Statistik für 2020 Kinder- und Jugendschutzdienste registrieren mehr Gewalt und Übergriffe

Noch nie wurden so viele Fälle von Gewalt, sexuellen Übergriffen und Vernachlässigung gegen Kinder und Jugendliche in Thüringen erfasst wie im vergangenen Jahr. Der Kinder- und Jugendschutz führt das besonders auf die Umstände während der Corona-Pandemie zurück.

Symbolbild: Gewalt gegen Kinder
Laut Statistik gab es während der Pandemie mehr Übergriffe und Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Bildrechte: IMAGO / photothek

Die Thüringer Kinder- und Jugendschutzdienste haben im vergangenen Jahr einen Höchststand an Kindswohlgefährdungen registriert. Seit der Gründung 1994 wurden noch nie so viele Fälle erfasst.

Offiziell seien 2.025 Fälle von Gewalt, sexuellen Übergriffen und Vernachlässigung gegen Kinder und Jugendliche registriert worden, sagte Landesgeschäftsführer Heiko Höttermann in Erfurt. 2019 waren es 1.830 Fälle. Laut Höttermann gibt es darüber hinaus eine hohe Dunkelziffer nicht erfasster Fälle. Besonders stark gestiegen seien die Fallzahlen bei Mädchen über 14 Jahren und bei sechs- bis 14-jährigen Jungen.

Mehr Fälle in der Corona-Pandemie

Ein Zusammenhang zwischen der Pandemie und den Fallzahlen sei offensichtlich, sagte Höttermann. So seien vor allem in den Monaten unmittelbar nach den Lockdowns drei- bis viermal mehr Anrufe bei den Sorgentelefonen eingegangen als sonst. Angerufen hätten neben Kindern und Jugendlichen auch vermehrt Eltern und Familienangehörige. Höttermann forderte, auch bei wieder steigenden Fallzahlen Schulen, Kindergärten und Jugendclubs in jedem Fall geöffnet zu halten. Deshalb müsse auch die Testpflicht an Schulen wieder eingeführt werden.

Hohe Dunkelziffer bei Gewalt gegen Frauen befürchtet

Die Frauenhäuser verzeichnen hingegen offiziell keine höheren Fallzahlen von Gewalt gegen Frauen. Allerdings müsse man von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen, sagte die Thüringer Gleichstellungsbeauftragte Gabi Ohler. Das Land werde deshalb laut Haushaltsplan für das kommende Jahr 1,5 Millionen Euro zusätzlich für den Gewaltschutz ausgeben. Die Gesamtsumme liege damit bei 3,4 Millionen Euro.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Thüringen nannte das zusätzliche Geld einen Anfang. Es reiche aber nicht aus, um eine flächendeckende Hilfestruktur für Menschen sicherzustellen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Der Verband fordert einen Landesaktionsplan, um zügig gesetzliche Novellierungen im Gewaltschutzbereich voranbringen zu können.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Oktober 2021 | 20:00 Uhr

1 Kommentar

Sozialberuflerin vor 2 Wochen

Nun wird massiv deutlich, was Kitas und Schulen, sprich päd. Fachkräfte und Lehrer abfangen!
Oft wird die Not dieser Kinder in den Einrichtungen gemildert, weil sie dort die meiste Zeit verbringen, Strukturen, Bildung,
Empathie/ Zuwendung (hoffentlich) und Beobachtung erfahren!

Pädagogen betreiben heute viel mehr Aufklärungungsarbeit (in Form von z.B. Elternabenden, Einzelgesprächen, Workshops etc.) für Eltern, als sinnvolle Bildungsarbeit am Kind!
Die Gründe dafür sind vielfältig!

Körperliche oder seelische Übergriffe jeglicher Art auf Kinder, gab es früher auch, ja

Aber so einfach, wie heute, die Verantwortung abzugeben und Bildung und Erziehung "anderen" zu überlassen, wurde es Eltern bisher nicht gemacht!

Und auch die Rechtslage und Möglichkeiten für Kinder sind leider in diesem Land einfach unwürdig!!!

Da komm ich seit Jahren aus dem Kopfschütteln mit einhergender Verzweiflung an Menschlichkeit nicht raus!
Und das ist Erfahrung und Wissen, nicht nur Meinungen


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