulen bekannt.

Ein entsprechendes Bundesprogramm fördert lediglich die Um- und Aufrüstung von stationären raumlufttechnischen Anlagen. Die Schulträger im Freistaat allerdings hätten mehrheitlich signalisiert, dass dieses Programm für Schulen nicht nutzbar sei. Außerdem, so das Bildungsministerium, müssten sich am Kauf von Luftfiltern auch die Schulträger, also die Kommunen und kreisfreien Städte sowie das Finanz- und Infrastrukturministerium beteiligen.

Das Lüftungskonzept an Schulen sieht aktuell eine Stoßlüftung der Räume alle 20 Minuten vor. Im Zuge der sinkenden Temperaturen hatten die Thüringer Landeseltern- als auch die Landeschülervertretung gefordert, dass die Regierung finanzielle Mittel für den Kauf von Lüftungsanlagen bereitstellt beziehungsweise die Schulen damit ausstattet. Gleiches fordert ein Antrag der FDP-Fraktion.

Ministerium: Regelmäßiges Lüften nicht gesundheitsgefährdend

Wie ein Sprecher des Bildungsministeriums mitteilte, würden Diskussionen um drohende Erkältungen im Winter in weiten Teilen einer medizinischen Grundlage entbehren. Eine signifikant erhöhte Gesundheitsgefahr sei für Schüler und Lehrkräfte vom Öffnen der Fenster für lediglich wenige Minuten nicht zu erwarten. Es sei zudem nicht möglich, alle knapp 17.000 Thüringer Unterrichtsräume binnen kurzer Zeit mit Luftreinigern auszustatten, da sich die Anschaffung mehrere Monate hinziehen könne, so der Sprecher. 

In Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfallen (NRW) werden Schulen beim Kauf von Luftfilteranalagen unterstützt. So brachte NRW ein 50-Millionen-Euro-Sonderprogramm auf den Weg, mit dem Schulen, die Räume und Turnhallen nicht ausreichend lüften können, beim Kauf mobiler Lüftungsanlagen unterstützt werden.

Unterstützung in Thüringen in Sonderfällen möglich

In Thüringen wies Bildungsminister Helmut Holter (Linke) eigenen Angaben zufolge alle Schulträger nochmals auf die gültige Schulbauempfehlung hin. Diese sieht vor, dass alle Klassenzimmer ausreichend lüftbar sein sollen. Schulträger, die dies nicht gewährleisten können, sollten sich beim Bildungsministerium melden. Bisher habe es hierzu aber keine konkrete Rückmeldung gegeben.

CDU und FDP reagieren mit Unverständnis

Mit Unverständnis haben CDU- und FDP-Fraktion im Thüringer Landtag auf das Nein der Landesregierung zu Luftfiltern in Schulen reagiert. Während andere Länder so etwas vordringlich behandelten, verweigere Rot-Rot-Grün moderne Luftreiniger, das sei absolut unglaublich, so CDU-Fraktionschef Mario Voigt. Franziska Baum, bildungspolitische Sprecherin der Liberalen, sagte, die Landesregierung habe darauf gesetzt, dass sich Corona vor dem Winter erledigt, statt Vorsorge zu treffen.

Grüne sehen Bund in der Pflicht

Die Grünen sehen den Bund in der Pflicht. Es sei unverständlich, dass dieser sein 500 Millionen Euro starkes Förderprogramm für Luftfilteranlagen bisher nur auf fest installierte Anlagen beschränkt habe, sagte Fraktionsvorsitzende Astrid Rothe-Beinlich. Da müsse dringend nachgebessert werden. Die Thüringer Kommunen als Schulträger könnten dennoch schon jetzt mobile Anlagen anschaffen.

Mit den Corona-Hilfspaketen habe das Land Geld bereitgestellt, das auch dafür genutzt werden könne, so Rothe-Beinlich. Zudem müsse in den Haushaltsverhandlungen des Landes geschaut werden, wo es noch finanzielle Spielräume gebe.

Bildungsminister Holter zeigt sich offen

Am Dienstagabend schloss das Bildungsministerium den Einsatz von Luftreinigungsanlagen in Schulen nicht mehr generell aus. Minister Helmut Holter sagte MDR THÜRINGEN, er sei offen für die Anschaffung solcher Technik. Wenn sich die Landesregierung dafür entscheiden sollte, werde es aber noch dauern, bis diese Geräte zum Einsatz kommen könnten.

Mittel aus dem sogenannten Sondervermögen des Landes können laut Holter aber nicht ohne Weiteres abgezweigt werden. Sie seien alle verplant. Zudem müssten weitere Fragen geklärt werden - etwa, welches Gerät nachweislich die Luft von Viren reinigt oder wie die Klassenzimmer für die Installation umgebaut werden können.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. November 2020 | 05:00 Uhr

13 Kommentare

vermittler vor 45 Wochen

Ein klassisches Beispiel (leider!!) für die "Haltbarkeit" einer Politikeraussage: "Wir müssen die Schulen um jeden Preis offen halten."
Hier steht der Preis sogar fest: 5900€ pro Klassenraum, macht rund 80Mio. € für alle Räume in Thüringen (... das entspricht etwa einem Erfurter Stadion und einer halben BuGa...). Das wäre eine langfristige Investition - auch nach Corona kann es doch nicht schaden in der Erkältungszeit, wenn zum Teil halbe Klassen und Kollegien mit Schnupfen flach liegen, die Luft in der Räumen sauber zu halten. 6 Monate waren Zeit das zumindest zu beginnen. Stattdessen kauft man hektisch Computer zusammen ... für den "Distanzunterricht", also Vorbereitung auf Schulschließung statt "um jeden Preis offen zu halten".
Landeregierung: Note 6!

Matthi vor 45 Wochen

Es ist ja noch nicht mal genug Geld da um alle Schulen fachgerecht in Stand zu halten wo soll dann das Geld für die Geräte herkommen. Zum Glück sind in einigen Schulen die Fenster so undicht das sie nicht geöffnet werden müssen.

martin vor 45 Wochen

@critica: Wieviele Stunden in der Woche verbingt ein normaler Thüringer in Krankenhausfluren oder Wartezimmern ohne Fenster oder Lüftung? Und wieviele Stunden verbringen Schüler in kleinen Klassenräumen? Wenn Sie Ihr Hirn selbst anstrengen, könnte Ihnen ein "kleiner Unterschied" auffallen. Muss aber nicht - denn statt denken, geht es in der Tat auch anders.

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